22.06.2020 - 15:50 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Grüne Waldumbau

Viel Schadholz in den Wäldern, der Borkenkäfer auf dem Vormarsch und der Holzmarkt am Boden - aus dieser Lage wollen die Grünen Bayerns Forsten und Waldbesitzer befreien. Im Landtag haben sie dazu ein Antragspaket vorgelegt.

Buchen stehen bei Sonnelicht in einem Wald.
von Jürgen UmlauftProfil

Von Jürgen Umlauft

München. Die Grünen im Landtag wollen den bayerischen Waldbesitzern in der aktuellen Holzmarktkrise unter die Arme greifen und gleichzeitig den Umbau der Forsten im Freistaat in klimatolerante Bestände beschleunigen. Das von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigte Anpflanzen von zusätzlich einer Million Bäumen jährlich reiche dazu nicht aus, erklärte Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann in München. Für den Bereich der Staatsforsten würde dies nur 1,3 Bäume je Hektar bedeuten. Um die Wälder als "grüne Lunge" Bayerns mit ihren zahlreichen Schutzfunktionen auch unter Bedingungen des Klimawandels zu unterhalten und den Waldbesitzern eine Perspektive zu geben, brauche es ein umfassendes Handlungspaket.

Als rasche und direkte Hilfe für Waldbesitzer brachte der Grünen-Forstpolitiker Hans Urban die Anpassung des Waldförderprogramms ins Spiel. In dieses sollte ein mit 40 Euro pro Festmeter geförderter Nutzungsverzicht für derzeit kaum verkäufliches Schwachholz eingefügt werden. Ausreichend zerkleinert und damit vor Borkenkäferbefall geschützt soll diese Biomasse dem Humusaufbau sowie der Verbesserung der Waldböden und ihrer ökologischen Schutzfunktionen dienen. Diese Maßnahme könne auch kleine Waldbesitzer zur nötigen Durchforstung ihrer Bestände motivieren und entlaste zudem den Holzmarkt, erklärte Urban. Ergänzend forderte er die Ausweitung und bessere Dotierung des Vertragsnaturschutzes im Wald. Auch die regionalen forstlichen Zusammenschlüsse als wichtige Partner kleiner Waldbesitzer müssten gestärkt werden.

Um den Holzabsatz anzukurbeln, sprach sich Hartmann für eine staatliche Holzbauoffensive aus. Als ersten Schritt regte er eine Holzbauquote von 20 Prozent für alle staatlichen und staatlich geförderten Hochbauprojekte an. Im sozialen Mietwohnbungsbau sollte Holzbauweise zudem stärker gefördert werden. Die vermehrte Nutzung heimischer Hölzer könne als Nebeneffekt dazu beitragen, den Waldumbau zu beschleunigen. Um dafür notwendige forstliche Maßnahmen auch umsetzen können, beantragen die Grünen für die kommenden vier Jahre insgesamt 188 zusätzliche Försterstellen. Ergänzend soll die forstliche Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit intensiviert werden, um in der Bevölkerung das Verständnis für die Notwendigkeit eines nach ökologischen Kriterien ausgerichteten Waldumbaus zu verankern.

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