18.03.2019 - 14:38 Uhr
FreihungDeutschland & Welt

Eine andere Art von "zeitgenössisch"

"New Classics"-Konzert mit Pianistin Anna Sutyagina in der Kulturscheune Elbart

Pianistin Anna Sutyagina versorgte das Publikum in der Kulturscheune Elbart auch mit vielen Hintergrund-Informationen zur Neuen Klassik.
von Anke SchäferProfil
Pianistin Anna Sutyagina versorgte das Publikum in der Kulturscheune Elbart auch mit vielen Hintergrund-Informationen zur Neuen Klassik.

Hört der Klassik-Freund auch nur das Wort "zeitgenössisch", gefriert schnell das Blut in seinen Adern. Dabei gibt es seit einigen Jahren eine immer beliebter werdende Strömung, die mit atonalen Experimenten rein gar nichts am Hut hat. Pianistin Anna Sutyagina hat diese "New Classics" in der Kulturscheune Elbart vorgestellt.

Unter dem insbesondere von "Klassik Radio" geprägten und verbreiteten Begriff verbergen sich vielmehr außerordentlich harmonische Melodieketten und sanft wiegende Rhythmen. Die Wohlfühlmusik versteht sich als bewusster Ausgleich zum mitunter ruppigen und hektischen Alltag und hat durch ihre Mischung aus Meditation und positiver Energie mittlerweile ein großes Publikum erobert.

Strömung entdeckt

Auch der in Tomsk/Westsibirien geborenen, klassisch ausgebildeten Konzertpianistin Anna Sutyagina eröffneten Ludovico Einaudi und Kollegen einen neuen Weg in der Musik. Vor drei Jahren habe sie über die sozialen Medien die Strömung entdeckt, Komponisten kennengelernt und sich ausgetauscht, berichtet die zugewandte, mittlerweile in München lebende Künstlerin. Beim Konzert ist Anna Sutyagina daher nicht nur die Musik wichtig, sondern auch der informative Hintergrund fürs Publikum - seien es die individuellen Markenzeichen der Komponisten oder aber die äußeren Umstände, die zur Schöpfung des jeweiligen Werks geführt haben.

Dass Bach, Beethoven und Chopin ihr Notenregal bis zur Entdeckung der Neuen Klassik dominiert haben, kann man dem feinsinnigen, emotional durchdrungenen Spiel anhören. Auch sonst harmonieren die feingliedrige Pianistin, die helle Klangfarbe des Yamaha-Flügels und die eleganten Musikstücke vortrefflich.

Beim Einstiegswerk setzt Anna Sutyagina auf die Kraft eines mittlerweile weit verbreiteten Ohrwurms: Ludovico Einaudis "Una Mattina", vor allem bekannt aus dem Film "Ziemlich beste Freunde". Überhaupt spielt die Verbindung zum Medium Film eine durchaus entscheidende Rolle beim Siegeszug der "New Classics": Yann Tiersen und Michael Nymann, die zum Abschluss erklingen, sind mit ihrer Musik zu "Die fabelhafte Welt der Amélie" und "Das Piano" berühmt geworden.

Das Scheunen-Publikum lernt an diesem Abend aber auch eine Vielzahl weiterer Komponisten kennen und schätzen. Alle haben ihr Gespür für die Phänomene der Natur oder die schönen wie traurigen Geschichten des Lebens musikalisch konservieren können.

Entspannte Atmosphäre

Im dicken Notenpacken auf dem Flügel, den die Pianistin ohne Umblätterer bändigt, versteckt sich aber auch noch eine Koryphäe der exotischeren Art: Das selbst ernannte Genie Chilly Gonzales, der mit seinen sensationellen Live-Performances den Spaß zurückbringt in die Musik,ohne auch nur ein Gramm Ernsthaftigkeit zu verlieren. Und wenn der Abend etwas bewirkt hat, was über eine entspannte, wohlige, gut gelaunte Grundatmosphäre hinaus geht, dann wohl jene Erkenntnis: Nicht bei allen Komponisten der Gegenwart ist Schockstarre angesagt und Leidensfähigkeit benötigt.

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