Mutmaßlicher "Feuerkrieger" aus Cham vor Gericht

Er soll einen Anschlag auf eine Synagoge oder Moschee geplant haben und wollte nach Überzeugung der Ermittler viele Menschen töten. Ein 23-jähriger Elektriker aus einem Örtchen bei Cham steht nun in Nürnberg vor Gericht.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: Copyright: pixabay.com/Decker & Böse Rechtsanwaltsgesel/obs/Symbolbild
von Agentur DPAProfil

Nürnberg. Ein 23 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Cham muss sich von heute an am Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten, weil er einen rechtsgerichteten Terrorakt geplant haben soll. Die Generalstaatsanwaltschaft München, wo in Bayern die Zentralstelle zur Bekämpfung von Terrorismus angesiedelt ist, wirft dem jungen Mann aus dem Dunstkreis des Terrornetzwerks „Feuerkrieg Division“ die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor. Der Prozess wird vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts verhandelt.

In Chatforen soll der Elektriker nach einem geeigneten Ort für einen Anschlag an einem „Ort der Andacht“ gesucht und sich über Pläne dafür ausgetauscht haben. Über das Internet habe er sich außerdem Waffenteile besorgt, unter anderem von einem Kalaschnikow-Sturmgewehr AK-47. Er habe die Teile so zusammenbauen wollen, dass er damit einen Anschlag begehen konnte.

Schießübungen im Garten der Großeltern

Im Garten der Großeltern, in der von ihm selbst bewohnten Einliegerwohnung und auf einem Schießstand in Tschechien soll der Mann laut Anklage Schießübungen gemacht haben. In Tschechien habe er sich auf den Umgang mit einer AK-47 trainieren lassen.

Zudem habe sich der inzwischen 23-Jährige Zugang zum Archiv der Chatgruppe der „Feuerkrieg Division“ verschafft und Anleitungen zum Sprengstoff- und Bombenbau sowie Anschlagvideos und rechtsextremes Gedankengut heruntergeladen. Darunter seien die Manifeste der Attentäter George Sodini (Bridgeville), Brenton Tarrant (Christchurch) und Stephan Balliet (Halle) gewesen. Mit Letzterem habe er sich besonders intensiv beschäftigt.

"Hautnah und persönlich"

Der Plan für einen Anschlag habe sich zunehmend konkretisiert. Im Januar 2020 habe der Mann den Entschluss gefasst, ein „Heiliger“ werden zu wollen - so werden in der Szene diejenigen Mitglieder genannt, die einen Anschlag begehen. Im Austausch mit der Chatgruppe habe er erwähnt, er wolle nicht mit Gas arbeiten, sondern lieber „Werkzeuge“ benutzen, die „hautnah und persönlich“ seien.

Es ist das erste Mal, dass ein mutmaßliches Mitglied der international vernetzten Gruppe „Feuerkrieg Division“ in Deutschland vor Gericht steht. Diese hat sich nach Angaben des Landgerichts unter anderem Anschläge gegen Juden und Muslime zum Ziel gesetzt.

Im Frühjahr kam es zur Festnahme des "Feuerkriegers"

Cham in der Oberpfalz
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