München
26.02.2019 - 13:16 Uhr

Jonathan Jeremiah: Retro-Soul, leicht ausgebremst

Die 60er sind angesagt: Der Brite Jonathan Jeremiah vermittelt im Münchener "Strom" die Leichtigkeit und gute Laune der Zeit. Aber sein Konzert ist nicht ohne Schwächen.

Jonathan Jeremiah im "Strom" in München. Bild: we
Jonathan Jeremiah im "Strom" in München.

Die Fans strömen zu seinen Konzerten: Im Münchener "Strom" ist es nicht anders, als Jonathan Jeremiah am Montagabend aufschlägt. Seit Wochen ausverkauft, der Frauenanteil sehr hoch. Der britische Sänger mit den Wuschelhaaren hat eine unglaublich tiefe Stimme, die ganz tief in die Seele dringt. Wie geschaffen für einen souligen Auftritt. So kommt es dann auch - fast.

Der 36-Jährige Jeremiah hat eine siebenköpfige Band dabei, darunter drei Streicherinnen. Deren Intro lässt zunächst wenig Gutes erahnen, das klingt mehr nach Folk oder nach mittelalterlichen Tänzen als nach einer 60er-Jahre Soul-Party. Doch Jeremiah kriegt schnell die Kurve, das Tempo zieht an. Sein Bariton füllt den proppevollen Laden bis in die letzte Ecke. Immer wieder nimmt er aber den Dampf aus der Veranstaltung, kehrt den Singer/Songwriter hervor. Das ist ganz nett, aber man möchte Jeremiah zurufen: Junge, gib Gas! Seine sehr geschmeidigen Nummern aus dem jüngsten Album "Good day" werden immer wieder ausgebremst.

Der Brite hat einen langen Weg hinter sich, bis sich die Hallen füllen. Als Bubi mit sechs Jahren lernt Jonathan Gitarre zu spielen, mit 14 Jahren folgen erste Bühnenerfahrungen - und der Wunsch, etwas Eigenes zu erschaffen. Er jobt in einer Sicherheitsfirma, um sein Debütalbum zu finanzieren. Ton für Ton geht es voran. Nach einer Nachtschicht, so erklärt er in einem Interview, konnte er sich einen Geiger leisten, beim nächsten Mal dann einen Kontrabassisten. "Wenn die anderen im Haus herumtobten oder Fußball spielten, habe ich mich am Plattenspieler versteckt", sagt der Sänger. "Musik war für mich eine Möglichkeit, dem überfüllten London und einem hektischen Haushalt zu entfliehen." Er ist das einzige von fünf Kindern in seiner Familie, das sich für Musik interessiert.

Ein Typ voller Idealismus und Geduld. Es vergeht fast ein Jahrzehnt bis zur Veröffentlichung seines ersten Albums "A Solitary Man". Die Mühe hat sich gelohnt. Das Werk macht ihn 2011 europaweit bekannt, erreicht in Deutschland sogar die Top 20 der Album-Charts.

Nun also "Good day", bereits die vierte Platte. Anspruchsvoller, ausgetüftelter Sound. Perfekt arrangiert. Nach 100 Minuten gibt es "Happiness" als letzte Zugabe. Ein wunderbarer Gute-Laune-Song. Aber auch hier ist nicht alles stimmig, das Gitarrensolo ist viel zu lang und rockig. Jeremiah hat das Zeug zum ganz großen Star - wenn er seiner souligen Ader freien Lauf lässt.

Jonathan Jeremiah im "Strom in München. Bild: we
Jonathan Jeremiah im "Strom in München.
Jonathan Jeremiah im "Strom" in München. Bild: we
Jonathan Jeremiah im "Strom" in München.
 
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