03.12.2018 - 17:37 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Was wirklich zählt, ist Qualität

Der Büro Wilhelm Verlag aus Amberg erhält den Bayerischen Kleinverlagspreis. Der Minister lobt die "inhaltliche Substanz" und den "skurrilen Humor".

Nach all den Laudationes geben die drei Verleger Manfred Wilhelm, Gerhard Wilhelm Schmidt-Schönenberg und Wilhelm Koch (von links) bereitwillig Auskunft – auf die Fragen von Journalist Till Briegleb (ganz links).
von Peter GeigerProfil

Für Ostbayern kann sich die Ausbeute beim Bayerischen Kleinverlagspreis sehen lassen! Denn mit der diesjährigen Auszeichnung für den in Amberg beheimateten Büro Wilhelm Verlag gieht dieser vom Bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst ausgelobte Preis bereits zum dritten Mal in die Region - nachdem 2010 der in Viechtach beheimatete Lichtung-Verlag und vor zwei Jahren der Regensburger Lohrbär-Verlag ganz oben gelandet waren, auf der Auswahlliste der vierköpfigen Jury.

Das ist angesichts der Tatsache, dass in Niederbayern und der Oberpfalz lediglich ein Sechstel der bayerischen Bevölkerung lebt, nicht nur ein erstaunlicher Schnitt. Sondern vielleicht auch ein dringender Appell an die Hiesigen, es mit der angeborenen Bescheidenheit nicht allzu ernst zu nehmen. Und stattdessen auch mal selbstbewusst auf eine solche Habenseite zu verweisen.

Stille Örtchen

Was sich dort nämlich alles verbuchen lässt, nennt Staatsminister Bernd Sibler beispielhaft in seiner Laudatio. Und lobt das Team dementsprechend über den Schellenkönig, und zwar für die Vielfalt und die Originalität in der Themenwahl. Auch für die hochwertige ästhetische Gestaltung. Und für inhaltliche Substanz. Eine Sache freilich liegt dem studierten Germanisten besonders am Herzen: Nämlich der Hinweis auf den skurrilen Humor! Das ist tatsächlich überraschend, wenn man bedenkt, dass der Verlag sich zunächst vor allem im Bereich der Architektur zu etablieren versuchte.

Eigentlich ein ernstes Thema: Immerhin geht es dabei meist um sehr viel Geld. Und um Fragen der Gestaltung, die mit humoristischen Kategorien allein nie und nimmer zu fassen sind. Trotzdem: Die drei Wilhelms (allein die Namensgebung zeigt schon ihren Sinn für Eigenwillige - Wilhelm Koch, Manfred Wilhelm wie auch Gerhard Wilhelm Schmidt-Schönenberg können jeweils einen "Wilhelm" im Personalausweis vorweisen), sie legen von Anfang Wert darauf, dass auch eine Auswahl von "Architekturwitzzeichnungen" des Karikaturisten-Duos Rattelschneck ins Angebot wanderte. Oder ein Baukulturführer, der allein dem "Haus vom Nikolaus" gewidmet ist.

Am meisten Aufsehen aber erregt auch an diesem Abend bei den rund 250 Gästen im Literaturhaus der 2002 erschienene Band "Stille Örtchen in der Oberpfalz". Das ist ein längst in neuer Auflage erhältliches Kompendium, das allein dem "Haisl hinterm Haisl" gewidmet ist, jenem Verschlag also, der von all jenen in Beschlag genommen werden muss, die müssen.

"Alles Amberg"

Aber auch das im Frühsommer erschienene "Alles Amberg"-Buch - ein um Kuriositäten, Geschichten und Wissenswertes erweiterter illustrierter Stadtführer muss ganz unbedingt zu dieser Kategorie des "skurrilen Humors" gezählt werden: Ein Buch wie die Stadt selbst, zwar nach dem Alphabet geordnet. Auch Eckhard Henscheid (dem übrigens die Ehre zuteil wurde, nach dem Minister ebenfalls zu laudieren) schwört mittlerweile ebenfalls auf die Dienste Verlags. Nicht nur er selbst hat kürzlich dort seine "Neuen Legenden", in episkopales Purpur gebunden, erscheinen lassen. Auch Gattin Regina Henscheid publiziert bei dem "gleich in der Nachbarschaft" angesiedelten Verlag die von ihr im Archiv entdeckten Liebesbriefe Gneisenaus - jenes preußischen Generals, der für Napoleons Waterloo hauptverantwortlich zeichnete.

Als Minister Sibler schließlich die Urkunde überreicht, beschleicht ihn offenbar ein schlechtes Gewissen - und will von den Geehrten wissen, ob die Gestaltung zu ihrer Zufriedenheit ausfalle. Nachdem alle drei etwas zögerlich die Lippen schürzen und ein bisschen skeptisch die Augenbrauen nach oben ziehen - ist der Minister im Bilde. Flugs erteilte er ihnen den Auftrag. Für die Verleihung des Kleinverlagspreises 2019 wird das Büro die Urkunden überarbeiten! In aller Bescheidenheit!

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