Das Stück handelt nicht nur von den fatalen Resultaten einer liberalen Erziehung zur Unmündigkeit. Sondern genauso von den Sinnkrisen und Selbstentfremdungen der Elterngeneration. Erwartungen und Enttäuschungen prallen im Generationenkonflikt aufeinander.
Im Hotel Mama fühlt Marc sich wohl. Das Abitur hat er mit Ach und Krach geschafft, jetzt ist chillen, futtern und kiffen angesagt. Warum sich um Praktika, Studienplätze und Karriere bemühen, wenn es Zuhause doch so bequem ist? Papa verdient viel Geld und Mama kocht, wäscht und putzt. Dass ihr einziges Kind so gar keine Zukunftspläne macht, treibt die ehrgeizigen Eltern Gerd und Bettine zum Wahnsinn. Die Situation spitzt sich zu, als der Sohn Selma kennenlernt und sich verliebt. Die weiß genau was sie will: Sie macht eine Ausbildung, holt ihr Abi nach, engagiert sich für Flüchtlinge, jobbt nebenbei und unterstützt ihre psychisch instabile Mutter.
Was passiert? Das Mädchen wird schwanger. Marcs Eltern funktionieren wie immer schnell. Ungefragt haben sie prompt eine Lösung parat. Als sie hinter dem Rücken des jungen Paares beginnen, ihre eigenen Interessen voranzutreiben, eskaliert die Situation.
Die Bühne ist leer, nur drei Drahtgittertreppen spannen sich von einer Seite zur anderen. Darauf und darunter wird gespielt. Das Licht markiert den jeweiligen Szenenwechsel und Spielort. Der Hintergrund ist schwarz, schwarz wie die beklemmende Stimmung, die Regisseur Volker Hesse hervorruft, wenn er die Schauspieler ohne Requisiten von der Leine lässt. Allerdings sind Posen und Positionen streng festgelegt. Alles läuft nach einem kunstvoll konstruierten Plan. Alles hat eine tiefere Bedeutung, die Kleidung, das Spiel, die Bewegung, die Tonlage, der Sitz- oder Stehplatz.
Das ist so eine Besonderheit, dass fast immer alle Schauspieler auf der Bühne stehen: Vater Gerd (Martin Lindow) mit sarkastischem Tonfall im modischen Anzug und mechanisch-abgehackten Bewegungen. Er dreht ob der Perspektivlosigkeit seines Sohnes regelmäßig durch. „Man redet, man baut goldene Brücken, macht Vorschläge und was sitzt neben einem? Totes Fleisch. Ein Teenager.“ Mutter Bettine (Ulla Wagener) sieht die Situation mit milderen Augen und gibt mehr den Typ Mutter Beimer. Die hauptberufliche Hausfrau, die ihren Job der Familie zuliebe aufgegeben hat und ihr karitatives Engagement auf die Flüchtlingshilfe wirft, kommt zu der Lösung, dass es am besten wäre, wenn das zukünftige Enkelkind bei ihr aufwächst - und sie alle Fehler wiedergutmachen kann, die sie bei ihrem Sohn gemacht hat.
Marc (Lukas Schöttler) kämpft sich mal im Freizeitlook, dann mit blankem Oberkörper durch alle Komplikationen, während Selma (Josepha Grünberg) das Heft energisch in die Hand nimmt und sich auch um die psychisch kranke Mutter Heidrun (Katharina Heyer) kümmert, die sich mit schützenden Hüllen umwickelt. Verhuscht und vergrämt vermittelt sie ihrer Tochter auf passiv-aggressive Art, sie solle bloß nicht ihre eigenen Fehler wiederholen. Die Sonderrolle der Jugendversteherin übernimmt Marcs Tante Katrin (Claudia Wenzel). Die Ex-Rockerbraut macht die Sache mit ihren abgeklärten Ratschlägen auch nicht besser. Aber natürlich tönen alle, die Kinder sollten auf jeden Fall "selbst entscheiden".
Entschieden hat auch das Publikum, diese anspruchsvolle, nicht immer leichte, vielleicht etwas zu verkopft inszenierte Theateraufführung mit anerkennendem Beifall zu honorieren.













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