06.10.2020 - 09:06 Uhr
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Boom der Online-Sprechstunde

Corona verändert unseren Alltag. Das Internet wird wichtiger. Das zeigt sich auch in der medizinischen Versorgung.

Ein Hausarzt sitzt während einer Videosprechstunde in seiner Praxis vor einem Laptop.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Bereits seit April 2017 konnten Ärzte bestimmte Leistungen telemedizinisch erbringen und abrechnen. Seit 1. April 2019 war die sogenannte Videosprechstunde für alle Indikationen geöffnet. Seit 1. Oktober 2019 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen Ärzten und Psychotherapeuten, die Videosprechstunden einsetzen wollen, eine Anschubfinanzierung. Diese kann bis zu 500 Euro pro Praxis und Quartal betragen.

Sprunghafter Anstieg

Die Nachfrage blieb zunächst trotzdem bescheiden: Zum Stichtag 1. Januar 2020 hatten bayernweit gerade einmal 77 Ärzte eine Genehmigung für Videosprechstunden, in der Oberpfalz waren es ganze drei. Die Coronakrise sorgte nun jedoch für einen sprunghaften Anstieg: Mit Stand 29. September zählte die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) bayernweit 8827 Genehmigungen, davon 612 in der Oberpfalz. KVB-Pressesprecher Dr. Axel Heise nennt das eine "rasante Entwicklung".

Trotzdem könne die Videosprechstunde immer nur eine Ergänzung des Leistungsspektrums der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten sein, betont Heise: "Die Onlinekonsultation kann den direkten Arzt-Patientenkontakt nicht ersetzen." Jeder Arzt müsse individuell entscheiden, wofür er die Videosprechstunde einsetze. "Dass damit keine ambulanten Operationen möglich sind, ergibt sich selbstverständlich von alleine."

Online-Krankschreibung nur für bekannte Patienten

Krank schreiben dürfe der Arzt per Online-Konsultation nur solche Patienten, die ihm bereits persönlich bekannt seien. Der Arzt entscheide in jedem Einzelfall, ob er nach einer Video-Visite eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellt. "Generell gilt: Ist keine hinreichend sichere Beurteilung per Videosprechstunde möglich, muss eine persönliche Untersuchung in der Praxis erfolgen", sagt der KVB-Sprecher. Einen Anspruch auf die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit per Videosprechstunde hätten die Versicherten nicht.

Im Zuge der Coronakrise haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen auch die Begrenzungsregelungen für Videosprechstunden von April an bis zum Jahresende ausgesetzt. Denn zuvor galt je Quartal eine 20-Prozent-Obergrenze für die Abrechnung. Die KVB hat zudem das bisherige Genehmigungsverfahren für Videosprechstunden auf ein vereinfachtes Anzeigeverfahren umgestellt.

Um den Schutz der sensiblen Patientendaten sicherzustellen, dürfen die Videodienstanbieter nur Server in der Europäischen Union nutzen. Alle Metadaten müssen nach spätestens drei Monaten gelöscht werden. Die Weitergabe von Daten ist untersagt.

Arzt Tobias Meier über Vor- und Nachteile der Videosprechstunde

Weiden in der Oberpfalz
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