09.04.2019 - 18:52 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Sirenen "können" Warnton nicht

Bayernweit soll am Donnerstag die Alarmierung im Ernstfall geprobt werden. In der Oberpfalz schweigen die meisten Sirenen allerdings. Sie "können" den richtigen Warnton gar nicht.

Der Storch in Klardorf kann am Donnerstag beruhigt sitzen bleiben. Die Sirene im Schwandorfer Ortsteil bleibt am Donnerstag still.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Gehört die Oberpfalz doch nicht zu Bayern? Die Liste der Gemeinden, die am Donnerstag an der Katastrophenalarm-Übung teilnehmen, vermittelt diesen Eindruck. Laut Innenministerium geht es um einen bayernweiten Probealarm - doch in der Nordoberpfalz schweigen die Sirenen: Die Landkreise Neustadt/WN und Tirschenreuth sind nicht vertreten, aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach nehmen nur die Stadt Hirschau und die Gemeinde Königstein teil. Im Landkreis Schwandorf beteiligen sich die Gemeinden Schwarzenfeld, Schwarzach, Fensterbach, Schmidgaden und Stulln sowie Teile der Stadt Nabburg.

Das für den Probealarm verantwortliche Innenministerium weist jede Schuld von sich: Die Teilnahme sei freiwillig, Landratsämter und Bezirkregierungen melden die Kommunen an. Letztlich würden diese selbst entscheiden, ob und wie sie dabei sind. Spricht man mit den Verantwortlichen in den Gemeinden, ist es mit der Freiwilligkeit doch nicht so weit her. "Ich habe noch nie erlebt, dass eine Gemeinde gefragt worden wäre", sagt etwa Hans Prechtl. Er ist Sprecher des Landratsamts in Schwandorf und Bürgermeister in Stulln. Dass seine Gemeinde ausgewählt wird, ist für Prechtl logisch: zwei von drei sogenannten Störfallbetrieben befinden sich in und um Stulln: Unternehmen, bei denen Unfälle Folgen für die Menschen im Umfeld haben können - etwa weil gefährliche Gase austreten könnten.

Die Vermutung bestätigt die Regierung der Oberpfalz: Am Donnerstag werde das Signal "Warnung der Bevölkerung" mit einem einminütigen Dauerton getestet. "Sirenen, die dieses Signal ausstrahlen, befinden sich ganz überwiegend im Umfeld besonderer Objekte", schreibt die Pressestelle. Der Ton fordert Bürger auf, im Radio auf Hinweise zu achten.

Tatsache ist, dass die meisten Sirenen in Bayern den Warnton schlicht nicht "beherrschen". "Nach dem Ende des kalten Krieges wurde das Zivilschutz-Sirenenwarnnetz vom Bund aufgegeben," schreibt das Innenministerium. Die meisten Sirenen auf den Dörfern sind ausgelegt, die Feuerwehr zu alarmieren. Der Freistaat fördere seit 1999 "in der Umgebung der kerntechnischen Anlagen in Bayern und in der Umgebung von der Störfall-Verordnung unterliegenden Betrieben der oberen Klasse die Nachrüstung". Tritt in einem Ort ohne entsprechende Anlage der Katastrophenfall ein, würden Lautsprecherwagen die Bevölkerung warnen. "Bei einem Schadensereignis würde dies so z. B. auch in der Landeshauptstadt München praktiziert werden."

Zur Alarmierung der Feuerwehr heult die Sirene dreimal in gleicher Höhe für je zwölf Sekunden mit zwölf Sekunden Pause. Für die Feuerwehren gibt es den Probealarm an jedem ersten Samstag im Monat. Erst am 6. April war es wieder so weit, erklärt Neustadts Kreisbrandrat Marco Saller. Die Sirenen werden direkt von der Integrierten Leitstelle betätigt, die Feuerwehren geben Rückmeldung, ob die Anlagen funktionieren. "Unsere Sirenen werden regelmäßig überprüft", sagt Saller. Deshalb habe er keine Bauchschmerzen, wenn die Anlagen in seinem Zuständigkeitsbereich am Donnerstag ruhen.

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