München
02.02.2022 - 19:11 Uhr

Genesenenstatus: Mehrheit im Landtag will Sechs-Monate-Regel

Die Verkürzung des Genesenenstatus auf drei Monate hat im Landtag zu einer kontroversen Debatte geführt. Eine Mehrheit dort fordert die Rückkehr zu den bisherigen sechs Monaten, während sich SPD und Grüne hinter die Entscheidung stellen.

Ein Mann hält sein Smartphone mit einem digitalen Covid-Genesenenzertifikat vor einem Apotheken-Logo hoch. Symbolbild: Marcus Brandt
Ein Mann hält sein Smartphone mit einem digitalen Covid-Genesenenzertifikat vor einem Apotheken-Logo hoch.

Mit den Stimmen von CSU, Freien Wähler und FDP hat der Landtag dafür plädiert, den Genesenenstatus nach einer Corona-Infektion wieder von drei auf sechs Monate zu verlängern. Die Staatsregierung wurde per CSU-Dringlichkeitsantrag dazu aufgefordert, beim Bund entsprechend vorstellig zu werden. Ein weitergehender Antrag der AfD, den Genesenenstatus zwölf Monate zu gewähren, fand keine Mehrheit.

Für die CSU erklärte der Abgeordnete Martin Mittag, die "handstreichartige Verkürzung" des Status durch das Robert-Koch-Institut (RKI) müsse zurückgenommen werden. Sie habe zu Verunsicherung, Verärgerung und Vertrauensverlust bei den Bürgern geführt.

RKI ziehe den falschen Schluss

Mittag zweifelte dabei die vom RKI vorgebrachte wissenschaftliche Begründung an und forderte eine weitergehende Klärung. Bis dahin solle der EU-Empfehlung gefolgt werden, den Genesenenstatus europaweit auf sechs Monate festzulegen. Susann Enders (Freie Wähler) erklärte, der "Fehler" des RKI müsse unverzüglich korrigiert werden.

Dagegen stellte die Dominik Spitzer (FDP) die wissenschaftliche Erkenntnis der RKI nicht in Frage, wonach sich mit der Delta-Variante infizierte Personen schon nach drei Monaten mit der Omikron-Variante anstecken könnten. Das Institut ziehe daraus aber einen falschen Schluss, da eine Omikron-Infektion seltener zu Krankenhaus-Einweisungen fühhr. Vor diesem Hintergrund sei ein sechs Monate währender Genesenenstatus vertretbar.

RKI-Entscheidung sei folgerichtig

Andreas Winhart (AfD) verwies bei der weitergehenden Forderung seiner Fraktion auf eine Studie des Paul-Ehrlich-Instituts, wonach Antikörper gegen das Corona-Virus noch mehr als ein Jahr nach einer Infektion im Körper von Betroffenen nachgewiesen werden könnten. Redner anderer Fraktionen stellten dazu allerdings klar, dass der Nachweis von Antikörpern allein noch nichts über den Schutz vor einer Neuansteckung aussage.

Gegen die sofortige Rücknahme der RKI-Entscheidung sprachen sich SPD und Grüne aus. So erklärte Ruth Waldmann (SPD), dass der sechs Monate geltende Status auf eine Infektion mit der Delta-Variante ausgelegt gewesen sei, aber nicht auf die ansteckendere Omikron-Variante. Dies dürfe nicht ignoriert werden, da sich Menschen sonst in Sicherheit wiegen würden, die gar nicht mehr geschützt seien. Kerstin Celina (Grüne) betonte, die RKI-Entscheidung sei folgerichtig. Nachdem die Booster-Impfung für Genesene nach drei Monaten empfohlen werde, sei es logisch, dass auch der Genesenenstatus nach drei Monaten ende.

München02.02.2022
 
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