24.07.2019 - 19:20 Uhr
Deutschland & Welt

Duogynon-Opfer von Merkel enttäuscht

38 Bundestagsabgeordnete haben Kanzlerin Angela Merkel in einem Brief darum gebeten, den Arzneimittelskandal um Duogynon aufzuklären. Nun haben die Politiker eine Antwort erhalten, die dem Weidener Abgeordneten Uli Grötsch nicht gefällt.

Margret-Rose Pyka und Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch besprechen ihr weiteres Vorgehen. Sie kämpfen darum, den Arzneimittelskandal um Duogynon aufzuklären.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

38 Bundestagsabgeordnete haben im Mai Kanzlerin Angela Merkel in einem Brief darum gebeten, den Arzneimittelskandal um Duogynon aufzuklären. Nun haben die Politiker eine Antwort erhalten, die dem Weidener SPD-Abgeordneten Uli Grötsch nicht gefällt.

Seit mehreren Jahren kämpft er mit Margret-Rose Pyka, Vorsitzende des Bund der Duogynongeschädigten aus Letzau bei Weiden, für eine umfassende Aufklärung im Duogynon-Skandal. Nun trafen sie sich zu einem Austausch über die aktuellen Entwicklungen, wie Grötsch in einer Pressemitteilung schreibt. Das Medikament Duogynon, das von 1950 bis 1981 unter anderem als hormoneller Schwangerschaftstest eingesetzt wurde, stand schon zu Beginn der 1960er Jahre im Verdacht, schwere Missbildungen an Föten auszulösen. Dennoch blieb die Arznei in Deutschland bis 1981 auf dem Markt.

Da die Fälle aus juristischer Sicht verjährt seien, ist nach Meinung von Pyka und Grötsch die Bundesregierung gefordert, endlich für Gerechtigkeit zu sorgen. Daher hatte der Politiker mit Kollegen Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu aufgefordert, für eine umfassende Aufklärung des Medikamentenskandals eintreten. Die nun vorliegende Rückmeldung bewertet Grötsch als "enttäuschend". Das Bundeskanzleramt hat demnach lediglich geantwortet, die Kanzlerin habe den Gesundheitsminister gebeten, "mögliche neue Erkenntnisse ... aufmerksam zu verfolgen und ihr und dem Parlament über Ergebnisse zu berichten".

"Die Antwort des Bundeskanzleramts ist natürlich völlig ungenügend und geht völlig an den Notwendigkeiten vorbei. Wir werden uns als Abgeordnete damit nicht abspeisen lassen", sagt Grötsch. Zwischenzeitlich engagiere sich auch der Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD). "Es gibt eine breite, überparteiliche Gruppe von Abgeordneten, die gemeinsam für die Anerkennung des erlittenen Unrechts kämpfen."

Auch Margret-Rose Pyka ist empört darüber, dass die Aufklärung immer wieder verschleppt werde. Sie hatte Duogynon 1975 auf Anraten ihres damaligen Frauenarztes genommen, um herauszufinden, ob sie schwanger ist. Monate später brachte Pyka eine Tochter mit Herzschwäche und Klumpfuß zur Welt. "Unsere Beweise, die den Zusammenhang zwischen Duogynon und den tausendfachen Missbildungen belegen, sind eindeutig und dem federführenden Bundesinstitut für Arzneimittel und Risikobewertung (BfArM) übermittelt worden, das die Bundesregierung offensichtlich bisher falsch informiert. Die Betroffenen erleben jeden Tag neue Qualen. Das erlittene Unrecht muss jetzt endlich gesühnt werden."

Pyka prüft gerade das weitere Vorgehen in alle Richtungen, sie denke auch darüber nach, noch einmal einen Juristen mit der Sache zu betrauen. "Ich bin froh, dass Herr Grötsch mit am Ball bleibt." Die Letzauerin und der Politiker wollen noch mehr Abgeordnete für das Thema gewinnen und so den Druck für eine Aufklärung erhöhen. Pyka: "Wo bleibt der Aufschrei?"

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