04.07.2019 - 17:57 Uhr
Deutschland & Welt

Heimat ist, wo man sich wohlfühlt

Django 3000 nennt sich der wilde Haufen aus dem Chiemgau, dem Kamil Müller vorsteht. Gegründet 2011, zeigten sich bald erstaunliche Erfolge.

So hat man Django 3000 noch nie gehört. So neu, so anders – und doch so Django. Fast schon Django 4000. Eine turbulente, eine packende und mitreißende Platte ist da entstanden. Mit Musik, die rockiger als bisher daherkommt, geradeausiger, weniger verspielt – und die doch die Wurzeln der Freistaat-Gitanos nie verleugnet.
von Autor MFGProfil

Dass diese Band, nun ja, etwas anders daher kommt als viele andere, merkt man schon am Umstand, dass der Frontmann vorrangig in breitestem oberbayerisch singt, für den von jenseits des berühmt-berüchtigten "Weißwurst-Äquators" Stammenden völlig unverständlich - und gebürtiger Slowake ist. "Der Kamil ist zu uns mit 16 ins Chiemgau als Au Pair gekommen", erklärt Violinist und Gitarrist Florian "Flo" Starflinger jene Ungewöhnlichkeit, "irgendwie ist er hängen geblieben. Und ohne deftiges Bayerisch wirst du in unserer Region nicht akzeptiert oder integriert. Also hat er's eben gelernt."

Pausenlos auf Tour

Der Erfolg liegt vor allem auch daran, dass der Fünfer beinahe pausenlos auf Tour und eine gnadenlos mitreißende Live-Attraktion ist. Als "bayerischen Balkan-Beat" definiert "Flo" Starflinger das wüste Stil-Gebräu, genährt aus Volksmusik, Polka, Zigeuner-Swing oder Folk-Pop, "doch in einer globalisierten Welt ist es gang und gäbe, dass man sich als neugieriger Künstler von überallher bedient und es in den eigenen Sound einfließen lässt. Der Kosmos wächst - zum Glück - nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auch kulturell zusammen. Dass die "Djangos" (die sich übrigens nach der Zigeuner Swing-Legende Django Reinhardt benannt haben) ihre Multikulti-Lektionen prächtig gelernt haben, beweist unter anderem der Umstand, dass sie schon mehrfach auf Tour in so entlegenen Nationen wie Indien, Finnland oder Russland waren und dort frenetisch bejubelt wurden.

"Obwohl dort vermutlich kein Einziger unsere Texte versteht", lacht der 38-jährige Starflinger, "aber bei Konzerten von uns geht es um das textliche Verständnis auch eher am Rande. Wir wollen die Menschen live zunächst mal zum Tanzen animieren. Dafür braucht man mächtige Grooves und eine Menge Vitalität. Ich bin überzeugt, davon besitzen wir genügend." Wobei für die "Djangos", speziell auf dem aktuellen, mittlerweile fünften Studioalbum "Django 4000", die Verse durchaus eine wichtige Bedeutung haben.

Was unter anderem daran liegt, dass dieses Quintett sich 2017 um einen neuen Keyboarder und einen Kontrabassisten verstärkt hat, "einen heute 26- und einen 24-jährigen Jungspund, wir anderen sind ja alle jenseits der 30, die Burschen führen uns in die juvenile Sturm- und Drang-Phrase zurück", feixt Starflinger. "Durch die beiden hat sich unser Klang-Spektrum erweitert, genauso unser lyrisches Repertoire. Es geht nicht mehr nur um Feier- oder Trink-Lieder, sondern da schleicht sich mal ein politisches Statement oder eine verträumte Ballade ein. Ich bin sehr glücklich, dass wir unseren Horizont erweitert haben. Das hält unser Projekt spannend und am Laufen." Django 3000 im Jahr 2019 also keine ausschließliche Party-Band mehr? "Die waren wir schon zuvor nicht", meint Starflinger, "weil es für uns nie ein Widerspruch war, musikalisch für gute Laune zu sorgen, ohne dabei einen gewissen künstlerischen Anspruch zu verfolgen. Tatsächlich ist es gar nicht so einfach, mitreißende Beats zu erfinden."

Aber in der Tat ist der Geiger und Gitarrist sich darüber im Klaren, dass "die Öffentlichkeit uns gerne als Tanz-Kapelle abtun will. Deshalb verschaffen uns die paar Balladen auf den letzten zwei Alben Luft nach oben, weg von Klischees und Kategorisierungen. Es gibt noch eine Menge für uns zu tun, kreativ. Da lungern noch so viele Ideen rum, die nur darauf warten, dass wir uns ihrer annehmen."

Ganz hibbelig

Zunächst aber geht es die nächsten Monate über erneut auf ausgiebige Tournee. Das Quintett ist schon heute ganz hibbelig darauf. "Mit unseren Jungspunden, da bin ich mir ganz sicher", meint Starflinger, "wird es bunt und druckvoll und vielfältiger. Noch mehr als sonst. Und ja: Ich fürchte, es wird ziemlich laut."

So gar nicht laut ist die erste Single aus der aktuellen Langrille, "Heimat" betitelt. Eine Ballade, in der das Chiemgau beschworen wird als Ort und Sinnbild der Sehnsucht. "Wir haben diesen Terminus bewusst gewählt, weil er momentan merkwürdig besetzt ist, in alle Richtungen. Für uns ist Heimat da, wo man sich wohl fühlt", erklärt der Gründer. "Heimat ist etwas, wonach jeder Mensch sich sehnt. Und um nicht missverstanden zu werden - wir teilen mit jedem netten Menschen, egal woher dieser stammt, unsere Heimat."

Neue Inspiration holen

Die "Djangos" verlassen auch regelmäßig ihre Heimat, um sich von außerhalb Inspiration für neue Klänge zu holen. "Reisen bildet nun mal", lacht "Flo" schallend, "es inspiriert unsere jeweils neue Musik. Dieses Mal hat uns vor allem Indien und seine exotische Kultur geprägt. Gerade für mich als Violinisten war dieser Trip extrem einflussreich."

Ach ja, für alle jenseits des "Weißwurstkanals" Geborenen, die wert darauf legen, Textinhalte zu verstehen - erstmals bei Django 3000 gibt es bei den zehn Stücken auch Verse auf Englisch sowie Hochdeutsch. "Oder sagen wir", grinst Starflinger: "Beinahe Hochdeutsch. So ganz hat der Kamil das noch nicht drauf. Aber es wird fleißig geprobt. Damit die Besucher bei Konzerten etwa in Berlin oder Hamburg wenigstens halbwegs wissen, was wir ihnen zu erzählen haben." www.django3000.de

Info:

Service

Django 3000 spielen unter anderem:

19. Oktober Weiden (JUZ)

15. Dezember Nürnberg

(Hirsch)

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter

Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0

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