16.04.2021 - 13:53 Uhr
Deutschland & Welt

Meinung: Corona: Es braucht Taten in der Krise

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Was gilt wann, wo und für wen? Dass das in der Pandemie selten klar ist, ist vor allem ein Kommunikationsversagen, meint Redakteur Julian Seiferth

US-Präsident Joe Biden, hier bei einem Besuch im Jahr 2013, zeigt, wie Krisenkommunikation geht. Die lässt bei der Bundesregierung zu wünschen übrig.
von Julian Seiferth Kontakt Profil
Kommentar

Simone Fleischmann weiß selbst nicht mehr, was der richtige Weg ist. Wenn eine Frau wie die Vorsitzende des Bayerischen Lehrerverbands, die sonst wahrlich um keinen Kommentar verlegen ist, etwas nicht einschätzen will, dann muss die Informationslage dürftig sein. Auch die beiden Mediziner im Oberpfalz-Medien Gespräch scheinen eher zu glauben, zu vermuten, teils einfach zu hoffen, dass ihre Ideen die richtigen sind. Warum ist das so?

Wenn der Fisch vom Kopf her stinkt, dann führt der instinktive Weg ganz nach oben, in dem Fall also Berlin. Womit beschäftigt man sich dort? Die letzten Eilmeldungen aus dem Regierungsviertel drehten sich fast nur um die Kür des Unions-Kanzlerkandidaten. Selbst die Bundeskanzlerin, die sich zum Glück aus diesem Sandkastenkampf heraushält, wird bei der Pressekonferenz zur Bundesnotbremse dazu gefragt. Wenn jemand Maßnahmen erklärt, dann sind das Talkshow-Dauergast Karl Lauterbach oder Christian Drosten in seinem Podcast. Dass sich Merkel mal einen der beiden schnappt, drei Minuten vor eine Kamera stellt und Situationen wie die um Astrazeneca erklären lässt, passiert nicht.

Wer glaubt, es ginge nicht besser, dem sei ein Blick in die USA empfohlen. Nachdem die Regierung dort den Impfstoff von Johnson & Johnson für vorerst aus dem Verkehr gezogen hatte, dauerte es wenige Stunden, bis auf Joe Bidens Twitter-Account Chef-Virologe Anthony Fauci auftauchte und in einem kurzen Video die wichtigsten Fragen beantwortete. Der 80-Jährige steht regelmäßig dem Kongress Rede und Antwort. Fauci hatte bereits unter anderen Präsidenten gewirkt. Hat Deutschland noch eine Figur wie ihn, auf dessen Wort sich fast alle bis auf ein paar Verstrahlte einigen können? Diese Position könnte seit einem Jahr ein Lauterbach bekleiden. Dazu bräuchte es eine Vorwärts-Kommunikation der Bundesregierung, es bräuchte Mut sowie einen sichtbaren Plan von höchster Stelle. In einem seltenen Moment kommunikativer Klarheit sagte Angela Merkel am Freitag im Bundestag: "Wir machen es den Bürgern im Moment nicht leicht." Die Feststellung allein reicht nicht. Ein nervöses Land muss Taten sehen.

Zum Streitgespräch zwischen Simone Fleischmann und der Initiative Lobby für Kinder

Oberviechtach
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