Die "Homeschooling-Großmutter"
Marianne Malzer aus Oberviechtach war Grundschullehrerin, Rektorin und ist zehnfache Großmutter. Ihre Enkelkinder sind zwischen zwei und 13 Jahren alt. Sie erzählt: "Als der erste Lockdown vor einem Jahr kam, wollten wir alle mit Feuereifer helfen, uns gegen das Virus zur Wehr zu setzen und entsprechend machten auch die Kinder zunächst begeistert mit. ,Wir schaffen das!', war die Devise. Spätestens zu Allerheiligen war klar, dass wir es nicht geschafft hatten und eine weitere Zeit der Einschränkungen vor uns lag. Die Motivation der Kinder hielt sich nun eher schon in Grenzen.
Während die Größeren sich in Puncto Homeschooling recht schnell mit den Modalitäten zurechtfanden –auch wenn natürlich zu Beginn alle Systeme überlastet waren und ein zeitgerechtes Bearbeiten gar nicht möglich war-, litten die Kleineren unter Orientierungslosigkeit. Ein Beispiel: Am Freitag wurden die Materialien von der Schule abgeholt, von Arbeitsblättern bis hin zum Wochenarbeitsplan sowie benötigten Heften. Eigentlich perfekt! Doch leider kam es schon mal vor, dass ein Arbeitsblatt fehlte, was natürlich nach Abgabe der bearbeiteten Materialien eine Woche später bemängelt wurde. Im Nachhinein erfuhr man dann, dass das fehlende Blatt per Mail zugesandt worden wäre. Dazu kamen noch Erläuterungen zu den auf den Arbeitsblättern angegebenen Arbeitsaufträgen auf sogenannten Padlets. Die Zugangsdaten dazu waren zigstellige Nummern- und Buchstabenfolgen. Nun, ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Erst- oder Zweitklässler bei vier Fundstellen zu einer Aufgabe den Überblick ohne Hilfe behalten kann.
Ein weiteres Auseinanderdriften von leistungsstarken Kindern mit intensiver häuslicher Unterstützung zu Kindern ohne gleiche Voraussetzungen ist unausweichlich. Aber noch härter trifft die Kinder die Isolation, und da macht das Alter keinen Unterschied. Unbeschwertes Spielen oder auch „nur“ Ratschen – Fehlanzeige, wenn mehrere Kinder in einer Familie leben. Es darf ja immer nur einer kommen, die anderen müssen auf Besuch zu dieser Zeit verzichten. Und machen wir uns nichts vor: Trotz unserer Medien, die ja gewissermaßen den Kontakt zu den Anderen auch in dieser Zeit ermöglichen, fehlt den Kindern und Jugendlichen auch der körperliche Kontakt, die körperliche Nähe. Viele von uns Erwachsenen können sich vielleicht noch an ihre Kindheit erinnern, wenn man bei einem blutenden Knie tröstend von der Oma in den Arm genommen wurde, um nur ein Beispiel zu nennen.
Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen, von zunehmender Entfremdung von Klassenkameraden, fehlender Sozialisation in den Pausen, fehlender Möglichkeit, in musischen Fächern Anerkennung von Mitschülern zu bekommen bis hin zum fehlenden anerkennenden Blick der Lehrkraft oder auch nur einem freundlichen Lächeln. Motivation derzeit: keine mehr!
Die Kita-Leiterin
Yvonne Ströhl leitet die städtische Kindertagesstätte Luitpoldhöhe in Amberg: "Wir haben das Glück, dass die Kinder in unserer Einrichtung am Montag (22. Februar, die Redaktion) ohne größere Schwierigkeiten zurückgekommen sind. Selbst bei den jüngeren Kindern, die erst im September eingewöhnt wurden, gab es keine Probleme nach ihrer Rückkehr in die Kita. Aber natürlich sind die Kinder noch nicht richtig im Kita-Alltag angekommen. Daher beobachten wir sie derzeit besonders gut, um bedürfnisorientiert auf das einzelne Kind eingehen zu können.
Die Kinder freuen sich alle sehr, wieder in der Kita zu sein und ihre Freunde und uns wiederzusehen. Sie äußern sich zum Geschehen beispielsweise mit den Worten ,blödes Virus', ,böses Corona', oder ,das soll endlich weggehen' und teilen uns so ihre Empfindungen mit. Außerdem wünschen sie sich, dass bald wieder mehr Freizeitaktivitäten für sie möglich sind, etwa um ins Kino, ins Bad oder in einen Freizeitpark zu gehen. Es kommt schon einmal vor, dass sie Verwandte oder Freunde aus ihrem privaten Umfeld vermissen. Wir trösten dann das Kind und geben diese Information an die Eltern weiter. Auffallend ist, dass sich die Kinder gut mit der aktuellen Situation auskennen. Man merkt, die Themen Maske, Abstand, Lüften, Händewaschen werden nicht nur in der Kita, sondern auch zu Hause mit ihnen kommuniziert. Dennoch lässt sich feststellen, dass das Thema Corona selbst zum Glück keine übergeordnete Rolle bei den Kindern spielt.
Alle aus dem Kita-Team freuen sich sehr über jedes einzelne Kind, das nun endlich wieder bei uns sein kann. Dennoch haben auch wir in der Einrichtung große Bedenken wegen einer Ansteckung mit dem Virus. Daher ist uns auch die Einhaltung aller Maßnahmen sehr wichtig. Einen großen Beitrag leisten freilich auch die Eltern. Dafür sind wir ihnen ausgesprochen dankbar. Sie gehen ebenso verantwortungsvoll mit der Situation um wie wir. Die Notbetreuung wurde hier nur in Anspruch genommen, wenn die Eltern keine andere Lösungsmöglichkeit hatten."
Der Fünftklässler
Ludwig, 11 Jahre, aus Weiden, erzählt: „Es ist hart, dass man seit einem Jahr kaum Freunde treffen kann. Dafür kann ich aber meine Großeltern sehen. Wir konnten nicht in den Urlaub fahren und auch viele Hobbys fallen flach, zum Beispiel habe ich kein Fußballtraining und keine Fußballspiele mehr gehabt. Und Klavierunterricht bekomme ich jetzt per Videochat. Wir haben dafür jetzt Hobbys mit der Familie entdeckt: Wir spielen Tennis und sind im Winter Langlaufen und Schlittschuhfahren gegangen. Außerdem machen wir Ausflüge und Spaziergänge in der Umgebung. Seit Herbst bin ich schon auf einer neuen Schule, aber ich kann meine Klassenkameraden und Freunde nicht so gut kennenlernen, weil der Unterricht über Videokonferenzen läuft. Wenigstens gibt es einen Klassenchat.“
Der Erzieher aus dem Jugendzentrum
Nico Erhardt arbeitet als Erzieher beim Stadtjugendring Weiden: "Zwischen dem ersten und dem zweiten Lockdown hatten wir ein paar Wochen unser Juz (Jugendzentrum) geöffnet. Und es war ein richtiges Aufatmen bei Mitarbeitern und Jugendlichen. Wir haben zwar ganz stark versucht, in Kontakt zu bleiben, über soziale Medien oder Whatsapp-Gruppen, aber nach einem Jahr Corona sehnen sich die Jugendlichen nach Normalität. Sie wollen endlich wieder Freunde treffen, weggehen, zusammen Sport machen. Ja, und endlich auch wieder in die Schule gehen.
Das ,Juhu, wir haben schulfrei' vom Anfang ist verflogen, die Online-Konferenzen stressen. Dabei ist es aber so, dass die Jugendlichen nicht motzen oder meckern, sondern sich eher beklagen. Es fehlt ihnen ganz stark der Kontakt zu ihrer Peer-Group. Es gehört einfach mit zur Entwicklung, sich zu streiten und versöhnen, zu diskutieren, spielerisch zu raufen, und auch sich zu verlieben. Am PC ist vieles eben nicht möglich. Die Luft ist inzwischen raus. Es war anfangs noch spannend, den ganzen Tag Fifa zu zocken, aber jetzt wünschen sich die Jugendlichen, dass wir endlich wieder das Juz öffnen. Doch auf das Wann kann ich ihnen leider keine genaue Antwort geben.
Ganz allgemein gehen jetzt für Kinder und Jugendliche viele Erlebnisse und Ereignisse flöten. Es gibt keinen Schwimmkurs, keinen Skikurs mit der Schule, keine Fahrt in die Jugendherberge. Das sind doch alles prägende Erfahrungen...Besonders schwierig ist die Situation wohl, wenn man in der Stadt in einer kleinen Wohnung lebt und nicht raus kann. Kinder auf dem Land haben es da leichter.
Die Abschlussschülerin
Michelle Kleemann, 17 Jahre, aus Mantel im Landkreis Neustadt/WN, macht bald ihren Abschluss an der Wirtschaftsschule in Weiden: "Zurzeit (Ende Februar, die Red.) geht der Unterricht noch von zu Hause aus, aber ich glaube nicht, dass wir im Nachteil sind gegenüber normalen Abschlussklassen. Die Lehrer passen schon auf, helfen super und schauen, dass wir wirklich alles verstehen. Ich vermisse vor allem das Bouldern im Jugendzentrum Weiden. Man kann auch nicht mehr mit mehreren Leuten zusammenkommen und ein bisschen Party machen, das fehlt mir schon.
Neue Kontakte zu finden ist im Lockdown schwer. Aber es ist schön, dass ich eine Schwester habe, dann ist man nicht so alleine. Zu meinen Großeltern habe ich jetzt weniger Kontakt. Im Moment male ich in meiner Freizeit oder gehe bei schönem Wetter raus und spiele alleine oder zusammen mit meiner Schwester Basketball. Ich bin nicht gerne drinnen, ich muss raus, Sport machen, laufen. Mir reicht es jetzt mit dem Lockdown, ich nerve schon meine Eltern, dass ich endlich wieder bouldern gehen möchte. Und ich will einen Kumpel wiedersehen, den ich vom Bouldern kenne und der letztes Jahr weiter weggezogen ist."

























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