28.06.2021 - 09:41 Uhr
Deutschland & Welt

Eintauchen in die Faszination Fluss

So verschiedenartig das Wesen der Flüsse sein kann, so unterschiedlich ist auch der Bezug der Menschen zum bewegten Gewässer. Der Viechtacher lichtung Verlag hat der Vielfalt nun eine neue, prämierte Ausgabe seiner Lesebuch-Reihe gewidmet.

Buchcover
von Anke SchäferProfil

Im dritten Lesebuch des Lichtung Verlags, liebevoll gestaltet von Jennifer Rebkowitz, versammeln die Herausgeberinnen Kristina Pöschl und Eva Bauernfeind 28 Autorinnen und Autoren aus Niederbayern, Oberbayern und der Oberpfalz und deren ganz individuelle Erlebnisse, Gedanken und Assoziationen mit und zu den Flüssen ihrer Heimat.

Nicht alle sind Schriftsteller wie Eckhard Henscheid, Hans Göttler, Barbara Krohn oder die 2012 verstorbene Marianne Hofmann. Auch Kabarettistinnen, Malerinnen, Lehrer oder Augenoptiker haben Spannendes zu erzählen von den Wasserwegen Ostbayerns.

Mal breit, mal schmal

So wie Naab, Vils, Donau, Isar, Regen, Ilz, Inn und Co. sich mal breit, mal schmal durch die Landschaft schlängeln, mal geschätzt als Freizeitoase, mal gefürchtet als urgewaltiger Zerstörer, so vielgesichtig präsentiert sich auch der literarische Fluss aus Erzählungen, Anekdoten, Erinnerungen oder Gedichten.

"Von der Quelle bis zur Mündung": Damit beginnen die Herausgeberinnen ihr Vorwort zur Anthologie, das selbst gut als literarische Essenz der vielen Bedeutungen und Funktionen eines Flusses durch geht. Und sie bringen eine wesentliche Erkenntnis präzise auf den Punkt: "Wasser ist Leben und Leben ist immer in Entwicklung".

Wer sich auf die abwechslungsreiche Flüsse-Expedition einlässt, treibt mit Schriftsteller und Lyriker Friedrich Brandl "Flussabwärts", hinterfragt mit Günter Bauernfeind unter anderem, warum der Schwarze Regen schwarz und nicht lila ist oder stimmt Alfred Wolfsteiners stringenter Beweisführung zu, dass "die Oberpfälzer mitten im Paradies leben". Bei Barbara Dorschs "d Äiz" oder Stefan Schobers "allas fleyßt" sind Mundart-Kenntnisse von Vorteil, laut lesen hilft den weniger Kundigen und bringt die Gedichte ohnehin erst so richtig in rhythmischen Fluss.

Verblüffendes aus der Kunst

Kunsthistorikerin Anke Humpeneder-Graf wiederum steuert Verblüffendes aus der Kunstwelt bei und erzählt, warum das 1940 als zufällige Ko-Produktion entstandene Aquarell des später berühmt gewordenen Bildhauers Fritz Koenig und des Kunstmalers Franz Högner von ganz besonderem Wert ist.

Verlagsprämie 2020

Nicht nur, aber auch weil sich manches Autobiografische zwischen den Buchdeckeln findet, erweist sich der Anhang mit Stichworten zu Autorinnen und Autoren und den jeweiligen Quellen als aufschlussreich. Eine erste Anerkennung hat das Lesebuch auch bereits erfahren: Das Publikationsvorhaben wurde mit der Verlagsprämie des Freistaates Bayern 2020 ausgezeichnet.

Absurde Monumente in Bildern: Hoch auf dem Pferd, dicht an dicht

Etsdorf bei Freudenberg
"Bis zu de Knia im Wossa": Sängerin und Schauspielerin Barbara Dorsch in der Ilz, der sie ein Gedicht gewidmet hat.
Schriftsteller und Lyriker Friedrich Brandl eröffnet den Lesebuch-Reigen mit dem Gedicht "Flussabwärts bei den Steinen".
Der Donaustrand in Regensburg dient Sabine Rädisch als sommerabendliche Kulisse der Erzählung "Die dritte Bucht".
Hintergrund:

Zu Buch und Verlag

  • "Flüsse. Ein lichtung-Lesebuch", Hrsg. von Kristina Pöschl und Eva Bauernfeind, 192 Seiten, Hardcover, edition lichtung, 20 Euro
  • Der lichtung verlag erhielt für dieses Publikationsvorhaben eine Verlagsprämie des Freistaats Bayern 2020.
  • In der Lesebuch-Reihe bereits erschienen sind die Bände "Heimat" und "Berge"
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