09.11.2018 - 21:46 Uhr
Deutschland & Welt

Fruchtlose Debatte über Kinderlose

Kinderlose sollen deutlich mehr Sozialabgaben zahlen. Das fordert Gesundheitsminister Jens Spahn am gleichen Tag, an dem die Groko sein Pflegepaket beschließt. Der Aufschrei ist groß - und gewollt. Ein Kommentar von Tobias Schwarzmeier

Jens Spahn (CDU) während der Debatte um das Pflegepersonalstärkungsgesetz. Der Gesundheitsminister polarisiert mit seiner Forderung, dass kinderlose Menschen in Zukunft mehr in die Sozialkassen einzahlen sollen.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
Kommentar

Jens Spahn hat dazugelernt. Wie man in der angespannten Pflegesituation Deutschlands ein umstrittenes neues Gesetzespaket, das enorm viel Nachfragebedarf enthält, mit möglichst wenig Komplikationen ans Volk bringt: Mit einem gut platzierten kleinen Aufreger.

Konkret: Kinderlose sollen laut dem vor Ideen sprühenden Gesundheitsminister - man erinnere an seinen Vorschlag zu Überstunden für völlig überlastete Pflegekräfte - künftig deutlich mehr in die Pflege- und Rentenversicherung einzahlen. Der Aufschrei kommt in Echtzeit und ist groß. Alle springen empört auf das polarisierende Thema auf. Eltern gegen Nicht-Eltern. Jeden betrifft es. Es ist zu verlockend. Doch stopp!

Bevor es nun auch hier über die Summe, die ein Kind bis zur Eigenständigkeit kostet, Gründe der Kinderlosigkeit, steuerlich benachteiligte Großstadtsingles inklusive aller (un-)denkbaren weiteren Aspekte geht - kurz über verletztes Gerechtigkeitsempfinden auf allen Seiten - darf eines nicht vergessen werden: Das Pflegepaket hat diverse Schwächen, die vorrangig diskutiert werden sollten.

Nur um die größte zu nennen: 13 000 neue Pflegekräfte in Relation zu ähnlich vielen Pflegeheimen und 2000 Kliniken sind trotz Spahns Versicherung nicht einmal ein echter Anfang. Denn selbst jene Zahl an Kräften wird kaum zu finden sein, sollte sich bei den Löhnen nichts ändern.

Pflegepersonal und Familien finanziell besser zu stellen ist wichtig und richtig. Generell bedeutet sie zu fördern aber nicht, andere dafür zu belasten. Wobei man Top-Verdiener wie Spahn - kinderlos oder nicht - natürlich verstärkt zur Kasse bitten könnte. Aber das wäre bereits das nächste Reizthema.

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