02.07.2018 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Drama um Horst Seehofer

Der Unionsstreit eskaliert. Horst Seehofer bietet seinen Rücktritt an. Die Union blickt in den Abgrund. Ein Kommentar von Frank Werner

Horst Seehofer am Scheideweg.
Kommentar

Die Briten entscheiden sich für den Brexit, die US-Bürger wählen Donald Trump zum Präsidenten, Deutschland scheidet bei der WM 2018 schon in der Vorrunde aus: Immer wieder geschehen Dinge, mit denen niemand gerechnet hat. Auch mit einem Ende des Bündnisses von CDU und CSU nach 70 Jahren war nicht ernsthaft zu rechnen. War. Denn Horst Seehofer geht tatsächlich aufs Ganze. Der Noch-Bundesinnenminister riskiert das Aus für die Union.

So richtig nachvollziehbar sind seine Gründe gegen den Asyl-Kompromiss der EU nicht. Dafür hat sich Angela Merkel viel zu sehr in Richtung CSU bewegt. Es geht Seehofer um mehr. Es geht um den Sturz der Kanzlerin.

Das ewige Duell mit der CDU-Chefin nähert sich also dem Showdown. Das Problem: Bei einem Bruch der Union reißt Seehofer vermutlich Markus Söder gleich mit in den Abgrund. Gut möglich, dass das mit einkalkuliert ist. Seehofer hat aus seiner Abneigung für seinen Nachfolger als Ministerpräsident nie einen Hehl gemacht.

Fraglich, wie lange die CSU selbst diesem Tanz auf der Rasierklinge noch zuschaut. Bei der Landtagswahl im Oktober scheint ein böses Erwachen vorprogrammiert. Die AfD dürfte bei diesem zermürbenden Streit der Union der große Gewinner sein. Völlig offen ist dabei, ob Seehofers Rücktritt die Wogen glätten kann.


Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.