Vernarrt ins Optische: Die Unendlichkeit im Großformat

Der Regensburger Fotokünstler Raoul Kaufer zeigt im Chamer Cordonhaus seine Arbeiten - noch bis 2. August. Das Motto der Ausstellung: Motto "Die Unendlichkeit hat immer und überall Appetit auf mehr".

Der Künstler Raoul Kaufer freut sich, seine Arbeiten noch bis 2. August in Cham und anschließend in Salzburg zeigen zu dürfen.
von Peter GeigerProfil

Der in Regensburg ansässige Fotokünstler Raoul Kaufer ist völlig vernarrt in alles Optische: Deshalb hat er den Katalog für seine aktuelle Ausstellung, die bis 2. August noch im Chamer Cordonhaus zu sehen ist und anschließend ins Traklhaus nach Salzburg überführt wird, mit dem Motto "Die Unendlichkeit hat immer und überall Appetit auf mehr" überschrieben.

Dieses "Mehr", dieser überschießende Überfluss also, der die Differenz beschreibt zum üblichen Maß eines realistischen "Genug", ihm verleiht Raoul Kaufer einen ebenso künstlerischen wie artifiziellen Ausdruck mit seinen großformatigen Fotoarbeiten.

Er selbst bezeichnet sich dabei als "Serealist", als einer also, der sich dem Prinzip der Wiederholung verschrieben hat. Und weil der studierte Psychologe auch ein Mann des Wortes ist, ist der Anklang an die Bewegung der "Surrealisten" intendiert. Bei der Erstbegegnung mit seinen am Computer entstandenen Bildern stellt sich beim Betrachter freilich ein beabsichtigtes Moment der Irritation ein: Denn die unter der Serienbezeichnung "Cortex" daherkommenden Architekturaufnahmen, die am Rechner x-fach multipliziert werden, wachsen sich zu ornamenthaften Gebilden aus. So gesehen ist jedes einzelne Stück dieser Reihe bereits eine Serie für sich - die aus einem vervielfältigten Einzelmotiv entsteht. Und hinter der Wortschöpfung "Frax", dem Titel seiner Bildserie - verbergen sich Begriffe wie Fragment, Fraktur und Fraktal.

Auch hier dienen Fassaden, Gebäude, Straßenabschnitte oder Plätze Raoul Kaufer als Ausgangspunkte. Im Vergleich zu den Bildschöpfungen seiner Cortex-Serie aber orientieren sich diese Arbeiten näher an Originalsituationen.

Gleichwohl wird auch hier Architektur aus städtischen Umgebungen und Milieus umkonstruiert und optisch neu kodiert. Und finden sich plötzlich ganz in der Nähe der schräg wirkenden Bauten zeitgenössischer Architekten von Coop Himmelbau, Frank Gehry oder Zaha Hadid.

Neben diesen Bildwerken hat Raoul Kaufer noch eine dritte Gruppe von Arbeiten geschaffen. Die hat er in seiner Pfiffigkeit "Rekursive Intimität" getauft und bezieht sich damit auf einen Regelkanon, der aus der Mathematik und der Informatik bekannt ist: Werden Regeln nämlich auf ein Produkt, das von diesen selbst erzeugt wurde, neuerlich angewandt, so spricht man von "Rekursivität".

Raoul Kaufer überträgt diese abstrakten Prinzipien auf Sperrholzkonstruktionen und lässt so Formen und Muster entstehen, die sich immer wieder neu generieren und in verschachtelter Weise wiederholen, so dass komplex strukturierte Gesamtinstallationen von Raumkörpern und Materialien entstehen. Wie der Blick in eine Spiegelwelt verschaffen diese fragilen Objekte dem Betrachter nicht nur einen Heidenspaß - nein, sie bieten auch ein schier endloses Vergnügen! Das kann nur gesteigert werden von den drei barocken Prunkschlitten des ebenfalls im Cordonhaus ausstellenden Wiener Künstlerpaars Markus Hanakam und Roswitha Schuller, die skulpturale Allegorien auf LCD-Bildschirmen zeigen.

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