15.11.2020 - 17:47 Uhr
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Kommentar zum Kohnen-Rückzug von Bayern-SPD-Spitze: Zurück zu Stieglers Kärrnerarbeit

Die Kritik an ihrer mangelnder Präsenz hat sich Natascha Kohnen offenbar zu Herzen genommen: Die 53-jährige Münchenerin will die SPD-Spitze „Jüngeren“ überlassen. Der Weidener Uli Grötsch wäre einer. Jürgen Herda kommentiert den Rückzug.

Vertauschte Rollen? Uli Grötsch, Generalsekretär der SPD in Bayern, gratuliert Natascha Kohnen, Landesvorsitzende der SPD in Bayern, beim Landesparteitag zu ihrer Wiederwahl als Landesvorsitzende.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Wenn man denkt, weiter runter geht’s nicht mehr, legt die bayerische SPD noch eine Schippe drauf. Nicht nur bei den Wahlergebnissen. Erst zogen sich bayerische Spitzengenossen aus der Bundespolitik zurück.

Der glücklose Florian Pronold scheiterte beim Postenschacher um die Leitung der Bauakademie und blieb lustlos in der Politik. Bahn-Experte Martin Burkert schied im Februar aus dem Bundestag aus und Natascha Kohnen verließ den Bundesvorstand – jetzt also auch noch der Verzicht auf den Vorsitz.

Merkel light tauchte unter

Dabei hatte man vor vier Jahren das Gefühl, die gebürtige Münchenerin und Naturwissenschaftlerin könnte mit ihrem unaufgeregten, aber empathischen Stil als eine Art Merkel light die historisch schwindsüchtige Bayern-SPD stabilisieren. Mit Ausnahme weniger Sternstunden, etwa beim Streit mit der damaligen Bundesvorsitzenden Andrea Nahles um den ehemaligen Geheimdienstchefs Hans-Georg Maaßen, blieb die 53-Jährige blass.

Natascha Kohnen stellt ihr Amt als bayerische SPD-Vorsitzende zur Verfügung

Bayern

Im Wahlkampf setzte sie erfolglos auf zwar richtige, aber zu dünne Themen: Klar sind bezahlbare Mieten – vor allem in München – ein existentielles Argument. Aber das erwarten SPD-Wähler ohnehin von ihrer Partei. Da muss mehr kommen, eine Vorstellung von der Gestaltung der Zukunft. Deshalb hagelte es scharfe Kritik von Renate Schmidt und Christian Ude. Zwei beliebte Spitzenkandidaten einer besseren roten Vergangenheit, die selbst aber auch deutlich scheiterten.

Dilemma: Mediales Desinteresse

„Was keiner so richtig begreift, ist die Ausnahme-Situation der Bayern-SPD im Vergleich zu anderen Bundesländern“, hatte Schmidt ihr Dilemma erklärt. Denn die SPD in Bayern trete als regionaler Partei einer nicht nur der CSU-Bundespartei entgegen. „Wenn der CSU-Vorsitzende etwas sagt, ist das bundesweit präsent. Auch die Medien berichten bundesweit, sagt der Vorsitzende der Bayern-SPD etwas, dann ist das nur in Bayern von medialer Bedeutung.“

Denn auch das gehört zur Wahrheit: SPD-Chef in Bayern ist nicht der schönste, sonder der schwerste Job nach Papst. Und der mögliche Nachfolger Uli Grötsch täte gut daran, das Erfolgsrezept seines möglichen Vorgängers Ludwig Stiegler wieder auszugraben: 365 Tage rund um die Uhr Kärrnerarbeit vor Ort: ganz nah dran an den Menschen, in den Betrieben, den Vereinen, den Stammtischen, dort wo‘s weh tun. Dann kann‘s wieder was werden mit 10 plus x.

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