17.10.2019 - 13:17 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Leichte Kost

Es mag viele Gründe geben, ins Theater zu gehen. Weil man einen schönen Abend haben will, richtig ablachen oder einen Schauspieler hautnah erleben möchte. Bei „Ketten der Liebe“ gab’s im Stadttheater leichte Kost für Klamaukliebhaber.

Mit Co-Autor Franz Krause schrieb sich Tom Gerhardt mit der Bühnenklamotte "Ketten der Liebe" quasi eine Prachtrolle auf den Leib. Unter der Regie von René Heinersdorff lieferte das Ensemble leichte Kost ohne große Ansprüche.
von Marielouise ScharfProfil

Hausmeister Krause (alias Tom Gerhardt), der Chef aus der gleichnamigen TV-Comedyserie, lässt grüßen. Eigentlich wechselt er nur zeitweise die Kleider für die Theaterklamotte: „Ketten der Liebe“. Die graue Schürze wird durch unförmige Bermudas ersetzt, der Name in Mathias Bommes geändert, die Familie durch mehr oder weniger aufregende Gespielinnen ersetzt. Aber sonst ändert sich nicht viel. Die Hauptperson ist genauso ein Spießer, der in sämtliche Fettnäpfchen tritt und auch nach wie vor Vereinsmitglied ist im Dackelclub, dessen Motto lautet: „Alles für den Dackel, alles für den Club”.

Als Mitglied im Andy Roth (Dustin Semmelrogge) Hardcore-Fanclub heißt es jetzt auf der Bühne: „Alles für den Rocker“. Was jedoch ziemlich in die Hose geht und beinahe das Karriereende für den Star bedeutet! Die Story selbst ist Nebensache: Schlagerstar von kleiner Größe aber gigantischem Ego – außerdem mit großem Frauenverschleiß und dem Superhit „Ketten der Liebe“ - trifft Fan, den das Regionalfernsehen angeschleppt hat. In der Presse soll er als Star zum Anfassen rüberkommen – aber bei jeder Berührung bekommt er Pickel…

Ab sofort herrscht das Chaos, nicht nur im kunterbunten Backstage-Bühnenbild. Unerbittlich wird jeder Witz plattgewalzt, jede Pointe zerdehnt und so ziemlich jedes Klischee aufgegriffen. Alles ist auf Tom Gerhardt und seine TV-Hausmeister-Berühmtheit zugeschnitten. Voller Leidenschaft stapft er durch den Porzellanladen und gurrt sich als Taube ins Lachzentrum des Publikums. Viel Profilierungsspielraum lässt er für seine Mitspieler nicht: Semmelrogge, Sprössling des berühmt-berüchtigten Vaters, quält sich durch echte und geheuchelte Gefühle. Die Partnerinnen Fabienne Hesse, Claudia Van Veen und Swantje Riechers überraschen mit beinahe keimfreier Erotik. Nur Armin Riahi nimmt man den eifersüchtigen Sanitäter ab.

Das Stück ist seichtes Boulevardtheater, kein anspruchsvolles Bühnendrama. Wer so etwas mag, für den ist der Abend gerettet! Lacher gab’s genug und auch der Schluss-Applaus war absolut begeistert.

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