23.10.2020 - 17:48 Uhr
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Corona-Ampel: Warum die Warnstufe "Dunkelrot" blendet

Als Verschärfung für Hotspot-Regionen hatte Markus Söder die Corona-Warnstufe "Dunkelrot" angekündigt. Ist sie das wirklich? Wer genau hinschaut, erkennt Ungereimtheiten. In Weiden etwa gleicht ein Aspekt der Regel eher einer Lockerung.

Die bayerische Corona-Ampel leuchtet nun auch in der Warnfarbe "Dunkelrot". Statt strengerer Regeln kommt die Maßnahme in manchen Regionen aber einer teilweisen Lockerung gleich.
von Florian Bindl Kontakt Profil

In acht bayerischen Städten und Landkreisen sprang die Corona-Ampel am Mittwoch auf Dunkelrot, darunter Weiden und der Landkreis Neustadt/WN. Was bedeutet Warnstufe Dunkelrot nun? Und sind die neuen Maßgaben wirklich eine Verschärfung? Mancherorts ist das zweifelhaft.

Ich wohne in einem Gebiet der Warnstufe "Dunkelrot". Was bedeutet das?

Die Corona-Ampel springt auf Dunkelrot, sobald ein Landkreis oder eine Stadt eine 7-Tage-Inzidenz von 100 erreicht. Die Unterschiede zur roten Ampel sind: In der Gastronomie ist bereits ab 21 Uhr Sperrstunde und damit eine Stunde früher als bei roter Ampel. Außerdem sind nun Veranstaltungen auf maximal 50 Teilnehmer beschränkt.

Welche Veranstaltungen sind von der Regel betroffen?

Zunächst hieß es, von der Begrenzung auf 50 Teilnehmer seien "Veranstaltungen aller Art" betroffen. Nun ist klar: Gemeint sind insbesondere Kulturveranstaltungen, etwa Theater, Kinos, Messen oder Kongresse, aber auch Vereinsversammlungen. Ausgenommen sind Demonstrationen und Gottesdienste, hier gibt es keine Beschränkung. Explizit nicht gemeint sind zudem Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern. Diese gelten als private Feiern und sind auf fünf Personen oder zwei Hausstände beschränkt.

Sind die Regeln für Veranstaltungen wirklich strenger geworden?

Das hängt davon ab, welchen Landkreis oder welche Stadt man betrachtet. Denn: Für die Stadt Weiden etwa galt laut ihrer Allgemeinverfügung vom 15. Oktober: "Die Teilnehmerzahl von Veranstaltungen wird auf bis zu 25 Personen in geschlossenen Räumen oder bis zu 50 Personen unter freiem Himmel begrenzt." Damals war Weiden "rotes Gebiet". Diese Allgemeinverfügung ist nun aber nicht mehr gültig, auf Nachfrage hieß es vonseiten der Stadtverwaltung, man müsse sich nun an das halten, was die Staatsregierung vorschreibt. Also: 50 Personen bei Veranstaltungen. Das bedeutet, dass in Weiden bei roter Corona-Ampel schon strengere Regeln galten als jetzt bei dunkelroter Ampel - zumindest mit Blick auf die Veranstaltungen.

Dasselbe trifft auf den Landkreis Tirschenreuth zu. Der Landkreis ist rotes Gebiet, Veranstaltungen waren vor einer Woche auf 25 Teilnehmer in Innenräumen und 50 draußen beschränkt. Diese Verfügung des Landkreises ist ebenfalls ausgelaufen, weshalb derzeit bei (Kultur-)Veranstaltungen wieder 100 Personen in Innenräumen und 200 Personen im Freien möglich sind. So schreibt es die bayerische Staatsregierung vor. Insofern kommt die "verschärfte" Corona-Ampel in einigen Gebieten eher einer Entschärfung gleich. Die bayerische Staatskanzlei war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Eine neue Allgemeinverfügung der Stadt soll es aber in Weiden zunächst nicht geben. Das teilte die Stadtverwaltung am Freitag mit.

Ich wohne in einem Landkreis mit grüner Corona-Ampel. Wie viele Personen dürfen sich privat treffen?

In Gebieten mit einer 7-Tage-Inzidenz unter 35 steht die Corona-Ampel auf Grün. Dort dürfen sich in privaten Räumen Personen ohne Begrenzung der Teilnehmerzahl treffen, solange sie auf Hygieneregeln und den Mindestabstand achten. Die Höchstgrenze von zehn Personen oder zwei Hausständen gilt bei grüner Ampel nur im öffentlichen Raum. Aber: Springt die Ampel auf gelb, sind auch private Treffen beschränkt.

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