Mitglied der rechtsextremen „Feuerkrieg Division“ bei Cham festgenommen

Die rechtsextreme Terrorgruppe „Feuerkrieg Division“ ist international vernetzt. Ein 22-Jähriger steht unter Verdacht, eine führende Rolle in der Gruppierung übernommen zu haben.

Mit diesen Propagandafoto präsentiert sich nach Angaben des Nachrichtenmagazins Der Spiegel ein Mann aus dem Landkreis Cham im Internet unter dem Decknamen Heydrich.
von Redaktion ONETZProfil

Von Matthias Lommer

Sie sehnen sich nach einem „Rassenkrieg“, bezeichnen rechte Amokläufer und Terroristen als „Heilige“ und planen weltweit Anschläge, unter anderem in Litauen und den USA: die Mitglieder der Neonazi-Gruppierung „Feuerkrieg Division“ (FKD). Der Anführer der deutschen Zelle nennt sich selbst in einem Chatforum „Heydrich“ – und soll Anfang Februar in einem Dorf im Landkreis Cham festgenommen worden sein. All das geht aus einem Bericht hervor, den das Magazin „Der Spiegel“ am Mittwoch online veröffentlicht hat.

Wie die Generalstaatsanwaltschaft München am Mittwoch auf Anfrage der Mediengruppe „Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung“ bestätigte, ist ein 22-jähriger Mann am 5. Februar im Landkreis Cham festgenommen worden. Es bestehe der dringende Tatverdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Der Mann befinde sich derzeit in Untersuchungshaft. Weitere Auskünfte zur Person erteilt die Generalstaatsanwaltschaft unter Verweis auf ermittlungstaktische Gründe nicht.

Waffenwerkstatt im Keller des Elternhauses

Die Reporter des „Spiegel“ sehen in dem jungen Mann aus dem Landkreis Cham den Anführer einer sechsköpfigen Zelle aus Deutschland. Er soll zudem zur globalen Führungsriege der FKD gehören. Das gehe aus Chatprotokollen hervor, die dem Spiegel vorliegen. Darin heiße es weiter, der Mann habe eine militärische Ausbildung bei der Bundeswehr absolviert und selbst eine scharfe Waffe im Keller des Hauses seiner Eltern gebaut.

Noch im Januar soll er unter seinem Decknamen „Heydrich“ im Chat geschrieben haben, er wolle zum Heiligen werden – verbunden mit der Frage nach einem geeigneten Ort dafür. Sein eigener Vorschlag: „Ein Haus des Glaubens schlechter Menschen.“ Im weiteren Verlauf des Chatprotokolls diskutieren die Mitglieder, mit welchen Mitteln ein Anschlag durchzuführen sei. „Heydrich“ habe sich dabei gegen den Einsatz von Giftgas ausgesprochen. Seine Worte lauteten: „Ich würde lieber Werkzeuge benutzen, um es nah und persönlich zu machen.“ Nach diesem Chat-Gespräch sei „Heydrich“ verstummt. Es folgte offenbar die Festnahme des Terrorverdächtigen.

Die Herkunft des Mannes aus dem Landkreis Cham lässt sich aus den Gesprächsprotokollen und Chatbeiträgen ableiten, die der Spiegel ausgewertet hat. So zeigen diese beispielsweise ein Foto, aufgenommen in der Chamer Ludwigstraße. Weiter sei immer wieder die Nähe des Wohnortes zur tschechischen Grenzen thematisiert worden. Dabei ging es zum einen um die Frage, wo sich die Gruppe mit Waffen versorgen könnten. Zum anderen sollen Schießtrainings in Tschechien geplant gewesen sein.

Als Heydrich postete der mutmaßliche Rechtsterrorist in einem einschlägigen Chat auch ein Foto, aufgenommen in der Ludwigstraße in Cham. Sein Kommentar: „Hm, to kill or not to kill is the question“.

Eine weitere Neonazi-Gruppe im Kreis Cham

Cham in der Oberpfalz

Gescheiterter Anschlag Vilnius

Während „Heydrich“ und seine Kameraden offenbar noch in der Planungsphase konkreter Taten steckten, waren die Mitglieder der „Feuerkrieg Division“ in anderen Ländern schon einen Schritt weiter. So soll ein Terrorist mit dem Chat-Decknamen „EksD“ für einen gescheiterten Bombenanschlag in der litauischen Hauptstadt Vilnius verantwortlich gewesen sein.

Als Vorbild dient der „Feuerkrieg Division“ die „Atomwaffen Division“, die in den Vereinigten Staaten für mehrere Morde verantwortlich gemacht wird. Deren deutscher Ableger bedrohte im Herbst vergangenen Jahres die Grünen-Politiker Claudia Roth und Cem Özdemir mit dem Tode.

Mit diesem Propagandafoto präsentiert sich nach Angaben des Nachrichtenmagazins Der Spiegel ein Mann aus dem Landkreis Cham im Internet unter dem Decknamen Heydrich.
Reaktionen aus der Oberpfalz:

Grötsch: „Das sollte niemanden mehr überraschen“

Der führende Kopf einer rechten Terrorzelle hat sein Zuhause in Ostbayern: Schlagzeilen wie diese bringen SPD-Generalsekretär Uli Grötsch nicht mehr aus der Fassung. Als Mitglied im Parlamentarischen Kontrollgremium hat der Bundestagsabgeordnete aus Weiden immer wieder mit dem Thema zu tun. Er sagt: „Eigentlich sollte das niemanden mehr überraschen. Diese Typen sitzen überall.“

Grötsch fordert die Bevölkerung zur Wachsamkeit auf. Die Verbreitung rechten Gedankenguts über das Internet sei nur schwer einzudämmen. Um so wichtiger sei es, vor Ort die Augen offen zu halten. Besonders wichtig ist ihm dabei die Frage: Welche Überschneidungen gibt es zwischen der gewaltbereiten Szene und der AfD? „Die gibt es fast immer“, betont Grötsch – und schließt dabei insbesondere AfD-Politiker aus Niederbayern in den Vorwurf mit ein. „Total erschreckend“ nennt Marius Brey (Linke), Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Menschenrechte im Landkreis Cham, die neuesten Erkenntnisse. Auch er verweist aber auf eine lange Historie rechter Gewalttaten und Aktionen in Ostbayern – angefangen bei einem tödlichen Brandanschlag in Schwandorf vor mehr als 30 Jahren bis hin zu den öffentlichkeitswirksamen Auftritten der Neonazi-Partei Der III. Weg vor den vergangenen Europa-Wahlen. Er betont: „Das Problem ist nicht vom Himmel gefallen, sondern man hat weggeschaut.“ Es habe Gründe, dass sich verurteilte Neonazis auch im Landkreis Cham niedergelassen hätten.

Ein Vorwurf, den der Chamer Landrat Franz Löffler (CSU) so nicht stehenlassen will. Er betont: „Wo etwas bekannt wird, wird dem auch nachgegangen.“ So sei das Landratsamt im Rahmen seiner Zuständigkeit – zum Beispiel im Waffenrecht – schon des Öfteren gegen Reichsbürger vorgegangen. Der Rechtsstaat müsse dafür sorgen, dass Angriffe von ganz rechts und ganz links abgewehrt werden. Den Aufgriff des terrorverdächtigen Landkreisbürgers wertete Löffler als Zeichen dafür, dass dieser Schutzmechanismus funktioniert. Löffler forderte aber auch: „Wir müssen in dieser Hinsicht noch sensibler werden“ (Matthias Lommer)

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