10.10.2019 - 14:05 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Prozess in Amberg: Knüppelattacke aus dem Wald – Autofahrer gegen Radler

„Wirklich übel“, sagt der Richter und erhöht in der Berufungsinstanz das Ersturteil drastisch. Der Angeklagte hat sich über zwei Radfahrer geärgert, beide mit seinem Auto ausgebremst – und dann vom Wald heraus mit einem Knüppel attackiert.

Das Landgericht Amberg hat einen aggressiven Autofahrer verurteilt, weil er aus Zorn zwei Radfahrer mit einem Holzknüppel attackierte.
von Autor HOUProfil

Sie kamen auf einer Straße zwischen Leonberg und Maxhütte-Haidhof (Kreis Schwandorf) daher. Zwei Männer mit ihren Rennrädern, die räumlich versetzt hintereinander in die Pedale traten. Das ärgerte einen 54-Jährigen, der in seinem Auto nachfolgte und unwirsch zu hupen begann. Was folgte, war aus der untersten Schublade. So schlimm, dass nun vor dem Landgericht Amberg die richterliche Einschätzung mit folgenden Worten beschrieben wurde: „Das hätte im Rollstuhl oder sogar tödlich enden können.“

Der Autofahrer setzte zum Überholen an, bremste die Biker aus und drängte sie an den Fahrbahnrand. Derart in Not gebracht, warf einer der Radfahrer seine Wasserflasche in Richtung des Wagens, der andere haute mit der Hand auf das Dach des Autos. Kurz danach hielt der 54-Jährige an, stieg aus und wollte diskutieren. Doch die Freizeitsportler, 48 und 29 Jahre alt, mochten das nicht, und setzten ihre Tour fort. „Für uns war das eigentlich zu diesem Zeitpunkt abgehakt“, sagte jetzt einer von ihnen.

Die unangenehme Erfahrung setzte sich für das Rennrad-Duo allerdings fort. Der 54-Jährige nämlich verfolgte beide, überholte sie und wartete unweit der Burglengenfelder Stadtgrenze. „Er ist plötzlich aus dem Wald herausgesprungen“, wurde dem Richter geschildert und berichtet, was dann geschah: Der Mann hielt einen 55 Zentimeter langen Ast in der Hand und schleuderte ihn („Wie einen Bumerang“, erinnerte sich einer der Radler) auf die mit 40 Kilometer in der Stunde daherkommenden Männer. Einer wurde an der Hand getroffen. Dann prallte der hölzerne Knüppel ab und schlug hart an die Schulter des anderen. Sekunden später tauchte der Täter ab.

In erster Instanz hatte das Schwandorfer Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung eine Geldstrafe verhängt. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Mit voller Unterstützung des Landgerichts, wie sich zeigen sollte. „Das war nicht nur Körperverletzung, hier lag auch ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vor“, beschrieb der Vorsitzende Richter Peter Hollweck seine Eindrücke „von dem unglaublichen Geschehen.“

Das Ersturteil wurde kassiert und durch ein neues ersetzt: Der 54-Jährige, bis dahin nicht vorbestraft, bekam acht Monate Haft mit Bewährung. Zudem muss er 2000 Euro an die Verkehrswacht zahlen und vier Wochen zu Fuß gehen. „Am Führerscheinentzug sind Sie nur knapp vorbeigeschrammt“, schrieb ihm der Richter ins Stammbuch und entrüstete sich: „Man kann schier nicht begreifen, was da veranstaltet wurde.“ Und warum all das? Im Prozess deutete sich an, dass der Autofahrer deshalb außer Kontrolle geriet, weil es da auch einen Radweg gab, den die Biker nicht benutzten. „Doch das blieb ihnen überlassen“, ließ der Vorsitzende anklingen.

Man kann schier nicht begreifen, was da veranstaltet wurde.

Vorsitzender Richter Peter Hollweck

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