Amberg
18.03.2019 - 17:48 Uhr

Polizeizugriff mit fatalen Folgen

Die Polizisten stehen unter Druck. Sie sollen jugendliche Raser finden, die sich nachts Rennen auf dem Ring um die Amberger Altstadt liefern. Dann beginnt eine Geschichte, die mit zwei beschädigten Autos endet und nun vor Gericht landete.

Symbolbild: Uli Deck/dpa

Durchdrehende Reifen und lautes Motorengeheul sorgen für Unmut und Beschwerden in Amberg. Die Polizei soll Abhilfe schaffen. Was dann um 1.05 Uhr am 11. Februar letzten Jahres geschah, war ein Schlag ins Wasser. Er endete mit hohem Sachschaden an einem BMW und an einem Streifenwagen.

Vier Uniformierte hatten vor dem Amberger Bahnhof einen Einsatz in anderer Sache. Dabei beobachteten sie zwei BMW, die auf dem vierspurig ausgebauten Ring um die Altstadt nebeneinander fuhren. Die Beamten schritten zunächst nicht ein. Nach ein paar Minuten gab es eine zweite und dritte Runde der Fahrzeuge. Vor den Augen der Gesetzeshüter.

Wie schnell waren die Autos unterwegs? "50 bis 60 Kilometer in der Stunde", sagte nun ein 21-Jähriger. Er saß wegen der Veranstaltung eines nicht genehmigten Rennens vor Jugendrichter Peter Jung. Der Mann räumte ein, dass er weit nach Mitternacht neben einem anderen BMW auf dem Ring unterwegs war und man sich durchs geöffnete Fenster unterhielt. Seltsam zwar, glaubwürdig bestätigt aber durch drei junge Leute, die mit in den Wagen saßen.

Dann begann der Polizeieinsatz. Die Streifenwagenbesatzungen hatten sich beim Bahnhof auf die Lauer gelegt und ausgemacht: "Beide BMW werden gestoppt." Das gelang in der Nähe des Hallenbads. In einem Fall problemlos. Beim zweiten BMW wurde die Vorgehensweise nahezu unglaublich: "Der hat ihn abgeschossen wie in einem Hollywoodfilm", sagte nun ein 27-Jähriger, der das Geschehen hautnah mitbekam.

Das von hinten heranbrausende Polizeifahrzeug setzte sich auf kerzengerader Strecke direkt vor das verfolgte Fahrzeug, scherte ein, schaltete in letzter Sekunde Blaulicht ein und stoppte schräg zur Fahrspur. Augenblicke später knallte es: Der BMW-Fahrer rammte den Funkwagen. Das sei womöglich nicht vermeidbar gewesen, attestierte ein Kfz-Sachverständiger. Die Bilanz: Vier Leichtverletzte, 11 000 Euro Reparaturkosten am staatlichen Eigentum und Totalschaden am Privat-Pkw.

Das Geschehen, nie in einem Polizeibericht erschienen, führte zum Prozess. Neun Zeugen, zwei Sachverständige und ein Freispruch für den 21-Jährigen. "Das war kein Rennen", urteilte der Richter und ergänzte, dass der Crash wohl nicht zu vermeiden gewesen ist.

Eines der Autos hatte zwar durch laute Auspuffgeräusche auf sich aufmerksam gemacht. Doch bei den Geschwindigkeitsschätzungen gingen die Meinungen weit auseinander. "Nicht mehr als 60", sagten die Insassen der BMW. Von 65 bis 100 Kilometer pro Stunde sprachen die vier Polizisten. Doch das, was dann beim Anhalten von einem der Fahrzeuge passierte, grenzte nach Ansicht von Beobachtern fast schon an einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Das Verfahren gegen den am Steuer sitzenden Beamten ist bereits eingestellt.

 
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