16.07.2018 - 14:25 Uhr
FreihungDeutschland & Welt

Abgespeckter Operettenschmaus

„Die Fledermaus“ als Duett in der Kulturscheune Elbart

Sopranistin Franziska Dannheim und Pianistin Jeong-Min Kim verwandeln die "Fledermaus" in ein unterhaltsames Duett.
von Anke SchäferProfil

Wenn es einen Inbegriff der Operette schlechthin gibt, dann ist es "Die Fledermaus" von Johann Strauss. Dass der Bühnenhit aber auch ganz ohne Groß-Ensemble und Orchester bestens auskommt, exerziert die „Oper léger“ mit Franziska Dannheim und Jeong-Min Kim in der Kulturscheune Elbart beispielhaft und erfolgreich vor.

In der Duo-Fassung hat frivoler Ringelpietz mit Anfassen ebenso ausgedient wie der opulente Klangteppich aus dem Orchestergraben. Stattdessen singt sich Sopranistin Franziska Dannheim kokett und souverän durch die drei Akte, Jeong-Min Kim kompensiert am Flügel locker die nicht vorhandenen und auch nicht vermissten Streicher, Bläser, Pauken und Trompeten.

Während viele Gäste die unsterblichen und spätestens Silvester und Fasching wieder zu neuem Leben erweckten Arien und Chöre durchaus in Kopf und Ohr haben, ist es mit der verwickelten Handlung und den einzelnen Protagonisten nicht immer so weit her.

Kein Problem für Franziska Dannheim, deren Atem ohne weiteres auch noch für Erläuterungen zum Geschehen der einzelnen Akte sowie zum großen Ganzen reicht. Temperamentvoll und charmant erläutert sie, warum und wie der unverwüstliche Klassiker überhaupt aus der Taufe gehoben wurde, was die Operette von der Oper unterscheidet und wie es vom ursprünglichen Titel „Die Rache der Fledermaus“ zur Kurzversion kam.

Auch mit der Familienstruktur im Hause Strauss setzt sie sich unkompliziert und frei von jeder belehrenden Attitüde auseinander und warnt obendrein noch vor Peinlichkeiten diesbezüglichen Halbwissens: Richard Strauss gehöre nach Garmisch-Partenkirchen und zur „Alpensinfonie“, Franz-Josef Strauß schreibe sich anders und gehöre zum Flughafen München.

Gesangsdarbietungen in konventioneller Manier sind Franziska Dannheim übrigens auch zu langweilig: Stattdessen schleichen sich häufig kesse Kommentare und Seitenhiebe – gerne Richtung Tenöre – zwischen die Musik. Das muss man erst mal können, insbesondere wenn die Koloratur gerade ihren Kulminationspunkt erreicht hat.

Ungerührt überspielt das Miniatur-Ensemble zeitweilige technische Schwierigkeiten und unterstrich damit die hohe Professionalität, die hinter der lockeren Programmpräsentation steckt. Nach dem schwungvollen Streifzug in drei Akten schwelgt schließlich auch dieses Publikum vollends in der charakteristischen Champagner- und Walzerseligkeit, die den Ruhm und die Langlebigkeit der „Fledermaus“ ausmachen.

So lustig die Lieder, so wahr seien auch die Lehren, die man daraus ziehen könne“, bilanziert Hausherr Günter Preuß. Als Zugabe zum fröhlichen Abend stimmen alle ein in „Wiener seid froh!“, der Lied-Variantion des anderen Strauss-Überklassikers „An der schönen blauen Donau“. Glücklich ist, wer diesen Abend nicht vergisst.

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