08.10.2020 - 13:05 Uhr
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50 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald: So schön und bald noch größer

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist 50 Jahre alt: Als Geschenk wird das Areal erweitert. Ministerpräsident Markus Söder nennt es einen "Schatz" - und äußert sich auch zur Debatte um Atommüll-Endlager.

Von Marie Schmid

Zum Geburtstag gibt's immer ein Geschenk, ganz klar. Das sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch bei seinem Besuch im Informationszentrum des Nationalparks Bayerischer Wald in Neuschönau (Kreis Freyung-Grafenau). Sein Geschenk zum 50. Geburtstag des Parks: 630 Hektar. Die vom Ministerrat beschlossene Erweiterung ist nun offiziell. Sie soll den ältesten Nationalpark Deutschlands mit insgesamt 24 850 Hektar künftig auch zum größten Wald-Nationalpark der Bundesrepublik machen.

Jedes Jahr besuchen rund 1,3 Millionen Menschen das Naturschutzgebiet. "Ohne den Nationalpark wäre der Bayerische Wald nicht auf der Entwicklungsstufe von heute", sagte der Ministerpräsident. Er sei aus ökologischer und ökonomischer Sicht für die Region und ganz Bayern wertvoll. "Ein Schatz", sagte Söder. "Happy birthday."

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Barrierefreies Naturerleben

Die 630 Hektar liegen an der Grenze zum tschechischen Nationalpark Sumava. Mit zusätzlichen 3,5 Millionen Euro bis 2024 soll laut Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) die Attraktivität des Parks noch größer werden. Es sei zum Beispiel geplant, am nordischen Skizentrum Finsterau einen Besucherschwerpunkt für barrierefreies Naturerleben zu schaffen.

Sieben Naturschutzverbände und Bürgerinitiativen gratulierten dem Nationalpark am Mittwoch und informierten über ihre neue Initiative "Nationalparkbündnis Bayern". Der Nationalpark Bayerischer Wald sei ein Gewinn für den Naturschutz und die Bevölkerung in der Region. Diese Erfolgsgeschichte solle im Steigerwald als Laubwald-Nationalpark fortgeschrieben werden, fordern beispielsweise Vertreter von Greenpeace Bayern oder des Bund Naturschutz.

"Erhebliche Widerstände"

2018 hatte Ministerpräsident Söder nach einer langen Debatte entschieden, dass es auf absehbare Zeit keinen dritten Nationalpark geben werde. Es habe "erhebliche Widerstände" gegeben, sagte er. Vielleicht gebe es in Zukunft "mehr Vernunft und mehr Möglichkeiten". Landtagsabgeordneter Toni Schuberl (Grüne) war sich sicher: "Es wird einen dritten Nationalpark geben."

Söder kündigte zudem an, mit Tschechiens Regierungschef Andrej Babis über die Endlagersuche sprechen zu wollen. "Das ist eines der Top-Themen und deswegen sollten wir in der ganzen Region und auch auf tschechischer Seite die Frage diskutieren: Ist das der richtige Platz für ein Endlager?"

Söder findet es besser, im Grenzgebiet von Bayern und Tschechien statt Atomendlagern einen der größten Waldnationalparks in Europa zu schaffen. Bayern sei auch bereit, "finanziell mitzuhelfen". Ein Endlager im Bayerischen Wald hält der Ministerpräsident unter anderem wegen "geologischer Argumente" nicht für sinnvoll, meinte er. Eine solche Einrichtung direkt neben dem Wald-Nationalpark halte er nicht für passend. "Da gibt es bessere Standorte." Auf tschechischer Seite ist die Region ebenfalls für ein Endlager im Gespräch: auf dem Gebiet der Gemeinde Chanovice. Es liegt rund 125 Kilometer von Regensburg entfernt.

Urwaldrelikt-Käfer

Das Ziel, das die Gründerväter des Parks vor 50 Jahren vor Augen hatten, ist erreicht worden, sagte Nationalpark-Direktor Franz Leibl - der Wald habe sich in Richtung Urwald entwickelt. Inzwischen sind laut Glauber 11 000 Tier-, Pilz- und Pflanzenarten nachgewiesen worden - auch Urwaldrelikt-Käfer.

Am Dienstag hatten bereits die Grünen die Schaffung eines dritten Nationalparks Bayern gefordert. Ein weiterer Nationalpark sei auch für den Artenschutz wichtig. Auch aus der SPD-Fraktion wurde erneut die Forderung laut, einen Nationalpark im Steigerwald mit einer Machbarkeitsstudie voranzubringen.

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