WM-Aus schockt Wirte

Das frühe Aus der deutschen Nationalmannschaft hat nicht nur die Fans geschockt. Auch die Veranstalter von Public-Viewings sind betroffen: In der Region bleiben manche Wirte auf ihren Kosten sitzen.

„Hör doch auf!“: Die Fußballfans im Amberger „Queen's Club“ können das deutsche WM-Aus nicht fassen. Den Wirten und Gastronomen geht es genauso. Viele haben eine Menge Geld in die Public-Viewings gesteckt.
von Julian Trager Kontakt Profil

Oliver Mutterer wirkt am Telefon immer noch geschockt. "Mir geht's bescheiden", sagt der Mitorganisator des "Fan-Kilometers" in Floß. Er ist doppelt betroffen: Als Fan und als Kassier des veranstaltenden Deutschland-Fanclubs "Flosser Adler" - und in der Funktion ist er jetzt besonders gefragt. Der Flosser spricht von "hohen Fixkosten", die bei einem Public-Viewing entstehen. Damit die wieder reinkommen, hätte die deutsche Nationalmannschaft - wie allgemein angenommen - weiterkommen müssen. "Es war nicht drauf ausgelegt, dass nach drei Spielen alles vorbei ist", sagt Mutterer.

Mutterers Firma hat eine große LED-Leinwand gekauft. Der Fanclub hat diese gemietet, "damit das Risiko nicht zu hoch ist". Trotzdem habe man "definitiv" Verlust gemacht. Wie es mit dem "Fan-Kilometer" weitergeht, wissen die Verantwortlichen noch nicht. "Wir diskutieren gerade, ob wir jetzt andere Spiele zeigen." Es gab auch andere Ideen, mehr oder weniger ernsthafte: "Wir haben überlegt, eine 11-Flaschen-Party zu organisieren." War natürlich ein Spaß. Wobei so vielleicht das übriggebliebene Bier getrunken werden würde.

Das Brauhaus Floß hat extra zur WM ein Deutschland-Bier gebraut. "Da sind die Verluste genauso da", sagt Mutterer. "Die haben auch anders gerechnet, sind auch All-in gegangen." Braumeister Ludwig Koch hatte eigens Etiketten und Kronkorken anfertigen lassen, mehrere 100 Kästen gebraut. Mutterer sagt: "Wir alle müssen jetzt schauen, ob man aus dieser Situation etwas Gutes machen kann."

Auch in Altenstadt herrscht am Tag nach der große Blamage Ernüchterung. Jürgen Füssl, Inhaber von "d'Wirtschaft", ist bedient: "Wir können jetzt alles abbauen." Denn: "Wen interessieren die anderen Spiele? Da kann man froh sein, wenn fünf Leute im Wirtshaus vorm Fernseher hocken." Für das Altenstädter WM-Fanfest haben die Veranstalter viel Aufwand betrieben, auch finanziell. "Das Equipment haben wir für die ganze WM gemietet." Kostete 15 000 Euro, sagt Füssl. Zwei Leinwände wurden angeschafft, für drinnen und draußen. Unter anderem eine 30 Quadratmeter große Leinwand, die laut Organisatoren "größte LED-Leinwand der Oberpfalz".

Dank vieler guter Sponsoren laufe es laut Füssl auf eine Nullnummer hinaus. "Es geht nichts drauf, wir haben aber auch nichts verdient." Mit der Resonanz des Publikums ist er zufrieden, bei den drei Spielen waren rund 2500 Menschen da. Trotz "blöder Spielzeiten". Ohnehin möchte der Wirt nicht jammern: Freilich sei das frühe Aus der DFB-Elf schlecht fürs Geschäft - pro Zuschauer rechnet er mit zwei Getränken und zwei bis drei Euro für Essen. Aber das sei halt das Risiko, diesmal hätten die Gastronomen Pech gehabt. "Davon geht die Welt auch nicht unter." Obwohl er bei einem möglichen Halbfinale oder Endspiel mit jeweils 2000 Zuschauern gerechnet hätte.

Im "Hemingway" in Weiden wird die WM weiter übertragen, wie Chefin Susanne Bauer sagt. Auch bei ihr war und ist die Stimmung getrübt. "Wir hätten natürlich gehofft, dass Deutschland weiterkommt." Nicht nur wegen des Geschäfts. "Die WM ist einfach ein Highlight für alle." Ob die restlichen Spiele auch auf der großen Leinwand auf dem Parkplatz, die extra für das Turnier gemietet wurde, übertragen werden, hänge davon ab, ob das jemand möchte. Schade findet es Bauer vor allem um ihre Werbeaktion: "Wir haben für einen guten Zweck Lose erkauft." Wäre Deutschland weitergekommen, hätte man mehr Geld sammeln können.

Josef Graßmann lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Nach dem Aus würden die Deutschen wohl nicht mehr zum Fußballschauen in den Biergarten im Schwandorfer Stadtpark kommen, meint der Inhaber. Mei. Er hofft jetzt auf ausländische Gäste, zum Beispiel die Russen. Im Amberger "Queen's Club" ist die Enttäuschung ebenfalls groß. "Das ist natürlich schade. Aber weniger wegen des Geldes, sondern vielmehr wegen der Fußballfans", teilt Chef Deniz Erdönmez mit. Mit der neuen "High-End-Leinwand" wollte er "Amberg während der WM beleben". Das möchte er auch weiterhin machen - nur halt ohne Spiele mit der deutschen Nationalmannschaft.

Info:

DFB-Trikots werden verramscht

Nur einen Tag nach dem Ausscheiden der deutschen Elf begannen die ersten Händler mit dem Verramschen der verbliebenen Fan-Artikel. Die Warenhauskette Kaufhof lockte am Donnerstag unter dem Motto „Schade Deutschland“ mit einem „Trostrabatt“ von 40 Prozent auf die Trikots der deutschen Mannschaft. Auch bei vielen anderen Händlern gab es die Trikots zu deutlich gesenkten Preisen.

 

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