Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW) blickt mit Sorge auf die weiter steigenden Corona-Zahlen in Bayern. Neben Lieferengpässen, gestiegenen Energiepreisen und der die Kaufkraft schmälernden Inflation sei die Infektionslage bedeutendster Faktor für das bereits erkennbare Abschwächen der Konjunktur, erklärte VBW-Präsident Wolfram Hatz bei einer Online-Pressekonferenz. "Der einzige Weg, dies zu vermeiden, sind mehr Impfungen", betonte Hatz. Er appellierte eindringlich an alle Bürger, die sich impfen lassen könnten, dies auch zu tun. "Jede Erhöhung der Impfquote ist ein Schritt zur schnellen Rückkehr zur Normalität", sagte Hatz.
Gegen Recht auf Homeoffice
Die VBW steht demnach auch hinter den Plänen der designierten neuen Bundesregierung für ein flächendeckendes 3G am Arbeitsplatz. Nötig sei zudem das Fragerecht des Arbeitgebers zum Impfstatus der Beschäftigten, ein entsprechendes Dokumentationsrecht sowie die Testnachweispflicht beim Arbeitnehmer, erklärte Hatz. Ein generelles Recht auf Homeoffice lehnte er allerdings ab, weil dies die Impfbereitschaft eher senke. Impfverweigerer sollten sich nicht durch eine Recht auf Homeoffice aus der Verantwortung stehlen dürfen, ergänzte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Hatz und Brossardt wandten sich aber aus verfassungsrechtlichen Gründen gegen eine allgemeine Impfpflicht, genauso wie gegen mit Steuergeld finanzierten Impfprämien.
Prognose gesenkt
Vor dem Hintergrund der vierten Corona-Welle und den Produktionsausfällen aufgrund von Lieferengpässen korrigierte die VBW ihre Konjunkturprognose für 2021 von 3 auf 2,7 Prozent nach unten. Nach den guten Zahlen des Frühjahrs und des Sommers sei im vierten Quartal kaum noch mit Wachstum zu rechnen, erklärte Hatz. Damit sei erst die Hälfte des Wirtschaftseinbruchs von 2020 wettgemacht. Auch für das erste Halbjahr 2022 sei "keine nennenswerte Dynamik" erkennbar. "Uns steht ein weiteres schwieriges Winterhalbjahr bevor", sagte Hatz. Immerhin sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt stabil. Der coronabedingte Anstieg der Arbeitslosigkeit in Bayern sei fast wieder abgebaut, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liege sogar leicht über Vorkrisenniveau.
Die aktuelle Lage sehen die meisten bayerischen Unternehmen noch positiv. So ist der VBW-Index gegenüber dem Frühjahr von 99 auf 130 Punkte gestiegen. Gedämpfter ist die Stimmung dagegen beim Blick auf die kommenden Monate. Zwar rechnen die meisten Unternehmen mit weiterem Wachstum, allerdings mit deutlich sinkender Dynamik.















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