Der Auftakt zum Prozess am Montag vor einer Woche hatte die Tragweite des Fehlverhaltens der beiden Angeklagten dargelegt: Ein heute 28-jähriger Polizeianwärter verabredete sich per Whats-App mit einem 54-jährigen Maurer zu einer fatalen Raserei auf der kurvigen Bergstrecke im Bayerischen Wald. Der Jüngere mit Freundin in einem 400-PS-Audi, der Ältere auf einer 130-PS-Maschine.
Beide verleiten sich gegenseitig zu immer waghalsigeren Überholmanövern, gefährden zahlreiche Verkehrsteilnehmer. Schließlich rammt der Audi-Pilot einen Jeep und rast kurz darauf in einen entgegenkommenden Opel. Ein 38-jähriger Familienvater im Ascona stirbt noch an der Unfallstelle, der zehnjährige Sohn überlebt schwer verletzt und ist heute schwerbehindert.
"Waghalsig und irrsinnig"
Die Anklage will den Beweis erbringen, dass der relativ neue Tatbestand Paragraph 315 D der Verabredung zu einem illegalen Rennen mit Todesfolge gegeben ist: Das Schwurgericht könnte dann eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren verhängen. Die Taktik der Verteidigung ist noch nicht klar. Vieles aber deutet daraufhin, dass sich insbesondere der Motorradfahrer auf die Position verlegt, er habe sich mit dem Polizisten zu einer Testfahrt mit tragischem Ausgang verabredet und sich damit allenfalls der Verkehrsgefährdung schuldig gemacht.
Die Zeugen zeichnen ein anderes Bild: Schon vor dem Unfall seien die beiden mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen. Vor allem der Motorradfahrer wurde von Zeugen schwer belastet.
- Eine Frau nannte die Fahrweise der beiden als "extrem waghalsig, verantwortungslos und irrsinnig".
- Wie eine gegenseitige Jagd erschien einem Autofahrer, der von beiden überholt worden war, das Fahrverhalten der Angeklagten.
- Eine Frau gab zu Protokoll, der Motorradfahrers sei dafür bekannt, in den vergangenen Jahren immer wieder auf der Kalteck-Bergstrecke gerast zu sein.
- Zwei Zeugen beschrieben das Verhalten des 54-Jährigen an der Unfallstelle, an der er unmittelbar nach dem Crash eingetroffen sein muss: Der Ersthelfer, ein Traktorfahrer, habe den Motorradfahrer aufgefordert, ihm beim Aufstellen des durch scharfkantige Bleche schwer zu fassenden verunfallten Opel Ascona zu helfen - die Motorradhandschuhe wären ein Schutz gewesen. Dieser habe aber nicht auf den Appell gehört und sich stattdessen vom Unfallort entfernt. Der Traktorfahrer mit Beifahrer waren bereits zuvor Zeugen der Raserei geworden.
- Der Jeepfahrer, der unmittelbar vor dem Frontalzusammenstoß vom Audi touchiert wurde, schilderte mit seiner Lebensgefährtin, wie er über eine längere Strecke versuchen musste, sein Fahrzeug auf dem Bankett wieder unter Kontrolle und zum Stehen zu bringen. Beide wurden dabei leicht verletzt.
Am Freitag wird der Prozess mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt. Ein Urteil wird Mitte November erwartet.















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