11.02.2020 - 14:46 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Verdacht auf Insiderhandel: Durchsuchung bei Grammer

Die Übernahme durch chinesische Investoren wurde bei der Amberger Grammer AG gefeiert. Doch nun befassen sich Staatsanwälte mit den Vorgängen vom Herbst 2018.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt bei Grammer wegen des Verdachts auf illegale Insidergeschäfte.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Nach der Übernahme der Amberger Grammer AG durch den chinesischen Konzern Ningbo Jifeng ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Insiderhandel. Eine dpa-Meldung bestätigte die Behörde ohne den Namen des Unternehmens zu nennen.

Laut Staatsanwaltschaft werde gegen fünf Beschuldigte wegen „Verdachts des Verstoßes gegen das Wertpapierhandelsgesetz“ ermittelt. Eine weitere Person stehe im Verdacht, Insiderinformationen weitergegeben zu haben. Gegen drei ehemalige Vorstände und das Unternehmen selbst laufe ein Bußgeldverfahren. Am Dienstag haben 60 Beamte bundesweit 16 Objekte – Wohnungen und Firmenimmobilien – durchsucht, auch in Amberg. „Zudem wurden Beschlüsse zur Vermögensabschöpfung vollstreckt“, heißt es weiter. Dies bedeutet, dass Vermögenswerte der Beschuldigten vorerst eingezogen wurde.

Hintergrund:

Insiderhandel

Wenn direkt Beteiligte Neuigkeiten aus einem börsennotierten Unternehmen für Aktiengeschäfte nutzen, spricht man von Insiderhandel. Liegt für ein Unternehmen zum Beispiel ein Übernahmeangebot vor, lässt dies den Aktienkurs steigen. Nutzt ein „Insider“ das Wissen und kauft Aktien vor der Bekanntgabe, macht er risikolos Gewinne. Unternehmen müssen börsenrelevante Neuigkeiten unmittelbar per „Ad-hoc-Meldung“ vermelden.

Konkret wird fünf Tatverdächtigen zwischen 35 und 70 Jahren zur Last gelegt, Insiderinformationen zum Stand der Übernahmegespräche „für Aktien- und Derivatehandel verwendet zu haben“. Ein Beschuldigter soll solche Informationen auch bei vier weiteren börsennotierten Gesellschaften zur persönlichen Bereicherung genutzt haben. Der Grammer AG und den Ex-Vorständen wird vorgeworfen, sogenannte Ad-hoc-Mitteilung verspätet veröffentlicht zu haben.

Das Unternehmen erklärte am Dienstag, voll mit den Ermittlern kooperieren zu wollen. Man halte sich an sämtliche Regeln des Börsengesetzes. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und IG-Metall-Bevollmächtigte, Horst Ott, erklärte, er habe aus dem Onetz von den Ermittlungen erfahren, könne sich deshalb vorerst nicht äußern.

Ningbo Jifeng hält seit Herbst 2018 die Grammer-Mehrheit. Zuvor hatte sich der Amberger Automobilzulieferer lange gegen eine Übernahme durch Großaktionär Hastor gewehrt hatte. Überraschend traten die drei Vorstände kurz nach der „freundlichen“ Übernahme zurück.

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