19.01.2021 - 19:38 Uhr
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"Extrem hinterhältig": Mehrjährige Haftstrafe für Burglengenfelder Bombenbastler

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Der Richter spricht von "extrem hinterhältig" und schreibt dem Täter ins Stammbuch: "Sie wollten Menschen mit Quecksilber verseuchen." Dafür erhält der Bombenbauer von Burglengenfeld knapp sechs Jahre Haft.

Im Prozess um den Bombenbastler von Burglengenfeld (das Bild entstand zum Prozessauftakt vergangene Woche) sind die Urteile gefallen. Der 30-jährige Hauptangeklagte (im Hintergrund) bekam fast sechs Jahre Haft, sein ehemaliger Kumpel (21), der den Sprengsatz vor der Burglengenfelder Polizeiwache ablegen sollte, 15 Monate mit Bewährung.
von Autor HWOProfil

Wie musste man das Verbrechen einordnen? Doch wohl nicht als "minderschweren Fall", wie einer der Verteidiger meinte. Weil er sich über eine Polizeikontrolle in seiner Heimatstadt Burglengenfeld ärgerte, hatte ein 30-Jähriger in fünfwöchiger Arbeit im Keller seines Hauses einen Sprengsatz gebaut und ihn mit Quecksilber angereichert. "Sehr gefährlich für Personen, die nach einer Detonation in die Nähe der Restteile gekommen wären", sagte ein Sachverständiger des Landeskriminalamts (LKA) am dritten Prozesstag in Amberg. Denn in deren Umfeld hätten sich, so der Experte, zwangsläufig geruchlich nicht wahrzunehmende Ausgasungen freigesetzt.

Ein von dem Bombenbastler angeheuerter Bekannter hätte das Metallrohr mit brisantem Inhalt im Februar 2019 vor die Burglengenfelder Polizeiwache tragen und dort explodieren lassen sollen. Doch der 21-Jährige brachte die gefährliche Fracht in ein Neubaugebiet und legte sie dort ab. "Das allerdings konnte der Hauptbeschuldigte nicht wissen", sagte Oberstaatsanwältin Judith Henkel von der für Terrorismus-Delikte zuständigen Generalstaatsanwaltschaft München in ihrem Plädoyer.

"Er wollte Polizisten verletzen"

Nahezu zwei Stunden nahmen die Schlussvorträge in Anspruch. Zunächst beleuchtete Anklägerin Henkel die bundesweit für Schlagzeilen sorgende Bombenbauer-Aktion von Burglengenfeld. Sie tat dies unter Einbeziehung eines Gutachtens des Amberger Landgerichtsarztes Rainer Miedel, der beiden Angeklagten eine Drogenabhängigkeit attestiert und Entzugsmaßnahmen für notwendig gehalten hatte. "Er wollte Polizisten verletzen", schrieb Judith Henkel dem 31-Jährigen zu. Dieser verbrecherische Plan sei mit sechs Jahren und acht Monaten Haft zu ahnden. Für den Transporteur der Bombe verlangte sie zwei Jahre Gefängnis mit Bewährung und fügte hinzu, die Einweisung in die Rauschgifttherapie sei bei beiden Männern anzuordnen.

Den Anwälten Helmut Mörtl, Oliver Schmidl (beide Regensburg) und Gunther Haberl (Schwandorf) schienen die Forderungen "viel zu hoch". Sie hielten weitaus niedrigere Ahndungen für angebracht. Dabei ging Schmidl so weit, dass er den gesamten Vorgang als "minderschweren Fall" einstufte.

Klare Worte vom Richter

Die Große Jugendstrafkammer beriet eine Stunde lang. Dann schickte sie den 30-Jährigen für fünf Jahre und acht Monate ins Gefängnis. In diese Ahndung wurde ein auf 18 Monate Haft lautendes Urteil des Schwandorfer Amtsgerichts einbezogen. Außerdem wurde eine Therapie angeordnet.

Wesentlich milder kam der 21-Jährige davon. Er bekam 15 Monate Haft mit Bewährung und erhielt die Weisung, sich einer längerfristigen Entzugsmaßnahme zu unterziehen. Sie anzutreten hatte der junge Mann vorher von sich aus angekündigt. Als er die Entscheidungen begründete, sagte der Vorsitzende Richter Harald Riedl: "Das war kein minderschwerer Fall. Hier sollten Menschen nach einem gezielt umgesetzten Plan mit Quecksilber verseucht werden". Die Vorgehensweise bezeichnete Riedl als "extrem hinterhältig" und nicht im Mindesten damit begründbar, dass sich der 30-Jährige über eine Polizeikontrolle geärgert habe. Glücklicherweise, so der Richter, sei "das Verbrechen im Versuch stecken geblieben".

Das Urteil für den Haupttäter wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig. Nachdem er die vergangenen 22 Monate bereits hinter Gittern zugebracht hatte, kann er nun kurzfristig in eine zweijährige Therapie. Ob danach Bewährung für die Reststrafe gewährt wird, ist eine weitere Aufgabe für die Justiz.

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