10.09.2018 - 18:26 Uhr

Gute Mine, schwache Umfragen

Es klingt doch ein wenig nach Durchhalteparolen, was die CSU-Vorderen bei der ersten Vorstandssitzung nach der Sommerpause verlauten lassen. Trotz mieser Umfragen, sie wollen die absolute Mehrheit am 14. Oktober einfach nicht abschreiben.

Wie eng die AfD der CSU inzwischen auf die Pelle gerückt ist, sieht man anschaulich vor dem Haupteingang zur CSU-Zentrale im Münchner Norden. Dort stehen auf dem Bürgersteig drei Laternenmasten, an die die Rechtspopulisten frech ihre Wahlplakate geheftet haben. Mit diesem Anblick und der neuesten Umfrage, wonach die CSU derzeit nicht einmal mehr auf 36 Prozent käme, betreten die Vorständler am Montag das Franz-Josef-Strauß-Haus zur ersten Sitzung nach den Sommerferien. Man hat schon unter angenehmeren Umständen getagt.

Die Frontmänner Horst Seehofer und Markus Söder wollen aber erst gar keine depressive Stimmung aufkommen lassen. Parteichef Seehofer berichtet von vielen Gesprächen mit CSU-Mandatsträgern, die ihm alle das Gleiche übermittelten: "Alle treffen auf gute Stimmung im Land, die Resonanz in der Bevölkerung auf die CSU ist sehr groß." Von den Umfragen lasse er sich nicht verrückt machen, die meisten Wahlen der vergangenen Jahre seien erst auf der Zielgeraden entschieden worden.

Wahrheit an der Urne

"Ich bleibe dabei: Die Wahrheit liegt in der Wahlurne", zitiert sich Seehofer selbst. Die CSU blicke geschlossen und mit großer Zuversicht dem 14. Oktober entgegen. "Ich halte nach wie vor für möglich, dass wir gut und stark abschneiden", lässt Seehofer wissen. "Wir kämpfen um den Sieg, nicht um Koalitionen." Daran lässt auch Spitzenkandidat Markus Söder nicht den Hauch eines Zweifels. Gut, man weiß nicht, wie es tief drin in ihm aussieht, aber äußerlich ist Söder Optimismus pur. Zwar räumt er ein, dass das Thema Asyl und Migration derzeit alles überlagert, ja "wie ein Teppich alles zu ersticken droht", doch glaubt er daran, dass er den Bayern in den kommenden fünf Wochen noch die Augen öffnen kann. "Die Dinge, die jetzt im Moment diskutiert werden, haben ja mit Bayern nur sehr wenig zu tun", stellt Söder fest. Bayern gehe es besser denn je, der Freistaat funktioniere, es gebe ein positives Lebensgefühl. Und wer habe dafür gesorgt? Eben: Die CSU!

Mit der Botschaft, dass es bei der Landtagswahl in fünf Wochen um Bayern und nicht um Flüchtlinge geht, will Söder die heiße Phase des Wahlkampfes bestreiten. Es werde deshalb inhaltlich keinen Kurswechsel mehr geben, man sei schließlich vom eigenen Programm überzeugt. Er wolle souverän agieren, Optimismus zeigen und das Konstruktive herausstellen. So beklage seine Staatsregierung nicht nur Zustände, sondern gebe mit unzähligen Maßnahmen die Antworten auf die Herausforderungen der Zeit.

"Bayern kann's"

"Bayern kann's!", das wolle er den Menschen vermitteln. Dass ihm Seehofer mit seinen zweideutigen Kommentaren zu den Vorfällen in Chemnitz und der Aussage, die Migrationsfrage sei die "Mutter aller Probleme", in die Parade gefahren ist, lässt Söder anders als andere Vorständler unkommentiert.

Um die AfD kommt aber auch er nicht herum. Der Umgang mit den Rechtspopulisten soll härter werden, kündigt er an. Man müsse den Wählern klar machen, dass die AfD keine Protestpartei mehr sei, sondern offen für die Überwindung des demokratischen Systems und eine andere Republik eintrete. Gerade in Bayern sei die Partei in enger Gefolgschaft zum Thüringer Rechtsausleger Björn Höcke "stramm auf dem Weg nach rechts". "Die AfD hat ihre bürgerliche Maske abgelegt", assistiert Generalsekretär Markus Blume. Das vielleicht, aber die provokativen Plakate vor der CSU-Haustür wird sie frühestens am 15. Oktober abnehmen.

 
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