09.01.2020 - 23:17 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Schock bei Vereinschefs: Überweisungen mit ihrem Namen

Rinderzüchter, Faschingsfreunde, Sportvereine - was auch immer: Sie alle sind Opfer einer Betrugsmasche. Die Täter füllen Papierüberweisungen aus. Unterschrieben wird mit dem Namen des Vorsitzenden. Das Geld geht auf Konten ins Ausland.

Sabine Birner, Vorsitzende eines Weidener Sportvereins, fiel aus allen Wolken. Mit ihrer Unterschrift überwiesen sich Betrüger fast 10 000 Euro nach Frankreich. Kein Einzelfall: Im Dezember häuften sich in der Oberpfalz Betrugsversuche.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Thomas Bärthlein, Vorsitzender des TV 1861 Amberg, staunte nicht schlecht: Mit seiner Unterschrift haben sich Betrüger exakt 9867,34 Euro nach Frankreich überweisen lassen. Empfänger: "Brian Luandundiladio". Das entsprechende Formular war bei der Volks- und Raiffeisenbank in Amberg eingeworfen worden. Die Bank überwies. Bärthlein kennt weder einen Herrn Luandundiladio, noch wollte er 10 000 Euro nach Paris transferieren. Er erstattete Anzeige und ist überrascht, wie viele betroffene Vereinsvorsitzende aus der ganzen Oberpfalz sich bei ihm gemeldet haben: "vom Mitterteicher Gaudiwurm bis zum Behinderten- und Vitalsportverein Weiden."

Ratespiel: Wo sitzen die Täter? Die BIC weist nach Paris. Aber gut möglich, dass der ergaunerte Betrag längst abgehoben und das Konto aufgelöst ist.

Der Fall des TV 1861 Amberg

Amberg

Vier Versuche bei BVS

Letzteren leitet Vorsitzende Sabine Birner. Am 4. Dezember 2019 fiel ihrem Schatzmeister Alfred Weiß eine ungewöhnliche Zahlung von 9403,76 Euro nach Frankreich auf. Wie ihr die Sparkasse Oberpfalz Nord mitteilte, habe am Vortag ein entsprechener Überweisungsträger im Briefkasten der Bank gelegen. Unterschrieben mit "Sabine Birner". "Ich tätige überhaupt keine Bankgeschäfte", sagt die Vereinschefin. Auch der Kassenwart nutzt ausschließlich Online-Banking. "Ich war schon verwundert, dass dieser Überweisungsträger anstandslos akzeptiert worden ist." Am 9. Dezember lag erneut ein ausgefüllter Schein im Briefkasten der Bank: Diesmal sollten 52 000 Euro nach Italien gehen. Die Sparkasse rief die Vorsitzende an. Woher die Täter ihre Unterschrift kennen? Sabine Birner kann es sich nicht erklären. "Ich unterschreibe viel: von der Rehaverordnung bis zur Geburtstagskarte." Noch zwei Mal - am 13. und 16. Dezember - gingen bei der Bank Vordrucke im Namen des BVS ein.

Rinderzüchterin Erika Sauer aus Moosbach ist Vorsitzende des Fleischrinderverbands Bayern mit Sitz in Ansbach. Ohne ihr Zutun - aber mit ihrer Unterschrift - flossen 2019 etwa 3000 Euro auf ein Konto in Frankreich. Der Überweisungsträger lag im Postkasten der Bank in Ansbach. Erst als die Mitarbeiterin im fränkischen Verbandsbüro die zugehörige Rechnung von der Vorsitzenden einforderte, flog der Schwindel auf. "Ich sitze in Moosbach", sagt Erika Sauer: "Und ich überweise auch gar nichts." Als kurz darauf wieder ein Schein im Briefkasten lag, überwies die Bank nicht. Erika Sauer hat gelernt: "Da musst aufpassen wie ein Hacht."

Wohl dem Verein, der aufmerksame Kassenwarte hat. Etwa der Oberpfälzer Waldverein, Hauptverein Weiden. Schatzmeister Günter Merkl erledigt seine Geldtransfers am Terminal in der Sparkasse Weiden. Wenn er größere Beträge bewegt, geht er persönlich zum Schalter. So war es auch im Sommer 2019. Zufällig waren an genau jenem Tag 18 000 Euro nach Paris verbucht worden, an einen völlig Unbekannten namens "Barbier-Bagno".

Einer von mindestens fünf Oberpfälzer Vereinen, die von der Betrugsmasche betroffen sind: Thomas Bärthlein, Vorsitzender des TV 1861 Amberg. Mit der Kopie seiner Unterschrift ergaunerten Unbekannte 10 000 Euro.

Der Überweisungsauftrag hatte im Briefkasten der Sparkasse in der Robert-Bosch-Straße gelegen, signiert mit "Armin Meßner", dem Namen des Vorsitzenden. "Ganz gut gemacht", meint dieser: "Ein wenig krakelig." Der OWV bekam - wie alle anderen Geschädigten - sein Geld anstandslos zurück, erinnert sich Meßner. Er hat trotzdem Konsequenzen gezogen und mit der Sparkasse vereinbart, dass per Papier gar kein Geld mehr fließt.

Banken zurückhaltend

Die Banken halten sich bedeckt. Die Sparkasse Oberpfalz Nord möchte weder die Häufigkeit, noch die "internen Sicherungssysteme" preisgeben. "Es trifft zu, dass es hin und wieder zu Betrugsversuchen kommt", so Bereichsleiter Alexander Brittinger. "Unsere Mitarbeiter sind aufgrund der langjährigen Verbindungen zu den Kunden in der Lage, derartige Betrugsversuche in der Regel bereits im Vorfeld zu erkennen." Sollte es zu einem Schaden kommen, bestehe "unter Umständen die Möglichkeit, den Betrag zurückzufordern bzw. die nicht autorisierte Zahlung gutzuschreiben".

Wer füllt sich hier die Taschen? Bärthleins Betrag ging an "Brian Luandundiladio". In Paris gibt es tatsächlich einen namensgleichen Handwerker im 19. Arrondissement. Aber ob der von seinem "Glück" weiß? Im gleichen Bezirk liegt die Olinda-Zentrale, bei der das Konto eröffnet wurde. Diese Bank ist nicht greifbar. Sie taucht nur in einem Zusammenhang immer wieder auf: in Warnhinweisen für Verbraucher. Thema: Fake-Shops und Love-Scam.

Hintergrund:

Polizei: Betrüger nur in Einzelfällen erfolgreich

Polizeihauptkommissar Florian Beck, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, hat bei den Kriminalpolizeien Amberg und Weiden nachgefragt: Tatsächlich kam es im Zeitraum zwischen 18. November und 13. Dezember 2019 zu acht Überweisungsbetrügereien. Und – das spricht für die Banken – nur eine Überweisung sei tatsächlich ausgeführt worden. Die Zahlen im Detail:

n Kriminalpolizei Weiden:

Im November und Dezember (18.11. bis 13.12.2019) wurden im Zuständigkeitsbereich der Kripo Weiden insgesamt sieben Überweisungsbetrügereien zum Nachteil von Vereinen angezeigt. „In sechs Fällen scheiterte der Versuch, ein Fall war erfolgreich“, so Beck. Dabei wurde ein Betrag von über 9000 Euro erbeutet. Der Beitrag sei jedoch von der Bank zurückgefordert und dem geschädigten Verein wieder gutgeschrieben worden. Insgesamt gaben die Unbekannten Beträge zwischen etwa 9000 und 52000 Euro an. „Die Falsifikate wurden regelmäßig bei der Bank erkannt.“

n Kriminalpolizei Amberg:

Im November und Dezember wurde im Zuständigkeitsbereich der KPI Amberg ein Fall von Überweisungsbetrug zum Nachteil eines Vereins angezeigt. Beck: „Der Betrug war erfolgreich und dem Verein wurden so fast 10000 Euro entwendet.“

Die Überweisungsträger wurden zumeist in die Briefkästen der Banken in der Oberpfalz eingeworfen. In allen Fällen liege kein Video- oder Fotomaterial vor, das Hinweise auf den oder die Täter geben könnte. (ca)

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