22.07.2020 - 16:03 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

In Bayern auch Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium gesucht

Am 8. September geht die Schule im Regelbetrieb wieder los. 800 Aushilfslehrkräfte sollen dabei nach Ansicht des Kultusministeriums den Unterricht in Corona-Zeiten unterstützen – auch ohne Lehramtsstudium. Es hagelt Kritik.

Kultusminister Michael Piazolo sucht neue Lehrer – notfalls auch ohne Studium.
von Jürgen UmlauftProfil

Die Unterrichtsversorgung an Bayerns Schulen ist nach Auskunft von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) trotz des in Teilen akuten Lehrermangels und der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie gesichert. Durch dienstrechtliche wie freiwillige Maßnahmen habe die befürchtete Bedarfslücke an den Grund-, Mittel- und Förderschulen geschlossen werden können, erklärte Piazolo vor der Presse in München.

Alle Planungen seien darauf ausgerichtet, dass der Unterricht am 8. September im "Regelbetrieb unter Hygieneauflagen" starten könne. Man sei aber auch auf alternative Szenarien für den Fall wieder steigender Infektionszahlen vorbereitet. "Corona nimmt keine Rücksicht auf die Schulplanung", betonte Piazolo.

Lücke auf 1200 Stellen reduziert

Nach seinen Angaben werden an den bayerischen Schulen zum neuen Schuljahr alle offenen 4600 Planstellen mit ausgebildeten Lehrkräften besetzt, gut die Hälfte davon an den Grund- und Mittelschulen. "Die eingeleiteten Maßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsversorgung haben gewirkt", sagte Piazolo. An den Grund- und Förderschulen habe zur Entspannung beigetragen, dass die Zahl der Erstklassanmeldungen wegen des neuen Einschulungskorridors rückläufig gewesen sei.

Die befürchtete Lücke habe sich dadurch von knapp 1400 auf rund 1200 Stellen reduziert. Durch die verordnete Mehrarbeit für Lehrkräfte sowie freiwillige Maßnahmen wie die Rückkehr bereits pensionierter Pädagogen an die Schulen - etwa 200 sind dem Aufruf gefolgt - "kommen wir auf die Zahlen, die wir brauchen", erklärte Minister Piazolo.

Corona macht aber ergänzende Eingriffe erforderlich. Stammlehrkräfte aus Corona-Risikogruppen, die laut ärztlichem Attest nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehen, sollen von "Teamlehrern" unterstützt werden. Dafür will Piazolo für ein Jahr 800 zusätzliche Stellen schaffen. Besetzt werden sollen diese überwiegend mit ausgebildeten Lehrkräften, die derzeit nicht im Dienst sind, aber auch von Absolventen verschiedener Fachstudiengänge. 30 Millionen Euro stehen dafür bereit.

Unabhängig davon werden 1000 zusätzliche Stellen unter anderem für die Ausweitung des Angebots an Inklusion und Ganztag sowie den Informatikunterricht geschaffen. Dies folgt den Beschlüssen des Koalitionsvertrags von CSU und Freien Wählern.

Der Grünen-Bildungspolitiker Thomas Gehring warf Piazolo vor, mit seiner Vorlage nur "eifrig allzu offensichtliche Löcher zu stopfen", statt die Probleme im bayerischen Schulsystem grundlegend anzugehen. Simone Strohmayr (SPD) kritisierte, Piazolo warte mit "Zahlenspielereien und Hokus-Pokus-Maßnahmen" auf. Zu glauben, dass binnen sechs Wochen 800 Teamlehrerstellen besetzt werden könnten, sei "aberwitzig". "Das Prinzip Hoffen und Beten ersetzt keine ordentliche Personalplanung", erklärte Strohmayr. Auch dem Bayerischen Philologenverband (bpv) zufolge seien die 800Teamlehrkräfte "nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein".

Selbst wenn das neue Schuljahr im Regelbetrieb mit allen Schülern im Präsenzunterricht beginnen sollte, müssen sich Schüler und Eltern wegen Corona auf einige Einschränkungen einstellen. Darauf hat Piazolo hingewiesen. Der Gesundheitsschutz für Schüler und Lehrkräfte habe "höchste Priorität".

Sport und Musik eingeschränkt

So werden die bestehenden Hygienekonzepte modifiziert weiter gelten. An vielen Schulen werden wohl zunächst Wahlfächer und Arbeitsgruppen ausgesetzt, um genügend Pädagogen für die zusätzlichen Förderangebote zum Schließen entstandener Stofflücken zu haben.

Auch der Sport- und Musikunterricht wird weiterhin nur eingeschränkt möglich sein. Anders als Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) den Erzieherinnen in Kitas will Piazolo den Lehrkräften keinen Leitfaden zum Umgang mit verschnupften Schülern an die Hand geben.

Die Klärung gesundheitlicher Fragen sei nicht Aufgabe von Lehrern, sondern von Ärzten, betonte er. Diese müssten darüber befinden, ob ein Kind wegen eines Infekts in die Schule gehen könne oder zu Hause bleiben müsse. Piazolo plädierte für die Ausweitung der Corona-Test-Kapazitäten an den Schulen mit möglichst schnellen Ergebnissen.

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