13.11.2019 - 18:08 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Bäume in der Oberpfalz gesünder als im übrigen Freistaat

Der Klimawandel setzt den Bäumen in Bayern immer stärker zu: Trockenheit und Schädlinge sorgen im ganzen Freistaat für große Schäden. Die Oberpfalz kommt dabei noch recht gut davon.

Borkenkäfer bereiten dem Wald flächendeckend Probleme.
von Jürgen UmlauftProfil

Trotz einer Verschlechterung zum Vorjahr ist der Zustand der Wälder in der Oberpfalz im bayernweiten Vergleich relativ günstig. Das geht aus dem aktuellen Waldzustandsbericht hervor, den Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) im Landtag vorstellte.

Im Durchschnitt aller Baumarten liegen die Nadel- und Blattverluste in der Oberpfalz bezogen auf den optimalen Zustand heuer bei 20,4 Prozent. Das bayerische Mittel beträgt 24,5 Prozent. Der Anteil der Bäume in der Oberpfalz ohne Schadmerkmale liegt bei etwa einem Drittel. Deutlich schlechter ist die Lage dagegen im benachbarten Oberfranken. Dort weisen mehr als 90 Prozent der Bäume Schäden auf, der mittlere Nadel- und Blattverlust beträgt 31,67 Prozent.

Schäden versechsfacht

Etwas schlechter als im Landesdurchschnitt ist in der Oberpfalz nur der Buchen und Eichen. Alle anderen Baumarten weisen günstigere Werte auf. Die Oberpfälzer Fichten- und Kiefernbestände gehören nach der Auswertung sogar zu den gesündesten in ganz Bayern. Allerdings gibt es wegen des Borkenkäferbefalls bei Fichten regionale Unterschiede. Bayernweit hat sich der Anstieg der Baumschäden binnen eines Jahres versechsfacht. Als Hauptgrund für die Entwicklung nannte Kaniber die zunehmend heißen und trockenen Sommer, die vor allem in Nordbayern mit viel zu wenig Niederschlägen die Vitalität der Bäume gefährde. "Der Klimawandel stellt unsere Wälder vor bisher nicht gekannte Herausforderungen", sagte Kaniber. Baumkrankheiten und der Befall mit Schädlingen nähmen rasant zu.

Kaniber verwies als Gegenmaßnahmen auf den beschleunigten Umbau der bayerischen Forsten in klimaresistentere Mischwälder sowie die erhöhten Fördermittel für Privatbesitzer. Der Waldumbau stehe und falle aber mit einer konsequenten Jagd. "Damit sich Klimawälder entwickeln können, sind angepasste Schalenwildbestände ein Schlüssel zum Erfolg", erklärte Kaniber. Übermäßiger Wildverbiss führe dazu, dass ausgerechnet die Baumarten verschwänden, die für Zukunftswälder dringend gebraucht würden. Sie erwarte sich deshalb ein enges Zusammenwirken von Waldbesitzern, Jägern, Verbänden und Forstverwaltung, um den Grundsatz "Wald vor Wild" umzusetzen.

"Wald vor Wild"

Angesichts der sich dramatisch verschlechternden Lage forderte SPD-Fraktionschef Horst Arnold einen "Paradigmenwechsel in der Waldpolitik". Diese sei mit dem Stellenabbau in der Forstverwaltung und dem Abschöpfen der Gewinne der Staatsforsten von insgesamt 757 Millionen Euro in der vergangenen zehn Jahren "verantwortungslos" gewesen. Wie die Grünen betonte auch Christoph Skutella (FDP) aus Weiden den Grundsatz "Wald vor Wild". Wenn die Bestandsverjüngung gefressen werde, sei jede Neuaufforstung "hinausgeschmissenes Geld". Dagegen erklärte Andreas Winkart (AfD), das Motto müsse "Wald mit Wild" lauten.

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