17.07.2020 - 15:55 Uhr
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Zu trocken, zu heiß: Ernte in der Nordoberpfalz wohl unter Durchschnitt

Die Bauern spüren den Klimawandel: Das trockene Frühjahr könnte sich bei der Getreideernte in der nördlichen Oberpfalz bemerkbar machen. Wie sieht es bei den Kartoffeln aus?

Karl und Luzia Gröschl mit Tochter Anna auf einem ihrer Felder im Kreis Regensburg – hier wachsen Kartoffeln, die später in Neunburg vorm Wald zu Chips verarbeitet werden.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Ein trockenes Frühjahr, Frostnächte im Mai, Starkregen mit Überschwemmungen im Juni: Die Ernteaussichten für die Oberpfalz sind durchschnittlich - aber regional sehr unterschiedlich.

"Die Trockenheit im Frühjahr hat bei manchen Kulturen ihre Spuren hinterlassen", sagt Josef Wutz, Oberpfälzer Präsident des Bauernverbandes, am Freitag beim Erntegespräch in Sarching (Kreis Regensburg). "Gerade im Westen und Norden der Oberpfalz war es sehr trocken. Das wird zu Ertragsminderungen bei der Getreideernte führen." Er rechnet im Süden der Oberpfalz, gerade Richtung Gäuboden, mit einem besseren Ertrag als im Norden.

Hauptkultur: Winterweizen

Insgesamt stehen in der Oberpfalz über 143 000 Hektar Getreide zur Ernte an. Hauptkultur ist der Winterweizen mit knapp 54 000 Hektar, gefolgt von Wintergerste mit knapp 54 000 Hektar - hier hat die Ernte bereits begonnen. Von besonderer Bedeutung für die Oberpfalz sind die Kartoffeln, die auf rund 6500 Hektar angebaut werden.

Vor allem bei den Kartoffeln allerdings mache sich der Klimawandel deutlich bemerkbar, so der Sarchinger Landwirt Karl Gröschl: "Kartoffeln vertragen keine regelmäßige Hitze." Gröschl erinnert sich an das Jahr 2003 als sein "erstes trockenes heißes Jahr" als Bauer - damals gab es sieben Hitze-Tage über 30 Grad. "Die hatten wir heuer bis jetzt auch schon."

Auch im regionalen Vergleich schneidet die Oberpfalz - zumindest, was die Hitze angeht - schlecht ab. Betrachtet man Altbayern, so ist die Oberpfalz und gerade der Kreis Regensburg das wärmste Eck. "Durch die Hitze müssen wir schon kämpfen, um unsere Erträge zu halten", sagt Gröschl. Deshalb habe sich sein Betrieb auch spezialisiert - zum Beispiel auf Chipskartoffeln, die an das Lorenz-Werk in Neunburg vorm Wald (Kreis Schwandorf) verkauft werden. "Aber mit Oberbayern, wo weniger Hitze herrscht, sind wir nicht konkurrenzfähig", sagt Gröschl. "Und erst recht nicht mit Niedersachsen." Dort gäbe es teils allein wegen des Wetters rund 20 Prozent mehr Ertrag bei der Kartoffelernte.

Zweites Standbein: Karotten

Gröschls Familie bewirtschaftet den landwirtschaftlichen Betrieb schon seit 1700. Er scherzt: "Wir arbeiten an den nächsten 300 Jahren." Ohne die Möglichkeit der künstlichen Beregnung, sagt er aber, müsste er sich wohl einen anderen Job suchen. "Eine Landwirtschaft könnte ich hier so nicht betreiben." Seit sieben Jahren baut er nun zusätzlich Karotten und rote Beete an. "Regionales Gemüse ist gerade sehr gefragt."

Doch zurück zu den Kartoffeln: Gröschl zeigt die Knollen einer Lady Claire-Kartoffelpflanze auf einem seiner Felder und beschreibt die turbulenten vergangenen Monate: Zunächst waren die Chips-Regale leer, die Nachfrage wegen Corona riesig - aber die Felder hatten nicht mehr Ernte hergegeben, das Wetter im vergangenen Jahr habe einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Die Pommes-Kartoffeln hingegen lägen zum Teil noch immer in den Lagerhallen und Kühlhäusern, sagt Gröschl. Der Lockdown Mitte März hatte den Außerhaus-Verzehr fast komplett zum Erliegen gebracht - und damit auch die größte Nachfrage nach Pommeskartoffeln. "Was nicht vertraglich abgesichert war, ist kaum wegzubringen."

Gerade in der Coronakrise, ergänzt Hans Mayer, Regensburger BBV-Kreisobmann, habe sich gezeigt, wie wichtig Landwirtschaft und Landwirte seien. Er fordert, die ständig steigenden Auflagen und Anforderungen müssten entsprechend honoriert werden. Und schießt hinterher: "Wir fürchten Petrus weniger als die Agrarpolitik."

Die Frühkartoffelsaison im Kreis Schwandorf startete Ende Juni

Nabburg
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