14.06.2019 - 16:31 Uhr
GrafenwöhrDeutschland & Welt

Ein "stolzer Ami" zu Hause in der Oberpfalz

Der Amerikaner Jim Federline lebt bereits seit mehr als 15 Jahren in der Oberpfalz, die mittlerweile seine neue Heimat ist. Seine alte Heimat kann und will er aber nicht verleugnen.

James P. Federline
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt's?

Jim Federline: Das finde ich nicht. Ich bin mit jedem Oberpfälzer im Großen und Ganzen super ausgekommen. Obwohl ich als Amerikaner Ausländer bin, habe ich mich gut integriert. Die Leute sind die gleichen, wie da, von wo ich komme. In Amerika haben wir auch viele Dialekte. Jeder ist Ausländer irgendwo. Ich habe mich hier gut eingelebt.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet Ihr Fazit jetzt?

Jim Federline: Eigentlich keine. Meine einzige Erwartung war, dass ich mich in die Gemeinschaft schnell integriere und in lokalen Organisationen aktiv sein wollte. Das habe ich gut gemacht. Ich bin sehr zufrieden, die Oberpfalz ist sehr schön. Ich bin Mitglied der Knights of Columbus und wir unterstützen Kinder und Familien in Grafenwöhr, Eschenbach und Pressath mit der jährlichen Ostereierjagd (Easter Egg Hunt) und den Weihnachtspaketen mit dem Weihnachtsmann.

ONETZ: Spielen Sie mit dem Gedanken, in die Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich heim?

Jim Federline: Nein, ich wohne dort, wo ich meinen Hut aufhänge (in Weiden). Ich wohne hier mit meiner Frau aus Hessen und fühle mich hier sehr wohl. Ich kehre mindestens einmal im Jahr in die USA zurück, um meine Familie zu besuchen. Ich habe vier Brüder (Pennsylvania), eine Schwester (Indiana), zwei Kinder (Alabama und New Mexico) und ein Enkelkind (Alabama) dort. Ich habe auch einen Sohn mit Familie in Hessen und einen anderen Sohn mit Familie in Bonn.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Jim Federline: Ich erzähle ihnen viel von Weiden und der Umgebung, von Tschechien und den Burgen, alle Amerikaner wollen Burgen sehen, weil wir daheim keine haben. Ich schicke auch viele Fotos. Besuchern zeigen wir Regensburg, Bayreuth und natürlich meinen früheren Arbeitsort, Grafenwöhr. Wir waren auch schon in Hohenschwangau, Linderhof, Oberammergau, München, auf der Zugspitze, in Nürnberg, Rothenburg, am Königssee und am Kehlsteinhaus, auf dem Obersalzberg, in Dachau, in Herrenchiemsee, in Bamberg und Passau an der Donau.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Jim Federline: Da habe ich selten ein Problem. Ich verstehe den Oberpfälzer Dialekt ziemlich gut und habe gemerkt, dass ich besser akzeptiert werde, wenn ich versuche, ihre Sprache zu sprechen. Die Leute verstehen mich auch mit meinem amerikanischen Slang.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Jim Federline: Ich fühle mich hier akzeptiert. Ich werde nie ein Oberpfälzer sein, sondern ein stolzer Amerikaner in der Oberpfalz. Ich akzeptiere das mit Humor und lebe und lerne jeden Tag die Sitten und Gebräuche der Oberpfalz und teile die amerikanischen Traditionen mit meinen neu gewonnenen Nachbarn.

Serie "Zugroast":

In der Kolumne „Zugroast“ stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, dem Ruhrpott oder Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind – und hier eine neue Heimat gefunden haben.

Hier finden sie alle Teile der Serie "Zugroast" auf onetz.de

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