08.07.2021 - 16:54 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Heimatstrategie: Unternehmen sollen raus aufs Land

Bayerns ländliche Räume werden immer stärker. So lautet die Bilanz von Heimatminister Albert Füracker (CSU) nach sechs Jahren "Heimatstrategie". Und es soll noch besser werden. Die SPD ist da skeptisch.

Heimatminister Albert Füracker (CSU) sitzt neben Markus Söder (CSU).
von Jürgen UmlauftProfil

Bayerns Heimatminister Albert Füracker (CSU) hat Unternehmen in den Ballungsräumen des Freistaats aufgefordert, zusätzliche Standorte und Dienstsitze in ländlichen Regionen einzurichten. Dies gelte auch für international tätige Konzerne. Die Firmen sollten damit der Strategie der Behördenverlagerungen folgen und einen Beitrag zur Schaffung gleichwertiger Lebens- und Arbeitsverhältnisse im ganzen Land leisten. Die Staatsregierung wolle im Rahmen ihrer Heimatstrategie weitere Anreize für Firmenansiedlungen auf dem Land setzen. So kündigte Füracker ein Gütesiegel "Heimatverbundene Unternehmen" für Firmen an, die im ländlichen Raum Arbeitsplätze schaffen und sich in den Regionen engagierten.

Einen besonderen Schwerpunkt der vorerst bis 2025 verlängerten Heimatstrategie sah Füracker im bayerisch-tschechischen Grenzraum. Die dort eingerichteten "Leuchtturmprojekte" zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sollen deshalb weiter gefördert werden. Als Beispiele nannte er die Beratungsbüros in den drei Grenzlandbezirken. Insgesamt will Füracker die Bürger bei der Entwicklung ihrer Heimat stärker einbeziehen. Geplant sei dafür ein "Tag der bayerischen Regionen". Zudem wolle der Freistaat die Heimatpflege und regionale Traditionen weiter fördern. Um die Kommunen in ihren Bemühungen zur Abfederung des demografischen Wandels zu unterstützen, will Füracker ein Pilotprojekt "Demografiefeste Kommune" starten. Derzeit laufe die Bewerbungsphase. Er sagte dafür Fördergelder in Höhe von mehreren Millionen Euro zu. Außerdem soll der Ausbau gigabitfähiger Breitbandnetze und öffentlicher WLAN-Hotspots vorangetrieben werden.

Den Erfolg der bisherigen, seit 2014 laufenden Heimatstrategie bezeichnete Füracker als "messbar", auch wenn sich die Entwicklung seit dem vergangenen Jahr wegen Corona verlangsame. "Der ländliche Raum ist ein starkes Stück Bayern, bei uns gibt es keine verlorenen Regionen", sagte Füracker. So habe die Einwohnerzahl im ländlichen Raum seit 2015 um 2,1 Prozent zugenommen und damit nur knapp unter dem bayerischen Durchschnitt von 2,3 Prozent. In Oberfranken lag das Plus bei 1,8 Prozent. Als erfreulich wertete Füracker den Zuwachs bei den Geburtenzahlen, die seit 2015 im ländlichen Raum um 12,4 Prozent zugelegt hätten, in bayerischen Durchschnitt dagegen nur um 8,9 Prozent. Deutlich vorangekommen sei der Breitbandausbau und die sogenannte "Nordbayern-Initiative". Von den 56 geplanten Projekten seien gut zwei Drittel bereits abgeschlossen, der Rest sei auf den Weg gebracht.

Der SPD-Abgeordnete Klaus Adelt bezeichnete die Heimatstrategie der Staatsregierung dagegen als "gescheitert". Von gleichwertigen Lebensverhältnissen sei Bayern "meilenweit entfernt". Fürackers Ankündigungen für Zukunft seien unkonkret, der Appell an Unternehmen zur Ansiedlungen im ländlichen Raum sei "nichts als heiße Luft". Um hier Fortschritte zu erzielen, helfe keine Plakette, es brauche vielmehr bessere Rahmenbedingungen für die Firmen.

Unternehmen sollen in ländliche Räume

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