24.07.2019 - 16:55 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Nittenau: Bewährungsstrafe für tödlichen Schuss aus Jagdgewehr

Er hat laut Gericht "Vorschriften missachtet" und einen Menschen fahrlässig getötet. Die Aufarbeitung der Drückjagd bei Nittenau ist abgeschlossen. Sie endet für den Schützen mit zwölf Monaten Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden.

Der Angeklagte geht in den Verhandlungssaal des Landgerichts.
von Agentur DPAProfil

Musste man diesen Fall beim Landgericht verhandeln und damit vor einer Instanz, die im Regelfall nicht für fahrlässige Tötungen zuständig ist? In seinem einstündigen Schlussvortrag ließ Staatsanwalt Oliver Wagner keinen Zweifel an der Auffassung seiner Behörde: "Der Vorgang war außerordentlich komplex und hat deutschlandweit für Aufsehen gesorgt". Ähnlich äußerte sich später die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber.

Der Anklagevertreter zeichnete den Verlauf der Drückjagd auf Wildschweine am 12. August 2018 östlich von Nittenau nach. Dabei betonte er: "Was hier geschieht, ist kein Verfahren gegen die Jagd und die Jäger". Allerdings müsse das Waidwerk "in jeder Situation so sein, dass nichts passiert". Und an diesem Sommersonntag sei etwas Irreparabeles geschehen. Die Täterschaft des 46-Jährigen hielt Wagner für erwiesen. Sie sei eindeutig belegt durch Ermittlungen und Gutachten. "Kein Zweifel, dass der Schuss aus seiner Waffe kam". Das Projektil habe den in einem Auto als Beifahrer sitzenden Ingenieur Harald S. aus Regensburg getötet. Danach unterstrich der Anklagevertreter: "Der Sicherheitsmodus war um ein Vielfaches überschritten". Von daher also "eine schwere Pflichtverletzung".

"Sie sind ein anständiger Mensch, haben Reue und Kooperation gezeigt", schrieb der Staatsanwalt dem Angeklagten zu. Gleichwohl müsse das fahrlässige Verhalten mit einer Haftstrafe von 18 Monaten zur Bewährung geahndet werden. Außerdem verlangte Oliver Wagner die Zahlung von 20 000 Euro an die Eltern des Getöteten und weitere 10 000 Euro für eine gemeinnützige Organisation. Nebenklagevertreter Karl Langsch pflichtete ihm bei. Der Anwalt aus Regensburg hob hervor: "Ein eklatantes Versagen".

"Das Geschoss stammte aus seinem Gewehr", waren sich die Verteidiger Michael Haizmann (Regensburg) und Georg Kuchenreuter (Cham) einig. Den tragischen Ausgang der Drückjagd bezeichneten sie allerdings als "Augenblicksversagen" und damit keineswegs eine grobe Missachtung aller jagdlichen Vorschriften. Neun Monate mit Bewährung, so Anwalt Haizmann, seien ausreichend.

Die Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts beriet drei Stunden lang. Dann verhängte sie eine Haftstrafe von einem Jahr. Bei guter Führung braucht sie der 46-Jährige nicht abzusitzen. Außerdem muss er, wie vom Staatsanwalt verlangt, 20 000 Euro an die Eltern von Harald S. zahlen und weitere 10 000 Euro an den Hospizverein Schwandorf überweisen. Die Richter gingen in ihrer Gesamtschau der Dinge davon aus, dass der in Richtung der B 16 abgegebene Schuss zunächst die Weichteile einer anvisierten Wildsau durchschlug, dann die Seitenscheibe des vorüberkommenden Autos zertrümmerte und den dahinter sitzenden Ingenieur tötete. "Sie haben Pflichten verletzt", sagte die Kammervorsitzende Stöber und meinte damit vorrangig den Umstand, dass nicht für einen geeigneten Kugelfang gesorgt worden war.

Mit dem Urteil kommen enorme Kosten auf den 46-Jährigen zu. Die Summe dürfte im sechsstelligen Bereich liegen. Vorrangig resultieren die Forderungen aus einem Ermittlungseinsatz, der in dieser Dimension zumindest im Kreis Schwandorf bis dahin ohne vergleichbares Beispiel war.

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