07.06.2019 - 11:48 Uhr
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Ganz offen und geheimnisvoll: Zu Gast im Freimaurermuseum in Bayreuth

Blaues Licht, leicht gedimmt. Die Atmosphäre in der Ausstellung passt zum Verschwörer-Ruf der Freimaurer. Doch was steckt wirklich hinter dem Geheimbund, der in Bayreuth ein öffentliches Museum über sich betreibt.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Das Deutsche Freimaurermuseum ist schon seiner Lage wegen einen Besuch wert. Im Bayreuther Hofgarten, gleich neben Richard Wagners Haus Wahnfried präsentiert sich die Organisation, die in keiner guten Verschwörungstheorie fehlen darf. Woher dieser Ruf kommt? Thad Peterson zuckt die Schultern. Der Amerikaner leitet das Museum, das erklären soll, was es bedeutet, Freimaurer zu sein. Wirklich geheim sei eh längst nichts mehr. "Es steht doch alles im Internet", sagt Peterson. Andererseits: "Es ist eine Sache, über die Freimaurerei zu lesen. Aber es ist etwas ganz anderes, sie zu erleben."

Tatsächlich lässt sich eine Menge nachlesen über den Bund, der in seiner heutigen Form im London des 18. Jahrhunderts entstanden ist. Die Wurzeln reichen aber bis ins Mittelalter zur Standesinnung der Steinmetze. De hatte damals als eine von wenigen Berufsgruppen den Freibrief zum Reisen. Das weitete den Blick, ließ die Handwerker nachdenken, wie die Welt zu einem besseren Ort werden kann.

Die heutigen Freimaurer glauben, dass dafür jeder bei sich beginnen muss. "Freimaurerei ist eine Lebenseinstellung", sagt Peterson. Es gehe darum, an sich selbst zu arbeiten. Wie das konkret funktionieren soll, ist nur schwer greifbar. Von Humanismus ist die Rede und von Selbsterkenntnis. Auch Thad Perterson fällt es nicht leicht, in Worte zu fassen, was ihn so an der Freimaurerei fasziniert. Auch auf die Frage, wo sie ihn schon besser gemacht hat, überlegt er: "Vielleicht bin ich zu einem geduldigerer Menschen geworden."

Viele Symbole

Was man mit Worten nicht erklären kann, sollen Symbole vermitteln. Der unbehauene Stein steht zum Beispiel für den Menschen, der den Bund als Lehrling beitritt. Wie der Steinmetz mit dem Spitzhammer soll er seine Ecken und Kanten bearbeiten, sich formen und so zum Gesellen, später zum Meister aufsteigen.

Um sich zu entwickeln, sei die Tempel-Arbeit wichtig. Peterson trifft sich dazu regelmäßig mit seinen Logen-Brüdern. Obwohl das Haus der Bayreuther Loge neben dem Museum liegt, fährt Peterson nach der Arbeit zunächst nach Hause. "Das kostet mich eine Stunde", sagt der studierte Germanist. Er nimmt den Aufwand auf sich, weil das Ritual wichtig ist. Zu Hause zieht er sich festlich an, Tempelarbeit ist etwas besonderes. Was dann im "Tempel" passiert, dazu schweigt Peterson, obwohl auch das schon im Internet beschrieben steht. "Zu den Tugenden eines Freimaurers gehört die Verschwiegenheit."

Kränzchen in Neustadt/WN

Die Geheimhaltung hatte einst den Zweck, in der Loge offen sprechen, Kritik an der Obrigkeit formulieren zu können. Sie sorgte aber auch für Skepsis. Bis heute sind Freimaurer in katholischen Regionen selten, weil sie Kirche und Papst nie geheuer waren. In der Oberpfalz gibt es nur in Regensburg zwei Logen. "In Neustadt/WN gab es einmal ein Kränzchen, die Vorstufe einer Loge", sagt Peterson. Zur Gründung kam es nie.

Eine amerikanische Loge hält sich außerdem in Vilseck. In den USA sei der Umgang mit dem Bund unverkrampfter. Der Peterson hat durch seinen Vater Kontakt mit dem Bund aufgenommen. "Als ich 18 wurde, hat er mich gefragt, ob ich mit will oder nicht." Peterson wollte. Als Student musste er dann in Deutschland feststellen, dass die Verschwiegenheit hier noch wichtiger ist. Den Freimaurern hängen hier Gerüchte an: Dass sie die Weltherrschaft anstreben, die Welt im Verborgene längst regieren. Peterson kann darüber lachen - wenn er erzählt, wie er einmal Exponate an ein anderes Museum im Ausland verliehen hatte. Das sei so aufwendig und umständlich gewesen, dass er mit dem anderen Museumsleiter gewitzelt habe: "Wir sollen die Welt beherrschen und schaffen es nicht einmal ein Paket hin- und herzuschicken."

Ebenso wenig wie um die Weltherrschaft gehe es um, berufliche Kontakte. "Das ist verpönt." Jeder Interessent werde vor der Aufnahme darauf hingewiesen. Womit man wieder bei der Frage wäre: Worum geht es dann bei der Freimaurerei? Natürlich spiele der soziale Aspekt eine Rolle, die Loge unternehme auch gemeinsame Ausflüge, es gebe eine Radsportrgruppe, die wöchentlich auf Tour geht. "Aber das hat für sich nichts mit der Freimaurerei zu tun", sagt Peterson. Bei der gehe es um die Arbeit an sich selbst und die lässt sich nicht erklären - nur erleben.

Das Deutsche Freimaurermuseum in Bayreuth:

Was es mit den Freimaurern auf sich hat, soll seit 1902 das Museum im Bayreuther Hofgarten den Besuchern erläutern. Der exklusive Ort in der mondänen Parkanlage verdankt das Haus einer Schenkung des Fürsten Friedrich von Bayreuth, der von seinem Schwager Friedrich von Preußen, dem späten Friedrich dem Großen zur Freimaurerei gebracht wurde. Die Exponate stamme allerdings bis auf eine Ausnahme aus der Zeit nach 1945. Den Nazis waren die Freimaurer wegen ihrer humanistischen Idealen ein Feind. Entsprechend verfuhren sie mit dem Museum. Dort befindet sich heute auch eine Bibliothek für Freimaurer. Geöffnet ist das Museum von Dienstag bis Freitag von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr, am Samstag von 10 bis 12 und am Sonntag von 13 bis 16 Uhr, oder nach Vereinbarung

http://www.freimaurermuseum.de/

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