29.07.2021 - 18:04 Uhr
ErlangenDeutschland & Welt

Bayreuther Festspielhaus als Kulisse für Franken-Krimi

Kommissar Mütze und Bühnenbildner Karl-Dieter sind wieder auf der Spur des Verbrechens. Aber nicht nur der berühmte Grüne Hügel in Bayreuth spielt eine Rolle in seinem neuen Franken-Krimi "Der Fall Wagner", verrät Autor Johannes Wilkes.

Autor Johannes Wilkes
von Anke SchäferProfil

ONETZ: Herr Wilkes, Ihr neuer Krimi „Der Fall Wagner“ weist Sie als Kenner des polarisierenden Komponisten aus. Zählen Sie zu den Fans, die gerade wieder nach Bayreuth auf den Grünen Hügel pilgern?

Johannes Wilkes: Leider sind meine Beine zu lang für die engen Sitzreihen im Festspielhaus, auch ist es ja so schwierig an Karten zu kommen. Gerne aber spaziere ich durch den hübschen Park auf dem Grünen Hügel und höre mir das Konzert der Vögel an.

ONETZ: Sie lassen gerne unter großen Namen morden. Von den Dichtern Friedrich Rückert und Theodor Fontane über den Jahrhundert-Tenor Enrico Caruso bis eben jetzt zu Richard Wagner – was steht da zuerst fest, der prominente Bezug, die Örtlichkeit oder doch der Fall?

Johannes Wilkes: Das ist sehr unterschiedlich. Zu Friedrich Rückert habe ich als Erlanger einen besonders innigen Bezug, den Dichter und Sprachgelehrten einem weiteren Leserkreis bekanntzumachen, ist die Absicht des „Falls Rückert“ gewesen. Auch Theodor Fontane zählt zu meinen Lieblingsschriftstellern. Als ich bei einer Radwandern für das „Kleine Havelbuch“ recherchiert habe, kam ich auch zum Birnbaum von Ribbeck und sah im Geiste eine Leiche darunter liegen. Zu dem Fall Caruso inspirierte mich das schöne Neapel, die musikalischste Stadt, die ich kenne. Die Geschichte des kleinen Caruso, der so früh seine Mutter verloren hat und sich sein Geld als Straßensänger verdienen musste, hat mich angerührt, so entstand die Idee zu diesem Kriminalroman.

ONETZ: Wie wichtig sind Ihnen die eingestreuten Bezüge zu brisanten Themen der Zeit, etwa den politischen Verhältnissen in der Türkei im „Fall Wagner“?

Johannes Wilkes: Sie haben völlig recht. „Der Fall Wagner“ ist der bislang politischste Mütze-Krimi. Ich habe gute Freunde in der Türkei, es ist unglaublich, wie Presse und Justiz geknebelt werden und sich das Land in eine Diktatur verwandelt. Das Leid aller freien Menschen ist groß. Weil die Türkei damit droht, den Flüchtlingspakt aufzukündigen, lässt sich Europa erpressen und sieht tatenlos zu.

ONETZ: Sie sind nicht nur Schriftsteller, sondern auch studierter Psychologe – hilft diese Ausbildung auch beim Ausdenken besonders perfider Plots?

Johannes Wilkes: Ich hoffe nicht! Aber natürlich hat die Arbeit eines Autors viel mit Psychologie zu tun, man muss neugierig sein auf den Menschen und darf keine Angst vor Abgründen und Widersprüchen haben.

ONETZ: Wirft man einen Blick auf Ihr umfangreiches Gesamtœuvre stellt sich die Frage, wie das alles zu schaffen ist. Haben Sie einen Tipp in Sachen optimales Zeit-Management?

Johannes Wilkes: Schreibt man einen Roman, muss man seine Figuren jeden Tag besuchen, muss mit ihnen leben und leiden. Dafür braucht es neben der reinen Zeit des Schreibens Mußestunden, die ich beim Wandern und Radfahren finde. Ohne Disziplin geht es nicht. Finde ich zwei freie Stunden am Tag, bin ich glücklich.

ONETZ: Was auch noch auffällt, ist die Tatsache, dass die Kommissar-Mütze-Reihe mittlerweile schon das Dutzend geknackt hat, der Verlag aber immer wieder wechselt – wie geht das?

Johannes Wilkes: Es hat sich eine gewisse Arbeitsteilung entwickelt. Die fränkischen Fälle erscheinen bei ars vivendi, die Spiekeroog-Krimis, die im Strandkorb geboren werden, bei Prolibris und die übrigen im Gmeiner-Verlag. Das trägt gelegentlich zur Verwirrung der Leser bei, bei vielen aber wird die Neugier angestachelt, herauszufinden, wo Mütze als nächstes ermittelt.

ONETZ: Wird Kommissar Mütze nach so vielen gelösten Fällen in absehbarer Zeit den Hut nehmen oder dürfen sich die Leserinnen und Leser doch noch auf neue Abenteuer mit Ihrem Helden freuen?

Johannes Wilkes: Gemordet wird weiter, leider muss man sagen. Mütze hat die Pensionsgrenze noch nicht erreicht, so dass er sich noch nicht zur Ruhe setzen kann, um seinen Lebensabend in seinem Lieblingskeller zu verbringen.

Plötzlich Bestseller: Wie man ein Buch schreibt und selbst verlegt

Oberpfalz
Das Buchcover von "Der Fall Wagner".
Hintergrund:

Zu Person und Buch

  • Johannes Wilkes, Jahrgang 1961, ist promovierter Kinder- und Jugendpsychiater mit Praxis in Erlangen.
  • Als Autor verfasst er Kriminalromane, Reiseführer und Sachbücher.
  • Seine Kommissar-Mütze-Reihe spielt unter anderem in Franken und auf Spiekeroog in der Nordsee.
  • "Der Fall Wagner", 192 Seiten, Taschenbuch, ist am Mai 2021 im ars vivendi Verlag erschienen.
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