Bayerischer Gesundheitsminister setzt auf Kommunen als Partner für bessere Pflege

München
22.11.2022 - 17:22 Uhr

Die Gesellschaft wird immer älter, damit steigt auch die Zahl der Pflegebedürftigen. Mit einem Strategiepapier plant der bayerische Gesundheitsminister Holetschek Verbesserungen vor allem für die Pflege zu Hause und im nahen Wohnumfeld.

Eine Bewohnerin einer Seniorenwohnanlage bekommt den Blutdruck gemessen.

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) will die wohnortnahe und häusliche Pflege in Bayern stärken. Gemeinsam mit Kommunen und Pflegekassen hat er dafür ein Strategiepapier entwickelt. Ziele sind die Entlastung pflegender Angehöriger und ein möglichst breites Angebot an Pflegeplätzen und Hilfsangeboten überall in Bayern. "Gute Pflege daheim muss flächendeckend und bedarfsorientiert gewährleistet sein", sagte Holetschek bei der Vorstellung des Papiers im Pflegeausschuss des Landtags. An finanzieller Unterstützung stelle der Freistaat im kommenden Jahr rund 100 Millionen Euro aus dem Programm "PflegeSoNah" bereit.

Rund 500.000 Pflegebedürftige

In Bayern gibt es derzeit rund 500.000 Pflegebedürftige, gut drei Viertel davon werden zu Hause betreut. Mit der vereinbarten Strategie soll erreicht werden, dass diese solange wie möglich im häuslichen Umfeld bleiben können. Dazu sollen die Pflege durch Angehörige, bürgerschaftliches Engagement und professionelle Pflegedienstleister enger miteinander verzahnt werden. Konkret sieht das Konzept den Ausbau von Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflegeplätzen zur Entlastung pflegender Angehöriger, die bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sowie mehr Hilfen für ihre Eltern pflegende Minderjährige vor. Gerade diesen "Young Carern" will Holetschek künftig sein besonderes Augenmerk widmen.

Zudem plant der Minister, das System örtlicher "Kümmerer" als Berater und Vermittler von Pflegedienstleistungen auszubauen. Dazu sollen Gemeindeschwestern und -pfleger eine "Lotsenfunktion" übernehmen. Vor allem im städtischen Bereich sind die Kommunen angehalten, barrierefreie und generationenübergreifende Wohnquartiere zu gestalten. Damit soll Pflegebedürftigen soziale Teilhabe ermöglicht und ihrer Vereinsamung entgegengewirkt werden, erklärte Holetschek. Als weitere Ansätze führt das Strategiepapier den Einsatz digitaler Hilfen und der haushaltsnahen Robotik, Attraktivitätssteigerungen in den Pflegeberufen sowie die Anwerbung von Pflegefachkräften im Ausland auf. Zur Koordinierung aller Maßnahmen soll eine regelmäßige regionale Pflegestrukturplanung mit Betroffenen und Beteiligten eingeführt werden.

Lob aus den Landtagsfraktionen

Die Landtagsfraktionen begrüßten die Pläne Holetscheks. Das Strategiepapier sei eine "gute Grundlage für weitere Verbesserungen in der Pflege", sagte Andreas Krahl (Grüne). Er vermisste allerdings klare Aussagen zur Umsetzung der von der Staatsregierung angekündigten Pflegeplatzgarantie. Peter Bauer (Freie Wähler) mahnte den Abbau von rechtlichen Schranken bei der pflegerischen Nachbarschaftshilfe an. Eine Anpassung der staatlichen Förderung an gestiegene Bau- und Energiekosten forderte Ruth Waldmann (SPD). Nur so könnten die vielen guten Vorschläge auch Wirklichkeit werden.

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