Viel mehr Videosprechstunden in der Oberpfalz

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

In den letzten Monaten hat sich die Zahl der Ärzte, die eine Videosprechstunde anbieten, in der Oberpfalz um das Zweihundertfache gesteigert. Dr. Tobias Müller aus Weiden spricht über Vorteile und erklärt, wann ein Praxisbesuch nötig ist.

Um mit Arzt oder Ärztin über Beschwerden sprechen zu können, ist nicht mehr überall ein Besuch der Praxis notwendig.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Dr. Tobias Müller ist in der Gemeinschaftspraxis Weiden-Ost in der hausärztlichen Versorgung tätig. Die Videosprechstunde bietet er seit Beginn der Corona-Pandemie zweimal wöchentlich an - "oder nach Bedarf". "Es ist jetzt nicht so wie beim Schlussverkauf, dass jeder reinstürmt", sagt Müller, "aber die Videosprechstunde wird schon gut frequentiert." Zwar seien etwa zwei Drittel der Online-Patienten jünger, "aber auch die Älteren kommen immer mehr".

Dies sei wohl auch der Bedienerfreundlichkeit des Systems geschuldet, glaubt der Facharzt für innere Medizin: "Das geht völlig problemlos mit jedem internetfähigen Endgerät, das eine Kamera und ein Mikro hat." Der Patient erhalte per Mail einen Link zugeschickt. "Wenn er den anklickt, öffnet sich das virtuelle Sprechzimmer und man kann gleich loslegen." Wichtig ist dem Arzt, dass auch in der Videosprechstunde alles vertraulich bleibt. "Das Ganze wird verschlüsselt und da hört auch niemand zu, keine Kasse, keine Versicherung und kein Arbeitgeber."

Müller betont, auch online sei "nahezu alles besprechbar". Er vertraut auf seine ärztliche Erfahrung: "Durch eine gute und geschickte Befragung lässt sich alles rauskriegen." Der Arzt müsse dem Patienten auch nicht persönlich gegenüber sitzen, um beispielsweise dessen Emotionen wahrzunehmen. "Ich sehe ja, wenn jemand weint." Viele Befunde seien zudem gut "portierbar". "Wenn sich jemand in den Daumen geschnitten hat, dann hält er den eben in die Kamera. Das Programm hat wirklich eine sehr gute optische Auflösung. Oder wenn ein Kind einen infektiösen Ausschlag hat, dann lässt sich ohne Ansteckungsrisiko abklären, ob das zum Beispiel die Masern sind."

Für den normalen Bedarf sei die Videosprechstunde "ein ganz gutes Tool", glaubt Müller. "Man kann außerdem immer noch sagen, dass der Patient in die Praxis kommen soll." Der Mediziner vergleicht das Prozedere mit einem Anruf beim Anwalt: "Da klärt man auch erst einmal telefonisch ab, ob es rechtliche Schritte braucht, bevor man in die Kanzlei kommt."

Der Praxisbesuch sei etwa notwendig, wenn weiterführende Untersuchungen gemacht werden müssten. "Eine Herzschwäche kann ich online natürlich nicht beurteilen, ich kann auch keinen Abstrich machen und keinen Verband wechseln." Ebenso müsste der Patient sich "richtig" untersuchen lassen, wenn er beispielsweise eine Lebensversicherung abschließen wolle oder ein Attest benötige.

Müller sieht in der Videosprechstunde vor allem eine ressourcenschonende Alternative, auch im Hinblick auf Corona. "Es hat den Vorteil, dass man schneller mehrere Patienten beurteilen und die Entscheidung treffen kann, ob jemand zur Arbeit gehen sollte." Die Patienten könnten zunächst an ihrem Arbeitsplatz bleiben, statt freinehmen und in die Praxis fahren zu müssen. "Mit der Videosprechstunde ist halt erst mal nur eine Viertelstunde weg." Und selbst bei Auslandsaufenthalten müsse man nun nicht mehr auf die Betreuung durch seinen Hausarzt verzichten.

Seit 1. April 2019: Videosprechstunde für alle Indikationen geöffnet

München

Altstadt-Apotheke in Weiden sperrt zu

Weiden in der Oberpfalz

Für Sie empfohlen

 

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.