17.08.2018 - 17:44 Uhr
ErbendorfDeutschland & Welt

"Die Grünen neigen zum Verbot"

In den Landtagswahlkampf möchte sich der VLAB nicht ziehen lassen. Das bedeutet aber nicht, dass der einzige anerkannte Naturschutzverein der Oberpfalz keine Erwartungen an die Wahl hat. Im Gegenteil: Am 14. Oktober geht es um viel.

Johannes Bradtka und VLAB-Mitarbeiterin Michaela Domeyer in einer Voliere des Habichtskauzprojekts. Das Tier bei Domeyer ist kein echter Kauz.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Im Interview spricht der Vorsitzende des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB), Johannes Bradtka, über Themen, die dem Verein mit Sitz in Erbendorf zur Landtagswahl wichtig sind und weshalb er es nicht richtig findet, wie sich der Bund Naturschutz derzeit in den Wahlkampf einmischt. Außerdem erzählt Bradtka, wie schwer der Tod Enoch zu Guttenbergs wiegt.

ONETZ: Herr Bradtka, gut zwei Monate vor der Landtagswahl: Wir beurteilen Sie den bisherigen Wahlkampf?

Johannes Bradtka: Dazu möchte ich mich nicht äußern, wir sind kein politischer Verein. Was der VLAB aber machen wird, ist die Wahlprogramme der Parteien auf ihre Positionen zu Umwelt- und Landschaftsschutz zu überprüfen. Allerdings gibt es von der CSU noch keine Programm.

ONETZ: Wo setzen Sie bei diesem Check Schwerpunkte?

Johannes Bradtka: Es geht zum Beispiel um die Frage, ob es Landschaftsschutz in der Fläche oder nur mehr in besonders geschützten Gebieten gibt. Soll es Natur- und Landschaftsschutz auf 5 oder auf 95 Prozent der Fläche Bayerns geben? Dahinter steht unter anderem die Frage nach einem möglichen dritten Nationalpark. Und natürlich ist das Thema Windenergie und 10-H-Regelung bedeutend.

ONETZ: Umweltschutz ist im Wahlkampf bisher kaum ein Thema. Das war nur kurz anders, als der Verwaltungsgerichtshof ein Volksbegehren der Grünen zur Eindämmung des Flächenverbrauchs ablehnte. Wie steht der VLAB dazu?

Johannes Bradtka: In Bayern werden täglich 12 bis 13 Hektar versiegelt. Dagegen muss etwas getan werden. Allerdings halten wir nichts von einer starren Festschreibung eines Flächenwerts. Es ist ein Problem der Grünen, alles mit strengen Vorschriften und Zwang erreichen zu wollen. Es gibt bessere Möglichkeiten.

ONETZ: Wie sehen diese aus?

Johannes Bradtka: Zum Beispiel sollten interkommunale Gewerbegebiete gefördert werden. Das würde den Flächenverbrauch reduzieren, weil nicht mehr alle paar Kilometer ein neues Gewerbegebiet erschlossen werden muss, das dann zu zwei Dritteln leer bleibt.

ONETZ: Es sieht nach einem Ende der absoluten CSU-Mehrheit aus. Was würde dies für die 10-H-Regelung für Windkraftanlagen bedeuten?

Johannes Bradtka: Freie Wähler, SPD und Grüne sprechen sich ausdrücklich gegen 10-H aus. Von der Staatsregierung gibt es kein klares Bekenntnis. Der VLAB bemüht sich seit Monaten um eine Aussage von Ministerpräsident Markus Söder. Das Aus für 10-H hätte schlimme Folgen für unsere Landschaft, aber auch für Anwohner. Windparks würden viel näher an Wohngebiete heranwachsen.

ONETZ: Sie haben den Bund Naturschutz kritisiert, weil er sich in die Debatte um Polizeiaufgabengesetz und Migration einschaltet. Wieso?

Johannes Bradtka: Weil das nicht dem satzungsgemäßen Auftrag eines Naturschutzvereins entspricht. Natürlich können sich die Mitglieder an Demonstrationen beteiligen, sich aber als Verein und Verband zu engagieren, ist nicht in Ordnung, wenn davon nichts in der Satzung steht. Ganz abgesehen davon ist es beleidigend und ehrenrührig, wenn man Schulter an Schulter mit Gruppen demonstriert, die Flüchtlingseinrichtungen mit Konzentrationslagern gleichsetzen.

ONETZ: Vor einigen Wochen ist Enoch zu Guttenberg überraschend verstorben. Wie groß ist die Lücke, die der VLAB-Ehrenpräsident hinterlässt?

Johannes Bradtka: Mich hat in den vergangenen Jahren eine enge Freundschaft mit Enoch zu Guttenberg verbunden. Deshalb hat mich die Nachricht sehr getroffen. Ich bin immer noch schockiert. Aber auch für den Verein ist sein Tod ein großer Verlust. Enoch zu Guttenberg war unser Spiritus Rector, er war Ideen- und Impulsgeber. Mit seinem Charisma konnte er bei Meinungsverschiedenheiten vermitteln. Er hat unseren Positionen Gehör verschafft und uns Türen geöffnet. Wir sind uns im Vereinsvorstand jedoch einig: Sein Tod wird uns nicht bremsen. Wir sind noch mehr motiviert, unsere Ziele in seinem Sinne zu verfolgen.

Habichtskäuze wohlgenährt und guter Dinge:

VLAB-Vorzeigeprojekt auf einem guten Weg

So vielschichtig das Engagement des VLAB ist, in der Öffentlichkeit ist der Verein vor allem mit der Wiederansiedlung des Habichtskauz präsent. Zum zweiten Mal hat der VLAB in diesem Sommer Käuze in der Steinwaldregion freigelassen, nachdem die Jungtiere zuvor über einige Wochen in einer großen Voliere auf ihr Leben in den Wäldern Nordbayerns vorbereitet worden waren. Johannes Bradtka ist mit der zweiten Saison bislang sehr zufrieden. Positiv ist, dass der Verein nicht nur drei, sondern fünf Tiere auswildern konnte. „Wir haben kurzfristig zwei Tiere bekommen, die ursprünglich für einen Zoo vorgesehen waren.“

Den fünf Tieren gehe es sehr gut. „Sie sind gut gewachsen und wohlgenährt.“ Obwohl sie seit einigen Tagen in Freiheit leben, kehren sie regelmäßig an den Platz ihrer Voliere zurück. Kameras zeigen, dass sie bis zur dreimal pro Nacht dort vom Futter fressen, mit dem ihnen der VLAB den Start in die Freiheit erleichtert.

Habichtskäuze sind das Aushängeschild des VLAB

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A. Schmigoner

Ist es tatsächlich "beleidigend und ehrenrührig" auf einer Demo zu sein, die von den Kirchen und vielen gesellschaftlichen Verbänden mitorganisert wurde? Der VLAB neigt zum anbiedern an die Staatspartei. Mit Freiwilligkeit kommt man nur bis zu einem bestimmten Punkt. Ab dann zählen die harten Geschäftsinteressen. Der VLAB handelt nach dem Motto "wasch mich, aber mach mich nicht naß".

17.08.2018

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