Noch jung und trotzdem "alte Hasen", was die Knasterfahrung betrifft. Zwei Männer aus Mittelfranken sollten drei Tage lang auf der Anklagebank vor dem Amberger Landgericht sitzen. Doch innerhalb von acht Stunden war der Prozess beendet. Das eher fröhlich vor seinen Richtern Platz nehmende Duo gab alles zu, was in der vier Seiten langen Anklageschrift stand. Dazu gab es zunächst Personalien: Einer 26 Jahre alt und 12 Vorstrafen, der andere 29-jährig und bisher 22 Mal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Mehr drinnen, als draußen.
Die Herren mit der unsauberen Weste waren in einer Vier-Personen-Zelle untergebracht, als sie am 6. Januar 2018 eine verwegene Attacke starteten. Erst hatte einer von ihnen beim Hofgang selbstgebrannten Schnaps ausgereicht, dann stand ihm und seinem Kumpel aus Franken, weil beide drogensüchtig, der Sinn nach Opiaten. Nach Einschluss in der Zelle 203 lockten beide einen JVA-Beamten unter einem Vorwand in den Saal, wie man neuerdings im Amtsjargon sagt. Dann wurde der Mann mit einem vorher abgebrochenen hölzernen Stuhlbein attackiert. Das Ziel dabei: Die Gefangenen wollten Schlüssel für einen Medikamentenschrank im Aufseherbüro haben.
Der angegriffene Beamte wehrte sich, er rief um Hilfe. Als eine Kollegin der Feiertagsschicht die Rufe vernahm und herbei eilte, war die Revolte im finalen Stadium. Die Häftlinge wurden in ihre Zelle zurückgedrängt. Danach räumte eine alarmierte Sicherungsgruppe die Unterkunft. Dabei kam es zu Beleidigungen und Widerstandshandlungen von einem der Täter.
Die Meuterei im Knast war beendet, ihre Urheber kamen in speziell gesicherte Zellen und danach in andere Strafanstalten. Vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts wurde nun deutlich: Sie brauchten damals offenbar dringend Opiate und fanden auf dem Schwarzmarkt hinter Gittern seinerzeit wohl wenige Angebote.
Nach den lückenlosen Geständnissen und einer daraufhin von den Richtern unterbreiteten Strafhöhen-Zusicherung waren die Urteile dann nur noch Formsache. Der 26-Jährige bekam drei Jahre und neun Monate, sein 29 Jahre alte Komplize erhielt vier weitere Jahre im Knast. Wegen Meuterei und versuchtem schwerem Raub. Doch das steht eigentlich nur auf dem Papier. Denn die Richter gestanden ihnen eine jeweils 24 Monate dauernde Entzugstherapie zu. Bei einem von beiden hatte ein Sachverständiger die Aussichtslosigkeit einer solchen Maßnahme befürchtet. Doch der Bundesgerichtshof (BGH) befiehlt das auch in solchen Fällen.













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