07.03.2021 - 16:31 Uhr
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Als Frau in der Männerdomäne: Försterin Michaela Hamann

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Am 8. März ist Weltfrauentag. Auch in der Oberpfalz behaupten sich Frauen in Männerdomänen und trotzen den Klischees. So wie Michaela Hamann: Die zweifache Mutter ist Försterin im Betrieb Flossenbürg und liebt ihren Beruf.

Försterin mit Leib und Seele: Michaela Hamann aus Geborgenberg ist Revierleiterin beim Forstbetrieb Flossenbürg.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Wenn die Sonne zwischen den Bäumen scheint, Moos und Äste unter den Füßen knacken und irgendwo Vögel zwitschern, ist Michaela Hamann an ihrem Arbeitsplatz angekommen. Mit einer Spraydose bewaffnet und in Begleitung von Dackeldame Tini ist die 36-Jährige im Wald bei Georgenberg (Kreis Neustadt/WN) auf der Suche nach Schadholz.

"Hier drüben sehe ich etwas." Schnell hat der Baumstamm einen roten Kringel, "das Signal für die Waldarbeiter, dass dieser Baum weg muss". Während sich Dackel Tini mit den kurzen Beinen durch drahtige Brombeersträucher kämpft und schließlich nicht mehr zu sehen ist, stapft die Försterin mit schnellen Schritten durch den Wald. Holzernte und Auslichten sind nur eine ihrer vielen Aufgaben.

Erste Forstdamen in den 70er Jahren

Um rund 2000 Hektar Wald im Forstrevier Pleystein kümmert sich Michaela Hamann. Die gebürtige Chiemgauerin ist eine von insgesamt fünf weiblichen Forstrevierleiterinnen im Forstbetrieb Flossenbürg. Mehr als die Hälfte der Revierleiter in Flossenbürg sind damit weiblich. Lange Zeit galt der Beruf des Revierförsters als Männerdomäne, doch das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. "Erste Forstdamen haben sich in den 1970er und 80er Jahren in dieses Berufsbild reingekämpft", erklärt Hamann.

Oberpfalz-Medien hat Michaela Hamann im Wald besucht

Mittlerweile sei es selbstverständlich, dass auch eine Frau Revierleiterin ist. "Ich sehe da keinen Vor- oder Nachteil, den man als Frau in diesem Beruf hat." Nur bei den Waldarbeitern, an die Michaela Hamann die Arbeitsaufträge erteilt, sind es noch überwiegend Männer. "Das ist einfach eine körperliche Arbeit. Doch auch hier sind ein paar Frauen dabei." Michaela Hamann sitzt im Prüfungsausschuss für die Waldarbeiter und freut sich, dass sie beim vergangenen Mal auch zwei Damen prüfen durfte: "Frauen gehen einfach anders an Dinge heran, denken oft logischer und nutzen zum Beispiel die Hebelwirkung, weil sie nicht die Kraft haben."

Frauenanteil bei den Staatsforsten steigt

Nach Auskunft der Bayerischen Staatsforsten steigt der Frauenanteil im Bereich "Förster/Försterin" im Zuge des demografischen Wandels langsam, aber kontinuierlich an. Aktuell gebe es 45 Reviere, die von Frauen geleitet werden. Seit 2006 hat sich der Frauenanteil von 12 auf 18 Prozent erhöht, der Männeranteil im gleichen Zeitraum von 87 auf 81 Prozent verringert. Mit Stand Juni 2020 sind damit 1995 Männer und 440 Frauen bei den Bayerischen Staatsforsten beschäftigt.

Hamann fand ihren Weg in die Forstwirtschaft über einen Studieninformationstag: "Ich habe gleich gemerkt, das ist total meins." Die 36-Jährige studierte dann zunächst Forstwirtschaft in Weihenstephan und absolvierte anschließend zwei Jahre ihre Anwärterzeit, bevor sie im Forstbetrieb Schnaittenbach 2012 ihre erste Stelle als Revierleiterin antrat. "Mein Chef war ganz begeistert, 'Endlich haben wir auch eine Frau', meinte er damals in der Personalversammlung." 2018 wurde Hamann nach Flossenbürg versetzt. Für die zweifache Mutter ein Glücksgriff: "Mein Büro habe ich zuhause, das Revier vor der Tür, die Kinderbetreuung ist super. Besser geht es nicht."

40 Prozent Schreibtischarbeit

Zimperlich sein darf man als Frau im Forstberuf trotzdem nicht. Bei jedem Wetter ist sie im Wald unterwegs – auch bei minus 18 Grad wie in den vergangenen Wochen. "Da wird sich dann dick angezogen. Manchmal lege ich mir dann noch Wärmepads an die Füße und Hände." Als Hamann Oberpfalz-Medien durch ihr Revier führt, ist das nicht nötig. Das Thermometer kletterte in den positiven Bereich und die Sonne strahlt. Nur hin und wieder liegt noch ein bisschen dreckiger Schnee. Es riecht nach Moos und frischem Holz. Doch Försterin sein, heißt nicht "den ganzen Tag im Wald rumlaufen", stellt Hamann klar. "Rund 40 Prozent sind Schreibtischarbeit." Arbeitsaufträge schreiben, Abrechnungen erstellen, Verjüngung pflegen und planen.

Hauptaufgabe Klimawandel

In den vergangenen Jahren habe sich der Beruf der Försterin verändert, immer mehr machten dem Wald äußere Einflüsse zu schaffen. "Unsere Hauptaufgabe ist es, den Wald für den Klimawandel fit zu machen. Wir sind mittlerweile gesteuert von Kalamitäten, das ist immer schlimmer geworden." Als Hamann einen kleinen Hang hinunter läuft, vorbei an befestigten Waldwegen und losen Ästen, wird viel freie Fläche sichtbar. Nur weit voneinander entfernt stehen große Nadelbäume. "Wir haben hier einen einschichtigen Bestand und nix darunter." Erst auf den zweiten Blick erhascht man winzige, junge Bäume, die ein orangenes Hütchen aus Kunststoff tragen und sich auf der ganzen Fläche verteilen. "Das ist zum Schutz gegen die Tiere."

Michaela Hamann erklärt, dass ihr Vorgänger auf dieser Fläche Platz geschaffen hat. Platz für neue junge Bäume, die möglichst widerstandsfähig dem Klimawandel trotzen sollen. "Unser Ziel ist eine breite Spreitung mit möglichst vielen verschiedenen Baumarten." Stürme, Starkregen, früher Frost und Borkenkäfer greifen die Baumarten auf unterschiedliche Weise an. "Man merkt einfach deutlich, dass es wärmer wird und das dem Wald unheimlich zusetzt. Die Tendenz zu Kalamitäten geht steil nach oben." Da müsse eben auch einmal Geld in die Hand genommen werden, "auch wenn die natürliche Verjüngung natürlich schöner ist".

Gelebter Naturschutz

Dass sie in ihrem Beruf so viel aktiv mitgestalten kann, macht Hamann besonders viel Freude. "Es ist sehr arbeitsintensiv, aber man sieht einfach das Ergebnis und teilweise ist der Beruf auch gelebter Naturschutz." Immer dann zum Beispiel, wenn sich die Försterin ganz bewusst dazu entscheidet, einen Baum, der seine besten Tage hinter sich hat, trotzdem stehen zu lassen. Den Hang hinauf steht zwischen kahlen Büschen eine alte Buche. Die Rinde ist runzelig, einzelne Äste sind abgebrochen. Hamann schüttelt ihre Spraydose mit der grünen Farbe, das Klackern hallt durch den stillen Wald. Schnell ist eine grüne Welle auf dem morschen Stamm platziert. "Der darf jetzt wachsen wie er will und solange er will. Darin finden bestimmt einige Tiere einen guten Platz." Die Försterin blickt den Stamm nach oben. "Da ist bestimmt auch noch eine kleine Höhle."

Borkenkäfer setzt Fichten zu

Auch einen Jagdschein besitzt Hamann als Försterin. "Man muss auch mal nach einem Wildunfall aufräumen." Dackeldame Tini kriecht unterdessen im abgesägten Holz umher. Man hört Rascheln und Fiepen. Hamann zeigt auf eine Fläche, die fast kahl ist. "Hier haben wir nochmal ein ganz anderes Waldbild als unten bei der Verjüngung." Der Borkenkäfer hatte den Fichten zugesetzt, die deshalb alle entfernt wurden. "Hier will ich ein paar Douglasien pflanzen. Und Lärchen und Kiefern."

Obwohl die zweifache Mutter nur 80 Prozent arbeitet, ist Hamanns Revier genauso groß, wie das ihrer Kollegen. "Ohne die Unterstützung, die ich zum Beispiel von einem Waldarbeiter bekomme, würde ich es nicht schaffen." Trotzdem liebt die 36-Jährige ihren Beruf: "Das praxisorientierte Arbeiten macht mir viel Spaß und, dass ich meine Kenntnisse einbringen und den Wald mitgestalten kann." Zum Ende der Tour durch Michaelas Revier taucht auch Dackel Tini wieder aus dem Unterholz auf. "Komm Tini, wir gehen." Auch an diesem Tag warten noch weitere Arbeiten auf die Försterin und ihre tierische Kollegin - auch abseits vom Wald.

Auch Christina Bösl ist Revierleiterin in Flossenbürg

Oberviechtach
Hintergrund:

Forstbetrieb Flossenbürg

  • Bayerische Staatsforsten: 41 Forstbetriebe mit 370 Revieren
  • Forstbetrieb Flossenbürg: 16.000 Hektar Wald und 500 Kilometer Forstwege
  • Acht Reviere: Pleystein, Pullenried, Waidhaus, Neuenhammer, Plößberg, Schönsee, Tännesberg-Wildeppenrie, Flossenbürg
  • Holzarten: Es wachsen hauptsächlich Fichtenwälder, deren Holz vor allem zu Bau- und Konstruktionsholz verarbeitet wird und bis nach Dubai und Iran exportiert wird.
  • Ziel der Forstwirtschaft: Waldbauliches Hauptziel sind laubholzreiche Mischwälder.
Hintergrund:

Wie wird man Forstrevierleiterin?

  • Bachelor-Abschluss/Abschluss einer Fachhochschule in einem forstwirtschaftlichen Studiengang, z.B. an der Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
  • Einjähriger Vorbereitungsdienst mit Qualifikationsprüfung, Beginn jährlich jeweils Anfang Oktober.
  • Bewerbungen um Einstellung in den Vorbereitungsdienst schriftlich einzureichen bei der Bayerischen Forstschule. Bewerbungsschluss: Freitag, der 11. Juni 2021
  • In Bayern stehen derzeit pro Jahr 73 Ausbildungsplätze zur Verfügung, die im Auswahlverfahren nach Forstzulassungsgesetz vergeben werden.
  • Anforderungen: Persönliche und fachliche Eignung (Studium), gesundheitliche Eignung (amtsärztliches Zeugnis), im Besitz eines gültigen Jagdscheins. Höchstalter für die Einstellung in ein Beamtenverhältnis: 45 Jahre.

 

 

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