Andreas Scheuer - ein grenzwertiger Minister

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gibt sich gerne als der Retter der Dieselfahrer. Jetzt hat sich der CSU-Mann in eine Sackgasse manövriert, findet Frank Werner.

Andreas Scheuer (CSU), Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur.
von Frank Werner Kontakt Profil
Kommentar

Diese Geschichte stinkt immer mehr zum Himmel. Als wären in Sachen Diesel nicht schon genug Peinlichkeiten passiert, setzt Andreas Scheuer die nächste Duftmarke. Der Verkehrsminister hat sich offenbar völlig verfahren. Sein Schweigen zum Rechenfehler des Lungenarztes Dieter Köhler offenbart eine Mischung aus großer Sturheit und unerträglicher Arroganz.

Da stützen mehr als 100 Mediziner Köhlers Behauptung, nach der es für die von der EU festgelegten Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub keinerlei wissenschaftliche Grundlage gibt. Eine steile These, die Scheuer sehr gelegen kommt. Der forsche CSU-Politiker fordert: "Der Aufruf der Lungenärzte muss dazu führen, dass die Umsetzung der Grenzwerte hinterfragt und gegebenenfalls verändert wird." Pustekuchen. Köhlers Berechnungen sind widerlegt, auch von einem Leser unserer Zeitung. Was für eine ungeheuere Blamage für Wissenschaft und Politik.

Es rächt sich wieder einmal der Schmusekurs, den Scheuer und sein Vorgänger und Parteifreund Alexander Dobrindt gegenüber der Autoindustrie eingeschlagen haben. Die Manipulationen und Trickserei der Branche bleiben nahezu ungesühnt. Scheuer mimt dafür den Robin Hood der Dieselfahrer.

Bei dem ganzen Irrsinn um Fahrverbote entpuppt sich der Niederbayer als grenzwertiger Minister. Als Populist, dem ein wirklich umweltfreundliches Verkehrskonzept fremd ist und der vor lauter Lobbyismus eines vergessen hat - die Gesundheit der Bürger. Eines ist auch klar: Bitte jetzt keine Sorgen um Scheuers Zukunft! Er darf eines Tages beruflich bequem in den Vorstandsetagen der Autoindustrie einparken.

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Kommentare

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Tobias Punzmann

Ein in einen Kommentar gemeißeltes ungläubiges Kopfschütteln!

Während Deutschland seine unfähigsten Politiker gerne in Brüssel oder Straßburg entsorgt, tut Bayern dies konsequent in Berlin. Wobei Audi Scheuer nun das Paradeexemplar für diese Vorgehensweise darstellt.
Sein Parteikollege zu Guttenberg, zweifellos mit deutlich mehr "Fähigkeit" und Auftreten gesegnet, stolperte einst über Plagiatsvorwürfe seiner Arbeit für einen richtigen Doktortitel. Scheuer hingegen pflegte einen kleinen Doktortitel wie einen richtigen zu führen, hat bei der zugehörigen Arbeit auch noch abgekupfert und trotzdem ein Werk abgeliefert, desen Inhalt sich nicht mal an einem Drehbuch für eine Nachmittagssoap messen lässt. Dazu stümpert er sich durch seine politische Karriere und fällt höchstens noch durch Unsäglichkeiten wie seiner Fabel vom "fußballspielenden, ministrierenden Senegalesen, den man nicht mehr abgeschoben gekriegt" auf. Aber er wurde, ist und bleibt Bundesminister. Und über die Amerikaner lacht man wegen Trump. Ich würde mich nicht mal mehr wundern, wenn die cSU als nächstes Rupert Stadler ins Verkehrsministerium setzt.

16.02.2019
A. Schmigoner

Dem Kommentar von Frank Werner stimme ich bedingungslos zu. Ergänzen möchte ich die Reihe der "fähigen" Verkehrsminister um Herrn Ramsauer und einige Aspekte anfügen. Die erwähnten "100 Mediziner", die Köhlers Aufruf unterstützten waren ganz überwiegen brave Lungenärzte mit eigener Praxis, keine Wissenschaftler. Die Wissenschaft hat die Thesen Köhlers von Anfang an sehr kritisch gesehen und muss deshalb keine Blamage fürchten. Die Herren Ramsauer, Dobrindt und Scheuer verantworteten auch unser "Breitband-Desaster" und die skandalöse Praxis der bisherigen Fernstraßenprivatisierungen. Mit der Maut werden nun endgültig die Voraussetzungen für das Abkassieren der Finanzindustrie geschaffen. Die Zeche zahlt in erster Linie der ländliche Raum, mit seinem fehlenden Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln.

15.02.2019