13.07.2020 - 17:30 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Bayern verstärkt seine Cyberabwehr

Einkäufe über das Internet boomen wegen Corona. Das nutzen immer häufiger Kriminelle für Betrügereien. Die Staatsregierung will dagegen härter vorgehen.

Ein Mann sitzt am Rechner und tippt auf einer Tastatur. I
von Jürgen UmlauftProfil

Die Zahl der über das Internet verübten Straftaten ist seit Beginn der Coronakrise deutlich angestiegen. Die bayerischen Sicherheitsbehörden registrierten in den ersten fünf Monaten des Jahres ein Plus um 14 Prozent auf fast 14.000 Fälle. Wegen der sprunghaften Zunahme der Online-Einkäufe während des Lockdowns legten vor allem die Fälle von Waren- und Kreditbetrug zu (23 Prozent). Die Staatsregierung will daher die Maßnahmen gegen Internet-Kriminalität noch einmal nachschärfen. Das teilten die zur Bekämpfung und Abwehr von Cyber-Attacken zuständigen CSU-Fachminister Joachim Herrmann (Innen), Georg Eisenreich (Justiz), Judith Gerlach (Digitales) und Albert Füracker (Finanzen) auf einer Pressekonferenz in München mit.

"Unsere Anfang des Jahres eingerichtete 'Cyberabwehr Bayern' hatte gleich alle Hände voll zu tun und ihre erste Feuerprobe bestanden", sagte Herrmann. Als Beispiele nannte er Hacker-Angriffe auf kritische Infrastrukturen wie die Stromversorgung oder das Gesundheitswesen, aber auch Versuche von Betrug und Datendiebstahl in Zusammenhang mit den Corona-Soforthilfen. Verfassungsschutzpräsident Burkhard Körner erklärte, man erarbeite gerade einen "Cyber-Schutzschirm für den Mittelstand". Dort fehle es oft an Ressourcen und Fachwissen, um sich effektiv gegen Angriffe aus dem Netz zu schützen. Es gehe um Beratung sowie ein Frühwarnsystem für mögliche Angriffsopfer.

Eisenreich betonte, Bürger und Unternehmen müssten sich in der digitalen Welt genauso sicher fühlen wie in der realen. Dazu forderte er vom Bund eine Anpassung des Strafrechts an die neuen Herausforderungen. "Wer sich an den Daten der Bürger vergreift, muss wie ein Dieb oder Hehler in der analogen Welt bestraft werden", erklärte Eisenreich. Der Strafrahmen für Cyber-Delikte müsse auf bis zu fünf Jahre angehoben werden, der für Angriffe auf kritische Infrastrukturen auf bis zu zehn Jahre. Zudem bräuchten die Ermittler mehr digitale Befugnisse wie die Verkehrsdatenspeicherung, um Straftätern auf die Spur zu kommen.

Während Gerlach auf zahlreiche Beratungsangebote ihres Hauses wie den "Passwort-Check" für Bürger verwies, lenkte Füracker den Blick auf die Datensicherheit in der öffentlichen Verwaltung. Das zu deren Schutz gegründete Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik analysiere täglich rund 260 Millionen Zugriffe aus dem geschützten Behördennetz ins Internet. Zudem berate es Kommunen und kommunale Unternehmen als Betreiber kritischer Infrastruktur und leiste "im Notfall Erste Hilfe". Füracker empfahl allen Kommunen, sich den bayerischen Behördennetz anzuschließen und damit vom IT-Schutzschirm des Freistaats zu profitieren.

Internetverbrechen

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Hintergrund:

Zahl der Straftaten im Internet

2019 wurden in Bayern 29.717 Straftaten registriert, die über das Internet verübt wurden. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von 12,4 Prozent. Für heuer wird mit einem noch stärkeren Wachstum gerechnet. Die Aufklärungsquote der bekannt gewordenen Fälle lag zuletzt bei gut 36 Prozent, die Schadenssumme bei 11,7 Millionen Euro. Dabei ist die Dunkelziffer vermutlich sehr hoch. Analysen und Befragungen zeigen, dass nicht einmal ein Fünftel der Opfer Anzeige erstattet. Hauptdeliktsfeld mit rund 18.500 der angezeigten Fälle waren 2019 der Identitätsdiebstahl sowie die Übernahme persönlicher Accounts durch Straftäter, die dadurch zum Beispiel auf Kosten ihrer Opfer einkauften. Vielfach hatten Nutzer ihre Daten nicht ausreichend geschützt oder gaben sie leichtsinnig preis. 720 Anzeigen betrafen "Fake-Shops", aus denen bezahlte Ware nie ausgeliefert wurde. Weitere Delikte sind Erpressung und direkte Angriffe auf einzelne Computer oder interne Netzwerke.

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