15.07.2020 - 21:02 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Wäre ein Kanzler Söder gut für die Oberpfalz?

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Ob Anhänger oder Gegner: Kanzler zutrauen würden ihm die meisten. Ob das für ihn, Bayern und Deutschland gut wäre? Da scheiden sich die Geister. Eine Umfrage unter Oberpfälzern.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wehrt die Fankundgebung mit dem Plakat „Markus Söder – Kanzlerkandidat? Ja“ dezent ab
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Eine Inszenierung wie bei einer Krönungszeremonie: Was beabsichtigte Ministerpräsident Markus Söder mit der Märchenkulisse beim Kanzlerinnenbesuch?

Kommentar zu Söders Inszenierung am Herrenchiemsee

Bayern

CSU-Bezirksvorsitzender Albert Füracker, Neumarkt

Dass sich die CSU in dieser Frage ungern in die Karten schauen lässt, liegt in der Natur der Sache. "Bayern hat sich in jeder Hinsicht von seiner besten Seite gezeigt", kommentiert deshalb der Oberpfälzer CSU-Chef lakonisch. Der erstmalige Besuch der Bundeskanzlerin im bayerischen Kabinett sei ein "ganz besonderer Tag" gewesen.

Der CSU-Bezirksvorsitzende Albert Füracker.

SPD-Generalsekretär Uli Grötsch, Weiden

Dass Uli Grötsch einer Kanzlerkandidatur Söders wenig abgewinnt, versteht sich von selbst. "Er inszeniert sich als der Kanzlerin ebenbürtig", beschreibt er den Auftritt vor Schlösserkulisse. "Söder kann nur Protz." Er finde diesen Pomp völlig daneben, "in Zeiten, wo es um milliardenschwere EU-Rettungsschirme geht, 25 Prozent der Firmen und Millionen Menschen um Ihre Existenz bangen". Der Bundestagsabgeordnete kennt Söder seit dessen Zeit als JU-Landeschef: "Er war damals schon Meister der Inszenierung, das hat er perfektioniert." Dennoch lobt er seine starke Hand in der Lockdown-Phase: "Das hat er richtig gut gemacht." Der Groko-Gegner kann sich eine Koalition unter Söder so wenig vorstellen wie unter anderen Unions-Kandidaten. "Kreide fressen reicht für den bayerischen Ministerpräsidenten, nicht für den Regierungschef der drittgrößten Wirtschaftsnation."

Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Generalsekretär des Landesverbands, Uli Grötsch.

Erika Sauer, Nebenerwerbslandwirtin, Moosbach

"Ich traue Markus Söder Kanzler zu", sagt die Nebenerwerbslandwirtin, "aber ob das gut wäre für ihn und uns, da habe ich große Zweifel." Ein Beispiel: Beim Versöhnungsgesetz nach dem Volksbegehren habe die Staatsregierung viel Richtiges gesagt, die Umsetzung der Ministerialbürokratie sei aber bescheiden: "Die Landwirtschaftsverwaltung verschlanken, weniger Chefs, mehr Beratung vor Ort, das klingt super."

Aber im Ergebnis würden nun Beamte, die aus der Schweinehaltung oder Betriebswirtschaft kommen, extensive Weidehaltung beurteilen, die sie für unwirtschaftlich halten. Von der Politik werde Zack-Zack erwartet. "Söder brennt, er will machen, aber nach ihm kommt die Trägheit der Behörden." Lieber wäre es ihr da, er setzt seine Ideen in Bayern um.

Erika Sauer führt den preisgekrönten Bullen Karan.

Siegfried Schröpf, Solar-Unternehmer, Amberg

Der überzeugte Klimaschützer hat eine gespaltene Meinung zu Markus Söder: "Seine umweltpolitische Wende habe ich natürlich begrüßt, Auftritte von König Markus wie am Dienstag kommen bei mir nicht so gut an." Dass der Ministerpräsident jetzt beim Thema Energiewende auf das Gaspedal drückt, begrüßt Siegfried Schröpf, nicht aber den Zwang zur Photovoltaik auf jedem Neubau: "Ich bin kein Freund von Verpflichtungen, selbst wenn es mir nutzt."

Zumal Bürger und Unternehmer selbst erkannt hätten, dass ihnen die Sonnenenergie einen Mehrwert verschafft. Für Gewerbebetriebe mit großem Eigenverbrauch seien PV-Anlagen einfach wirtschaftlicher. Die Krise habe das Bewusstsein für mehr Dezentralität und Regionalität geschärft. "Ich habe den Eindruck, dass das kein Strohfeuer, sondern nachhaltig ist."

Solar-Unternehmer Siegfried Schröpf bei einer Autorenlesung.

Veronika Peters-Brunner, selbstständige Erlebnisbäuerin, Schwandorf

"Ich empfinde Söder als einen Menschen", sagt die Soloselbstständige, "der fest im Leben steht, der weiß was er will und sicher Führungsqualitäten hat." Auf der anderen Seite fühle sie sich als Frau und Selbstständige nicht gut repräsentiert. "Ich finde die Verteilung ungerecht, die Steuerschlupflöcher für große Unternehmen, die Auszahlungen von Hilfen trotz Dividenden und geplante Zuschüsse für Diesel-Autos." Peters-Brunner kann sich aber eine Schwarz-Grüne Koalition mit ihm ganz gut vorstellen: "Mit einem grünen Zugpferd."

Veronika Peters-Brunner auf dem dem elterlichen Hof.

Lukas Prölß, Schüler, Fridays for Future, Weiden

Für den Weidener FOS-Schüler ist Söder keine Option: "Wir brauchen jemanden, der hart gegen Nazis durchgreift, der die Klimakatastrophe viel energischer bekämpft", sagt Lukas Prölß. Stichwort Tempolimit: "Das geht mit ihm nicht." Der Mitorganisator der Weidener "Fridays for Future"-Proteste glaubt nicht, dass der grüne Anstrich des Ministerpräsidenten waschecht ist. Umso wichtiger findet er, dass die Proteste der Schüler weitergehen: "Wir haben Pläne für die nächste Zukunft." Nach dem Stillstand gehe es schon bald mit Elan weiter.

Der 16-jährige FOS-Schüler Lukas Prölß.

Helmut Fiedler, Alt-Gewerkschafter, Weiden

"Bei seinem Auftritt im Spiegelsaal drängte sich mir der Eindruck auf, dass er zum Kanzlerkandidaten durchstartet", schätzt das DGB-Urgestein die Lage ein. "Anders ist sein Verhalten nicht erklärlich." Seiner Rolle als Corona-Krisenmanager zolle er Respekt: "Auch wenn ich nicht sein Parteifreund bin", sagt Helmut Fiedler, "begrüße ich, dass er nicht mehr diese Scheuklappen wie als Generalsekretär hat - er spricht inzwischen sogar mit Gewerkschaften."

Hätte er nur die Wahl zwischen Merz, Laschet, Spahn und Söder, wäre Letzterer "das geringere Übel", weiß er um die rhetorischen Prügel, die er dafür von Genossen einstecken muss.

DGB-Urgestein Helmut Fiedler.

Peter Hofmann, DGB-Organisationssekretär Weiden

"An dieser Debatte beteiligen wir uns nicht, da sich diese Frage derzeit nicht stellt", fast sich der Weidener DGB-Vertreter kurz. "Wir haben genügend Forderungen an den bayerischen Ministerpräsidenten, die es abzuarbeiten gilt."

Weidener DGB-Regionalsekretär Peter Hofmann.

Otto Pravida, Bauunternehmer, Pressath

"Als Corona losging, dachte ich, der Mann hat Charakter." Dann aber musste Otto Pravida feststellen: "Er wurde zurückgepfiffen und ist eingeknickt." Dennoch: "Ein Bayer im Kanzleramt wäre mir lieber als alle anderen."

Für den Unternehmer, der keinen Cent Staatshilfen beantragt habe, komme es darauf an, wie Merkels Nachfolger die Wirtschaft mit Corona gestalte. "Das funktioniert nur, wenn alle etwas dazu beitragen, den Respekt vor dem Leben und der Natur zu stärken."

Pressather Bau-Unternehmer Otto Pravida.
Leser-Reaktion:

Merkel soll ihre Fehler wieder gut machen

„Markus Söder steht in Bayern erst am Beginn einer Karriere“, schreibt uns Leser Alfred Kastner, „die, wenn er den eingeschlagenen Kurs fortsetzt, an die politischen Denkmäler Alfons Goppel und Franz Josef Strauß heranreichen könnte.

Es gibt nach Überstehen dieses Jahrhundertereignisses auch in Bayern viel zu tun. Deshalb bin ich überzeugt, dass Söder eine Kandidatur bei der kommenden Bundestagswahl nicht ernsthaft in Erwägung zieht. Der Bundeskanzlerin sollte die Chance eingeräumt werden, die Fehler der vergangenen Legislaturperioden wieder gut zu machen.“

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