13.01.2021 - 19:56 Uhr
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Bayern verteilt FFP2-Masken an Bedürftige - Kinder bis 14 Jahre befreit

In Bayern sind künftig FFP2-Masken in Bussen, Bahnen und Geschäften Pflicht. Nun regelt die Staatsregierung die Details - und reagiert auf einige Kritik. Und: Wer gegen die neue Maskenpflicht verstößt, muss zunächst kein Bußgeld zahlen.

Solche FFP2-Masken sind in Bayern ab Montag Pflicht in Nahverkehr und Einzelhandel.
von Jürgen UmlauftProfil

Auf Drängen mehrerer Sozialverbände will die Staatsregierung 2,5 Millionen kostenlose FFP2-Masken für Bedürftige in Bayern zur Verfügung stellen. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz an. Damit soll sichergestellt werden, dass Menschen in der Grundsicherung sowie mit einem ungesicherten Einkommen Zugang zu den Schutzmasken haben, die ab kommendem Montag im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen Pflicht sind.

Verstöße gegen die verschärfte Maskenpflicht sollen dabei erst ab dem 25. Januar sanktioniert werden. Söder sprach von einer "Kulanzwoche", um den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich auf die neue Situation vorzubereiten. Die Höhe des Bußgeldes war zunächst noch offen. Kinder unter 15 Jahre sind von der FFP2-Pflicht befreit.

Apotheken sind gewappnet

Nach Angaben des neuen Gesundheitsministers Klaus Holetschek (CSU) sollen die kostenlosen Masken ab der kommenden Woche über die Landkreise und kreisfreien Städte an die Bedürftigen verteilt werden, etwa an Hartz-IV-Empfänger. Zunächst soll jeder Berechtigte fünf FFP2-Masken erhalten. Im bayerischen Pandemie-Zentrallager seien dafür ausreichend Masken vorrätig. Dass in Apotheken und Drogerien FFP2-Masken nach der Ankündigung zur Tragepflicht am Dienstag vielfach ausverkauft sind, bereitete Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) keine Sorgen. Er gehe davon aus, dass sich die Verfügbarkeit "schnell normalisieren" werde. Dazu trage auch die bayerische Produktion von täglich mehr als 50 000 Stück bei.

Der Apotheker Martin Wolf, Bezirksvorsitzender des bayerischen Apothekerverbands in der Oberpfalz, zeigte sich am Mittwoch auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien entspannt, was die Liefersituation bei FFP2-Masken angeht: "Es gibt sehr viele Bezugsquellen, und die Lager vieler Lieferanten sind voll." In seiner Apotheke in Vohenstrauß (Kreis Neustadt/WN.) sei am Mittwoch zudem von einem Kunden der erste "Berechtigungsschein 1" für sechs FFP2-Masken zum Eigenanteil von 2 Euro vorgelegt worden. Diese von den Krankenkassen verschickten Coupons sind bis 28. Februar gültig. In der nächsten Phase wird der "Bezugsschein 2" an die Versicherten gesandt - dieser ist dann von 16. Februar bis 15. April gültig und berechtigt erneut zur Abholung von sechs Masken bei einer Eigenbeteiligung von 2 Euro. "Allerdings liegen uns Informationen vor, dass einige Krankenkassen noch etwas Zeit brauchen, bis sie die Berechtigungsscheine verschicken", so Wolf.

Söder und Aiwanger sehen unterdessen in der Verwendung von FFP2-Masken eine Perspektive für baldige Lockerungen des Lockdowns. "FFP2 ist in jeder Beziehung eine deutliche Verbesserung, vor allem gegenüber löchrigen Schals und seit acht Monaten getragenen Community-Masken", sagte Söder. Dies gelte auch für den Schutz im Fall einer Ausbreitung der aggressiveren englischen Corona-Variante in Bayern.

Zweifel in der Wissenschaft

In der Wissenschaft ist der Nutzen der FFP2-Masken für den Alltagsgebrauch umstritten. Virologen betonten zwar deren deutlich höhere Schutzwirkung für den Träger und Personen in dessen Umfeld. Diese komme aber nur zum Tragen, wenn die Masken richtig aufgesetzt würden und täglich gewechselt würden. Eine FFP2-Maske schütze nur, wenn sie korrekt angelegt und verwendet werde, sagte etwa der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Sie müsse dicht abschließen, die Außenfläche dürfe auch beim Ablegen nicht berührt werden. Korrekt verwendet biete aber eine solche Maske anders als die einfachen Einweg- und Baumwollmasken viel Eigenschutz. Auch der Virologe Alexander Kekulé hält die Pflicht zum Tragen der Masken grundsätzlich für sinnvoll. "Natürlich ist eine FFP2-Maske deutlich sicherer als ein Mund-Nase-Schutz, der oft auch nur sehr locker getragen wird."

Der Pandemiebeauftragte des Klinikums rechts der Isar in München hält die FFP2-Maskenpflicht allerdings für problematisch. "Damit sie zusätzlichen Schutz bieten, müssen sie dicht sitzend getragen werden, was die Mehrheit der Nutzer schon mit den normalen Masken kaum schafft", gab Christoph Spinner, Oberarzt für Infektiologie zu bedenken. "Daher verspreche ich mir kaum zusätzlichen Schutz." (Mit Material von Alexander Pausch und dpa)

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