27.01.2021 - 10:34 Uhr
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KZ-Gedenkstätte Flossenbürg geht digital

Die Corona-Pandemie wirkt sich negativ auf die Besucherzahlen der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg aus. Aber besonders in diesen Zeiten ist eine Auseinandersetzung mit der NS-Zeit wichtig. Die Gedenkstätte geht deshalb neue digitale Wege.

2020 besuchten rund 36.400 Menschen die KZ-Gedenkstätte. Dies entspricht einem Rückgang von etwa 60 Prozent im Vergleich zu 2019.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Das Bildungsangebot der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg fand in den letzten zehn Jahren immer größeren Anklang bei Besuchern. Doch dann kam die Pandemie. Die langen Schließzeiten hatten laut Julius Scharnetzky, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Leitung, enormen Einfluss auf die Besucherzahlen. 2020 besuchten nur 36.400 Menschen die KZ-Gedenkstätte. Dies entspricht einem Rückgang von etwa 60 Prozent im Vergleich zu 2019 (rund 90.200 Besucher). Auch Bildungsangebote wie Rundgänge und Seminare seien im vergangenen Jahr aufgrund der strengen Hygieneregeln nur eingeschränkt möglich gewesen.

Doch die Bildungsabteilung der Gedenkstätte Flossenbürg war in der Corona-Zwangspause nicht untätig. "Es bot sich an, dass wir die Zeit zur Neukonzeption und Weiterentwicklung von Programmen nutzen. Das wäre im regulären Betrieb kaum möglich gewesen," sagt Julius Scharnetzky. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte entwickelten digitale Bildungsprogramme, die auch auf Distanz nutzbar sind. Auch in Pandemie-Zeiten sei es wichtig, an die Verbrechen während der NS-Zeit zu erinnern, sagt Scharnetzky.

Digitale Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

Menschen aus der bürgerlichen Mitte demonstrieren immer häufiger zusammen mit Verschwörungstheoretikern und Rechten gegen die Politik der Bundes- und Landesregierungen in der Pandemie. Dabei werden mitunter Symbole verwendet oder Aussagen getätigt, die den Holocaust relativieren. Die Einschnitte in die Grundrechte werden laut Scharnetzky von vielen Bürgern mit dem Handeln des totalitären Systems in Deutschland zwischen 1933 und 1945 gleichgesetzt. Eine intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit mache aber deutlich, dass die Situation heute keineswegs mit dem staatlichen Handeln des NS-Regimes gleichzusetzen ist. Die digitalen Angebote der KZ-Gedenkstätte ermöglichen trotz Pandemie eine intensive Beschäftigung mit der Geschichte und helfen antidemokratisches Gedankengut und Geschichtsverklärung auch im privaten Umfeld zu erkennen und dazu Stellung zu beziehen. Zudem sollen sie Ersatz für die in den bayerischen Lehrplänen verankerten Exkursionen zu KZ-Gedenkstätten sein.

"Der Gedenkstättenbesuch ist durch digitale Programme nicht ersetzbar, aber die thematische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ist digital möglich und wichtig," erklärt Scharnetzky. Mit den digitalen Angeboten können sich Schüler ohne lange Vorbereitungszeit im Unterricht mit dem Nationalsozialismus und dem KZ Flossenbürg beschäftigen. Die Bildungsformate sollen am 27. Januar 2021, dem internationalen Gedenktag an die Opfer des NS, online gehen.

Verschiedene digitale Bildungsangebote der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Webinar: Vom Mensch zur Nummer – Häftlingsalltag im KZ Flossenbürg

Schwerpunkt des Webinars ist der Lageralltag der Häftlinge im KZ, der geprägt war von Entmenschlichung, Leiden, aber auch Versuchen der Selbstbehauptung. Mithilfe von Zeichnungen, Fotos und Zitaten entdecken die Jugendlichen in (digitaler) Partner- und Kleingruppenarbeit verschiedene Aspekte dieser Themenkomplexe. Die Mitarbeiter der Gedenkstätte führen durch den digitalen Workshop.

Webinar: Vom Mensch zur Nummer - Häftlingsalltag im KZ Flossenbürg

Was kommt nach den Zeitzeugen?

Flossenbürg

Ende der Zeitzeugenschaft?

Der Tag wird kommen, an dem es niemanden mehr gibt, der erlebt hat, was es heißt, KZ-Häftling gewesen zu sein. Was bedeutet das langsame Verschwinden der Zeitzeugen für eine Gesellschaft, deren wichtigster Bildungsauftrag es ist, den Holocaust nicht zu vergessen? Gehen die Erinnerungen an die Schrecken der NS-Zeit verloren? Die Ausstellung "Ende der Zeitzeugenschaft?" in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg möchte die Frage "Was kommt danach?" etwas einordnen. "Die Ausstellung zeigt unterschiedliche Ansätze, wie dem Ende der Zeitzeugen gesamtgesellschaftlich begegnet wird. Sie wirft aber auch einen Blick zurück und erzählt die Geschichte der Zeitzeugenschaft," erklärt Scharnetzky.

360-Grad Aufnahme der Ausstellung "Ende der Zeitzeugenschaft?" in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Dieser Ausstellungsraum behandelt die Geschichte der Zeitzeugen.

Etwa einen Monat nach Eröffnung der Ausstellung haben Bund und Länder entschieden, auch Kultureinrichtungen zu schließen. Die Zeit bis zur Wiedereröffnung überbrücken die Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte deshalb durch eine Online-Version der einzelnen Ausstellungsbereiche.

Die Online-Ausstellung "Ende der Zeitzeugenschaft?"

360-Grad-Führung

In Zusammenarbeit mit Oberpfalz-Medien entstand eine virtuelle 360-Grad-Führung durch die Ausstellung. Diese bietet exklusive Einblicke in Ausstellung und die Geschichte der Zeitzeugen.

Führung im Vollbildmodus

360-Grad-Führung durch die Ausstellung

 

 

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